Lagersituation
Kennzahlen als Analyse-Instrument
Mit einer Reihe von Kennzahlen, die sich insbesondere an Erfahrungswerten der Branche und an der individuellen Lage orientieren, kann recht zuverlässig die Lagersituation zum Zwecke des bestmöglichen Kapitaleinsatzes beurteilt werden.
1 Umschlagsgeschwindigkeit
Unter dem Aspekt der Kapitalbindung spielt die Umschlagsgeschwindigkeit des Warenlagers (auch Lagerdrehzahl, Lagerumschlag oder Lagerumschlagshäufigkeit genannt) für die Bestimmung der umsatzgerechten Lagergröße eine zentrale Rolle. Die Kennzahl sagt aus, wie oft das Warenlager pro Jahr verkauft (umgeschlagen) wurde. Sie ist damit auch Maßstab für die Qualität der Einkaufspolitik.

In der Formel können (für Zähler und Nenner jeweils gleich) EK- oder VK-Werte eingesetzt werden. Die Umschlagsgeschwindigkeit ist bei beiden gleich.
Die Genauigkeit der Kennzahl hängt von der Berechnungsweise des durchschnittlichen Lagerbestandes ab.

Mit dem Lagerumschlag zeigt sich also, wie lagerkapitalintensiv eine Branche bzw. ein Betrieb ist. Während sich im Lebensmitteleinzelhandel das Lagerkapital rd. 13mal dreht, liegt dagegen die Drehzahl bei Juwelieren nur bei 1.
Es ist nun für den Betrieb erstrebenswert, einen besseren Lagerumschlag als der Branchendurchschnitt zu erzielen. Einschränkend muss allerdings hinzugefügt werden, dass auch das Preisniveau des beurteilten Geschäftes berücksichtigt werden muss, da z. B. für 10.000 € mehr Auswahl im unteren als im oberen Genre geboten werden kann. So ist es z. B. nicht verwunderlich, dass Topjuweliere nicht selten einen Lagerumschlag von nur 0,5 zu verzeichnen haben, während der Branchendurchschnitt bei 1,0 liegt.
Ein überhöhtes Lager bietet zwar eine größere Auswahl, kann aber auch ein Zeichen von schwer verkäuflicher, insbesondere veralteter Ware sein.
Ein unnötig überhöhtes Lager bindet mehr Kapital, was möglicherweise an anderer Stelle besser eingesetzt wäre, und verringert die Liquidität.
Überhöhte Läger können überhöhte Lagerkosten nach sich ziehen, wie mehr Zinsen für das Lagerkapital, höhere Raumkosten, höhere Versicherungsgebühren usw. Aber auch ein zu niedriger Lagerumschlag kann auf eine falsche Einkaufspolitik hinweisen,
- dass z. B. infolge eines zu geringen Angebotes Umsatzrückgänge die Folge sind oder
- dass z. B. günstige Mengenrabatte nicht genutzt wurden, die die Zinsen (kalkulatorisch oder effektiv) für ein Mehr an Kapitaleinsatz überboten hätten.
2 Lagerdauer
Die Berechnung der Lagerdauer ist lediglich eine Umrechnung des Lagerumschlags in die Angabe von Tagen.

Im Durchschnitt des gesamten Lagerbestandes dauert es 79 Tage, bis die Ware verkauft ist. Mit zunehmendem Lagerumschlag sinkt die Lagerdauer. Danach bedeutet ein Lagerumschlag von
2 mal = Lagerdauer von 183 Tagen,
4 mal = Lagerdauer von 91 Tagen,
20 mal = Lagerdauer von 18 Tagen.
3 Rentabilität des Lagerkapitals
Der Lagerumschlag allein sagt noch nichts über die Rentabilität des Lagerkapitals aus. Ein höherer Lagerumschlag erbringt bei zu niedrigem Kalkulationsaufschlag keine ausreichende Rentabilität und umgekehrt. Die Kontrolle der Lagerrentabilität erfolgt über die Rentabilitätszahl.

Die Rentabilitätszahl gibt die Höhe des Warenrohertrages je 100 € des ins Warenlager investierten Kapitals an. Demnach wurde im vorliegenden Fall 198 € Rohertrag erzielt.
4 Lagerbestand im Verhältnis zur Verkaufsfläche
Mit Hilfe der Kennziffer
durchschnittlicher Lagerbestand pro qm Verkaufsfläche
kann festgestellt werden, ob der Lagerbestand im Verhältnis zur Verkaufsfläche über- oder unterdimensioniert ist. Zur Beurteilung eignen sich am besten die Vergleichswerte gleichgelagerter Betriebe. Eine Unterdimensionierung ist vertretbar, wenn ohnehin keine höheren Umsätze aufgrund zu großer Konkurrenz oder aufgrund eines zu kleinen Einzugsgebietes zu erzielen sind. Dann allerdings stellt sich die Frage nach einer Aufnahme von zusätzlichen Sortimenten oder nach einer Verkleinerung des Geschäftes.
Zwar ließe sich auch über Lagerumschlag anhand von Branchenvergleichswerten feststellen, ob zu viel oder zu wenig Ware vorhanden ist. Jedoch hilft dies nicht weiter, wenn die Verkaufsfläche mit ins Spiel gebracht wird.
5 Monatlicher Lagerindex
Der monatliche Lagerindex errechnet sich, indem der monatliche Bestand durch den Durchschnitt aus 12 Monaten dividiert und mit 100 multipliziert wird:

Ein Index über 100 zeigt an, dass der Wert über dem Durchschnitt liegt, wie z. B. zu Beginn einer Saison, und umgekehrt.
Er dient der Einkaufs- und Limitplanung, damit das Lager kapitalsparend an den Saisonverlauf angepasst wird. Als Indizes können eigene Erfahrungswerte, branchenübliche oder auch andere anzustrebende Indizes eingesetzt werden; wichtig dabei ist, dass die Addition aller 12 Indizes 1.200 ergibt.

6 Fazit
Die Lagersituation kann über eine Anzahl unterschiedlicher Kennzahlen beurteilt werden. Sie sind die erste Grundlage für die Gestaltung der Lagerpolitik, damit das ins Lager investierte Kapital gezielt und sparsam zum Zwecke eines optimalen Umsatzes eingesetzt wird. Eine zentrale Rolle nimmt hierbei die Lagerumschlagsgeschwindigkeit ein. Aber auch die Rentabilität des Lagerkapitals muss beachtet werden. Schließlich ist es seine Aufgabe, mit möglichst geringem Einsatz ein Höchstmaß an Ertrag für den Betrieb herauszuholen.