Großhandel
Der indirekte Beschaffungsweg
Im Gegensatz zur direkten Beschaffung durch den Direktkauf in der Industrie bzw. beim Hersteller spricht man von indirekten Beschaffungswegen, wenn Mittler eingeschaltet werden. Der Einzelhandel kann in der Regel nur kleine Warenmengen ordern, so dass der direkte Beschaffungsweg wegen zu geringer Ordermengen meist versperrt ist. Der indirekte Bezug bringt dem Einzelhandel zwar höhere Beschaffungskosten, er weist aber auch nicht zu unterschätzende Vorteile auf. Denn die Absatzmittler können wesentliche Funktionen wie Transport- und Lagerfunktionen oder auch Hilfestellungen bei der Sortimentsbildung wie auch beim Marketing übernehmen. Neben den Absatzmittlern agieren sogenannte Absatzhelfer, beispielsweise die Speditionen.
Ein überaus wichtiger Absatzmittler im Handelsgeschehen ist der Großhandel. Großhandelsfunktionen nimmt derjenige wahr, der Handelswaren im eigenen Namen für eigene Rechnung (Kommissionshandel) an andere Abnehmer als private Haushalte absetzt. Handelswaren sind bewegliche Sachgüter, die ohne wesentliche Be- oder Verarbeitung weiterveräußert werden.
1 Großhandelstypisierungen
Unter dem Aspekt des Handels steht die Unterscheidung nach der dominierenden Absatzform für den Großhandel im Vordergrund. Diese unterscheidet zwischen Produktions- und Konsumtionsverbindungshandel. Ein Unternehmen wird dem Produktionsverbindungshandel zugerechnet, wenn weniger als die Hälfte des Großhandelsumsatzes auf Geschäfte mit dem inländischen Einzelhandel entfällt.
Dem Konsumtionsverbindungshandel zugerechnet wird ein Unternehmen hingegen, wenn mindestens die Hälfte des Großhandelsumsatzes auf Geschäfte mit dem inländischen Einzelhandel entfällt.
Der Konsumtionsverbindungshandel kann also als der klassische Großhandel bezeichnet werden, der traditionellerweise den Einzelhandel mit Konsumgütern beliefert, also in der Kette Hersteller – Großhandel – Einzelhandel steht. Agiert dieser konsumnahe Großhandel schon eher verdeckt im allgemeinen Bewusstsein, trifft das erst recht auf den Produktionsverbindungshandel zu. Er ist eingebunden in die Belieferung der Produzenten untereinander mit Grundstoffen und Produktionsgütern und tritt so gut wie nie in die öffentliche Wahrnehmung.
Neben diesen Unterscheidungsmerkmalen gibt es noch ein Fülle weiterer Typisierungsmöglichkeiten. Nach der Bedienungsform kann man zwischen Selbstbedienungs- bzw. Cash and Carry- und Liefergroßhandel, nach der Unternehmensform zwischen Werkhandels- und ungebundenem Unternehmen unterscheiden. Es kann weiterhin zwischen Binnen- und Außengroßhandel oder Strecken- und Lagergroßhandel unterschieden werden. Alle diese Unterscheidungen haben unter verschiedenen, spezifischen Analysegesichtspunkten ihre Rechtfertigung. Für einen Überblick über die Entwicklung im Großhandel allgemein bietet sich aber die oben dargestellte Typisierung nach der Absatzorientierung an.
Eine weitere wichtige Unterscheidung im Großhandel ist die zwischen institutionellem und funktionellem Großhandel. Damit wird ein Problem angesprochen, welches sich quantitativ nicht nur schwer erfassen lässt, sondern welches auch die Statistik zum Großhandel verzerrt. Unter institutionellem Großhandel versteht man den Warenabsatz durch Großhandelsunternehmen, also durch Institutionen, deren wirtschaftliche Tätigkeit ausschließlich oder überwiegend darin besteht, typische Großhandelsfunktionen zu erfüllen. Dazu zählen alle rechtlich selbstständigen Unternehmen, deren Tätigkeit schwerpunktmäßig im Großhandel liegt. Demgegenüber bezeichnet der funktionelle Großhandel nicht die Institution Großhandel, sondern deren Tätigkeit, also der Absatz von Waren und sonstigen Leistungen an Wiederverkäufer, Weiterverarbeiter oder andere Großverbraucher - gleichgültig, wer diese Tätigkeiten ausübt. Beispielsweise können Produzenten in eigener Regie für die Warenverteilung und alle dafür notwendigen Tätigkeiten sorgen, ohne dass sie zum institutionellen Großhandel gezählt werden.
