LiLieferanteninformationen

Identifikation, Bewertung und Pflege

Lieferanten sind für das Handelsunternehmen Geschäftspartner, die über den reinen Güteraustausch eine weiterreichende Nutzenfunktion als Leistungsanbieter, Marktforschungsobjekt und Informationsquelle haben. Die lieferantenbezogene Aufgabenpalette des Einkaufsverantwortlichen erstreckt sich dabei auf das Finden, Auswählen, Führen, Fordern bis hin zum Fördern von Lieferanten. Wie intensiv sich die Abnehmer-Lieferer-Beziehung gestaltet, hängt allerdings auch von der jeweiligen Machtkonstellation zwischen den Partnern ab (vgl. Kapitel über Marktkonstellationen).

1 Aspekte der Lieferantenauswahl
Sofern sich nicht bereits aus der geplanten Sortimentsstruktur im Hinblick auf die Bezugsquellen ein fester Lieferantenstamm ableitet, müssen die Lieferanten identifiziert und ausgewählt werden, mit denen sich der Wareneinkauf möglichst optimal umsetzen lässt. Eine systematische Recherche erfolgt auf der Grundlage von Prüfkriterien bezüglich
- der allgemeinen Unternehmens- und Lieferantenumweltdaten,
- der wirtschaftlichen und technischen Leistungen der Lieferanten.

Im Einzelnen können grundsätzlich Informationen zu allgemeinen Unternehmensdaten und Lieferantenleistungen relevant sein.

Allgemeine Unternehmensdaten:
• Unternehmensgröße,
• Finanzkraft,
• Marktstellung im Anbietermarkt und das dortige Ansehen (Marktpositionierung),
• Unternehmensentwicklung,
• Kostensituation,
• Distributionspolitik (z. B. Konkurrenzbelieferung),
• Produktpolitik (bei Herstellern),
• Sortimentspolitik (z. B. bei Großhändlern),
• Kommunikationspolitik (Werbung),
• Marketingkonzeption,
Image bei Konsumenten,
• Forschungs- und Entwicklungsaufwand, Technologiestärke,
• geographische Lage in sinnvoller Beschaffungsreichweite.

Lieferantenleistungskriterien:
• Qualität,
• Preis
• Zahlungsbedingungen,
• Lieferzuverlässigkeit,
• Liefertreue,
• Beratung und Service,
• Kommunikation und administrative Arbeit,
• Garantie- und Kulanzleistungen.

Siehe auch qualitative Komponenten der Lieferanten und Auswahlkriterien.

2 Leistungsanalyse als Grundlage der Lieferantenwahl
Gegenüber der noch häufig üblichen Angebotsanalyse bietet eine umfassende, die verschiedensten Lieferantenleistungen einschließende Anbieteranalyse den deutlichen Vorteil der verbesserten Objektivierung und Professionalisierung der Auswahlentscheidung. Ein allgemein gültiges Verfahren für Lieferantenbewertungen gibt es nicht. Jedes Unternehmen hat seine eigenen Beurteilungsmerkmale und Gewichtungen. Eine relativ einfache und praktikable Methode der Lieferantenbeurteilung ist die Notenvergabe, z. B. von 1 bis 5, für die maßgeblichen Parameter eines jeden Lieferanten.

Zur Unterstützung der Durchführung einer quantitativen und qualitativen Lieferantenbeurteilung stehen zwei Muster-Schemata zum Download zur Verfügung:

Muster-Schema Lieferantenbeurteilung qualitativ (im Excel-Format)

Muster-Schema Lieferantenbeurteilung quantitativ (im Excel-Format)

Genauere und ausführlichere Analysetechniken der Lieferantenbewertung stellen Punktbewertungsverfahren dar, wie sie z. B. Scoring-Modelle bieten. Grundsätzlich muss gewährleistet sein, dass alle quantitativen und qualitativen Daten objektiv gesammelt und nach einem einheitlichen Verfahren ausgewertet werden.

3 Beziehungspflege
Entscheidungsvorbereitungen im Bereich der Lieferantenauswahl und -bewertung können zunehmend von elektronisch gestützten Daten und Informationen übernommen werden. Der elektronische Austausch strukturierter Geschäftsdaten (EDI), die Zusammenarbeit zwischen Handel und Hersteller in den Systemen des Efficient Consumer Response (ECR) oder beim Category Management (CM) technisieren die Lieferanten-Abnehmer-Beziehungen in starkem Maße.

Gleichzeitig behält das Ziel einer auch menschlich vertrauensvollen Beziehung zwischen Einkäufer und Lieferant seinen Stellenwert als Stabilitätsfaktor der Zusammenarbeit. Die Qualität und Intensität der Kommunikation, die Bereitschaft, die jeweils eigenen Informationsvorsprünge weiterzugeben, ermöglichen es letztlich, gemeinsam daran zu partizipieren (win-win-Situation).

4 Fazit
Das System einer objektivierten Lieferantenauswahl und -bewertung, verknüpft mit einer auf Vertrauen basierenden, partnerschaftlichen Zusammenarbeit, ist die beste Gewähr für erfolgreiche Lieferantenbeziehungen. Entsprechend sind in diesem zentralen Aufgabenfeld des Handelseinkäufers Informationen auf vielen Ebenen und Teilgebieten zu beschaffen, zu analysieren und zu kommunizieren.






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