2 Großhandelsfunktionen
Typische Großhandelsaktivitäten werden also vom institutionellen Großhandel durchgeführt - aber auch von Nicht-Großhändlern, zum Beispiel von Einkaufsvereinigungen, Verkaufskooperationen, rechtlich selbstständigen oder integrierten Vertriebsabteilungen, Auslieferungslagern der Industrie oder Großhandelszentralen der Einzelhändler. Mit anderen Worten: Wenn Großhändler Großhandel betreiben, wird dies in den entsprechenden Statistiken erfasst. Wenn Nicht-Großhändler Großhandel betreiben, nicht. Da in immer mehr Branchen Großhandel auch von anderen Unternehmen betrieben wird - zum Beispiel von Produktionsunternehmen, die ihre Fertigung im Inland einschränken und ihr Sortiment durch Zukäufe abrunden - wird die Statistik verzerrt. Die Leistungen des Großhandels, die Funktionen, die er ausführt, werden am Markt immer noch nachgefragt, nur von anderen als von Großhandelsunternehmen erbracht. Daher spricht man auch häufig vom funktionsechten Großhandel in Abgrenzung zu den Unternehmen, die neben anderen Geschäftszwecken auch - aber nicht überwiegend - Großhandel betreiben.
In diesem Zusammenhang sei kurz auf die Funktionsdiskussion im Großhandel eingegangen. Was sind typische Großhandelsfunktionen? Gibt es diese überhaupt? Im Wesentlichen bündelt der Großhandel das Angebot mehrerer Anbieter und die Nachfrage mehrerer Abnehmer und bringt diese zusammen. Er verschafft sich einen Überblick auf den Beschaffungs- und Absatzmärkten, stellt dieses Wissen seinen Kunden auf beiden Seiten zur Verfügung und wird für diese Tätigkeiten bezahlt.
Die Handelswissenschaften haben im Laufe der Zeit zahlreiche Funktionen identifiziert, die den Großhändler zum Großhändler machen, zum Beispiel
• Sortimentsbildung: Zusammenstellung und Bündelung der Sortimente verschiedener Hersteller,
• Distributionsfunktion: Feinverteilung, Belieferung vieler, auch kleiner Abnehmer,
• Markteinführungsfunktion: Durchführung von Marketingmaßnahmen, Schaffung von Markttransparenz,
• Lagerhaltung: Sicherstellung der Versorgung,
• Kreditgewährung: Lieferantenkredite an Abnehmer über verlängerte Zahlungsziele,
• Beratung,
• Transport.
Allerdings verändern sich die Ansprüche im Laufe der Zeit. Lediglich die Erfüllung der als typisch erachteten Funktionen macht einen Großhändler noch nicht zum Großhändler. Über viele Jahre hinweg war es üblich, die Leistungen des Handels mit Funktionen zu umschreiben und hierfür so genannte Funktionsrabatte zu fordern und zu erhalten. Es hat sich aber gezeigt, dass mit dem Hinweis auf ausgeübte Handelsfunktionen die Einschaltung des Großhandels nicht gerechtfertigt werden kann, weil durch die Auflistung von möglichen Handelsfunktionen die folgenden Fragen noch nicht positiv beantwortet sind:
- Sollen die Funktionen, die der Großhandel in der Vergangenheit ausgeübt hat, nicht zweckmäßigerweise auf andere Wirtschaftssubjekte übertragen werden, zum Beispiel die Industrie oder Spediteure?
- Besteht überhaupt ein Bedarf an den fraglichen Funktionen?
Diese Fragen haben dazu geführt, dass auch in der Theorie nicht mehr nur dargestellt wird, was Großhandelsbetriebe üblicherweise tun, sondern dass geprüft wird, unter welchen Bedingungen die einzelnen Tätigkeiten zweckmäßigerweise von einem Großhandelsbetrieb ausgeführt werden.
Der Großhandel ist nicht an typischen Großhandelsfunktionen festzumachen. Diese können eben auch von anderen Unternehmen erbracht werden. So wie sich die Parameter und Wettbewerbsbedingungen auf den Märkten im Laufe der Zeit ändern, ändern sich auch die Funktionen des Großhandels. Was allerdings bleibt, ist die Notwendigkeit, dass er die Leistungen effizienter und billiger erbringt als seine Handelspartner. Denn ansonsten bestünde kein Grund, ihn in die Distribution einzuschalten.
3 Großhandelsformen
Die einzelnen Formen des Großhandels unterscheiden sich nach Branche und vor allem nach Produktionsprogramm bzw. Sortiment und Dienstleistungsangebot. Die wesentlichen Formen sind: Sortiments- und Spezialgroßhandel, Cash and Carry und Rack Jobber.
Formen des Großhandels:

4 Wirtschaftliche Bedeutung des Großhandels
Anfang der 90er Jahre vollzog sich die deutsche Wiedervereinigung, die wie ein warmer Regen über die Handelslandschaft in (West-)Deutschland niederging und wie ein gewaltiges Konjunkturprogramm wirkte. Die plötzliche und zusätzliche Nachfrage von rund 16 Millionen Menschen forderte nicht nur die distributiven und logistischen Fähigkeiten des Großhandels heraus, sondern bescherte ihm für die Dauer von rund drei Jahren eine Hochkonjunktur mit stark steigenden Umsätzen und Erlösen. Der Nachfrageboom lockte zahlreiche neue Unternehmen auf den Plan, die ihre Chancen erkannten und Handelsleistungen anboten. Mit ihnen stieg auch die Zahl der Arbeitsplätze im Großhandel erheblich an.
Bis etwa zur Mitte der 90er Jahre kam es dann zu einer teilweise scharfen Korrektur. Ausgelöst durch die gesamtwirtschaftliche Rezession des Jahres 1993 drang das Schlagwort der Globalisierung in das Bewusstsein der Bevölkerung. Zusammen mit der in diese Zeit an Fahrt gewinnenden Realisierung des gemeinsamen europäischen Marktes sorgte die zunehmend internationaler werdende Wirtschaft für eine drastische Zuspitzung der Wettbewerbsintensität auf zahlreichen Märkten, auch im Handel. Dieser steigende Wettbewerbsdruck fiel im Großhandel mit der Konsolidierungsphase nach der Wiedervereinigung zusammen. Die strukturellen Anpassungsleistungen nach der Hochphase der Wiedervereinigung fielen härter und schmerzhafter aus als erwartet.
5 E-Commerce
Mit Beginn des 21. Jahrhunderts hat ein weiteres, einschneidendes Ereignis den Handel getroffen, dessen Auswirkungen noch nicht in vollster Weise absehbar sind: E-Commerce oder die Individualisierung der Massenkommunikation. Der Großhandel ist gefordert, mit dieser Herausforderung offensiv umzugehen, sie in sein Geschäft zu integrieren und neue, Nutzen stiftende Dienste anzubieten oder vom Markt verdrängt zu werden. Denn die Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnik erlauben die einfache und unmittelbare Kontaktaufnahme zwischen Individuen untereinander und mit Institutionen aller Art, so auch zwischen Herstellern und (End-)Abnehmern von Produkten. Transaktionskosten können deutlich gesenkt, Informationsvorsprünge der Händler eingeebnet werden.
Aber genau diese Transaktionskosten, die entstehen, wenn sich auf einem Markt viele Anbieter und viele Nachfrager gegenüberstehen, sind eine wesentliche Ursache für die Entstehung des Großhandels. Durch die Möglichkeiten der individuellen Massenkommunikation über das Internet können sich nun auch auf heterogenen, segmentierten Märkten die Teilnehmer eine höhere Transparenz verschaffen, direkt aktiv werden und den Zwischenhandel umgehen bzw. ausschalten. Und dies sowohl im Business-to-consumer- also auch im Business-to-business-Bereich. Wo dies geschieht, verschwindet der Großhandel vom Markt oder wird auf wenige Funktionen mit einer entsprechend geringen Wertschöpfung reduziert.
Ob dies geschieht oder ob der Großhandel von der neuen Technologie eher profitieren kann, ist noch nicht eindeutig. Es scheint aber darauf hinauszulaufen, dass einige Branchen die Möglichkeiten des Internet gewinnbringend einsetzen können, es für die Mehrzahl der Unternehmen allerdings zur Bedrohung wird. Denn das Internet reduziert zum einen die Transaktionskosten durch Schaffung einer höheren Markttransparenz, zum anderen erweitert und vereinfacht es in wesentlichen Punkten den Informationsaustausch zwischen den Marktteilnehmern und damit die Möglichkeiten der Umgehung des Großhandels.
6 Entwicklung des Großhandels
Der Großhandel hat mit tendenziell rückläufigen Umsätzen zu kämpfen, wie die Entwicklung der realen und nominalen Umsatzwachstumsraten seit 1995 zeigt:
6.1 Sortimentsgroßhandel
Der Großhandel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren ohne ausgeprägten Schwerpunkt - als Sortimentsgroßhandel bezeichnet - stellt das umsatz- und beschäftigungsstärkste Segment innerhalb des Lebensmittelgroßhandels dar. Vorteile gegenüber den Spezialgroßhändlern ergeben sich für den Sortimentsgroßhandel aufgrund eines zum Teil breit differenzierten Warenangebots, das sich an der Zielgruppe orientiert. In diesem Zusammenhang seien vor allem Convenience Stores - wie Tankshops, Bahnhofsläden oder Kioske/Trinkhallen - genannt, die von den Endverbrauchern immer häufiger aufgesucht werden (längere Öffnungszeiten, zentrale Lagen, persönlicher Kontakt).
Konzentrationsbestrebungen sind, wie auch in den anderen Lebensmittel-Großhandelsbereichen, verstärkt zu verzeichnen. Sie lassen die Anzahl der am Markt beteiligten Unternehmen stetig verringern und führen dazu, dass sich die ursprünglich eher mittelständische Unternehmensstruktur der Branche hin zu einer Marktführerschaft weniger großer Betriebe verändert. Wie in den meisten anderen Lebensmittel-Großhandelsbereichen wird auch im Großhandel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren der Mitarbeiterstamm kontinuierlich abgebaut.
Das Sortiment der Branche setzt sich mehrheitlich aus Erzeugnissen des Ernährungs- und Tabakgewerbes zusammen, wobei hier eine differenzierte Verteilung nach Produkten besteht. Von Bedeutung sind außerdem Waren der Land- und Fischereiwirtschaft und chemische Erzeugnisse (vor allem aus der Pharmazie). Einzelhändler sind zunehmend an kompletten Sortimentslieferungen interessiert; das heißt, dass nahezu das gesamte Warensortiment über einen Großhändler bezogen wird.
Der Sortimentsgroßhandel bezieht seine Waren zum großen Teil von Spezialgroßhändlern und Importeuren sowie aus der Ernährungsindustrie, wo vor allem die Tabak- und die Süßwarenindustrie bedeutende Anteile ausmachen. Direkt aus dem Ausland wird nur ein geringer Teil des Sortiments bezogen. Es wird deutlich, dass hier eine mehrstufige Handelsstruktur vorliegt. So ist zum Beispiel auch der Anteil der Produkte, der direkt der Land- oder Fischereiwirtschaft entstammt, verschwindend gering.
Warenbezug des Sortimentsgroßhandels:

(Quelle: Statistisches Bundesamt)
Den überragenden Anteil des Warenabsatzes durch den Sortimentsgroßhandel vereinnahmt der Einzelhandel, wozu neben den Lebensmittelfachgeschäften vor allem Kioske und Tankstellen zu rechnen sind. Auch das Automatengeschäft im Bereich Tabakwaren gewinnt an Bedeutung. Bedenkt man, dass die gewerblichen Abnehmer einen nicht zu vernachlässigenden Anteil ausmachen, so kann man sagen, dass es sich beim Sortimentsgroßhandel zumeist um einen klassischen Konsumtionsverbindungshandel handelt, der die Verbindung zwischen Vorlieferant und Letztverkäufer darstellt.
Warenabsatz des Sortimentsgroßhandels:

(Quelle: Statistisches Bundesamt)
Der Wettbewerb im Sortimentsgroßhandel wird sich allerdings weiter verschärfen und zu Fusionen und Insolvenzen führen, was vor allem die klein- und mittelständisch strukturierten Betriebe der Branche treffen wird. Die Konkurrenz vergrößert sich durch ehemalige Spezialgroßhändler, die auf den Markt drängen und ihr Warensortiment aufgrund der besseren Wettbewerbsfähigkeit erweitern.
Der Sortimentsgroßhandel scheint aber gegenüber den klassischen Spezialgroßhändlern positiveren Entwicklungsperspektiven entgegenzustreben. Allerdings wird sich auch hier die Ausschaltung der Großhandelsebene bemerkbar machen, indem beispielsweise Großbäckereien eigene Filialketten errichten. Des Weiteren hängt vieles vom Warensortiment und der Kundenstruktur der einzelnen Großhandelsunternehmen ab. Prognosen nach wird im Zuge zunehmender Single- und Doppelverdiener-Haushalte der Convenience-Markt weiter an Bedeutung gewinnen, wozu allen voran auch die Tankstellen-Shops beitragen werden. Ein breites, diversifiziertes Warensortiment erscheint von Vorteil, da so auf heterogene Kundenwünsche flexibel reagiert werden kann.
Entscheidende Veränderungen können sich auch im Zuge der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion sowie gemeinsamer rechtlicher Regelungen ergeben. Hier wären zum Beispiel veränderte Öffnungszeiten im Einzelhandel zu beachten, die die Bedürfnisse der Konsumenten nachhaltig verändern und somit auch auf den Großhandel Einfluss nehmen könnten. Die Marktmacht großer, international tätiger Unternehmen wird weiter zunehmen und zu Fusionen untereinander führen. Gerade infolge der Globalisierung und Europäisierung werden kleinere und mittelständische Betriebe verdrängt.
6.2 Spezialgroßhandel/Fachgroßhandel
Der Spezialgroßhandel (Gebrauchs- und Verbrauchsgütergroßhandel) versorgt den Sortimentshandel mit einem eher schmalen, aber meist tiefen Warenprogramm. Mit Aufkommen des Convenience-Gedankens nahm der Spezialgroßhandel einen Aufschwung. Neue wie bereits existierende kleinflächige Betriebe übernahmen nach und nach die Aufgabe der Nahversorgung. Tankstellen und Kioske beispielsweise konnten erhebliche Umsatzerweiterungen verzeichnen. Daneben begünstigte das Entstehen von ?Verbrauchermärkten und SB-Warenhäusern das Wachstum des Spezialgroßhandels. Dieser mauserte sich mehr und mehr zum Betreuer einzelner Abteilungen in den mittleren bis größeren Betrieben.
Der Gebrauchs- und Verbrauchsgütergroßhandel ist das drittgrößte Segment hinter dem Rohstoff- und Lebensmittelgroßhandel. Er besteht aus den Segmenten:
- Großhandel mit Textilien,
- Großhandel mit Bekleidung und Schuhen,
- Großhandel mit elektrischen Haushaltsgeräten, Rundfunk- und Fernsehgeräten
(Elektrogroßhandel),
- Großhandel mit Haushaltswaren aus Metall, keramischen Erzeugnissen, Glaswaren, Tapeten und Reinigungsmitteln,
- Großhandel mit kosmetischen Erzeugnissen und Körperpflegemitteln,
- Großhandel mit pharmazeutischen Erzeugnissen und medizinischen Hilfsmitteln,
- Großhandel mit sonstigen Gebrauchs- und Verbrauchsgütern, darunter Großhandel mit Papier, Büroartikeln, Büchern, und Presseerzeugnissen.
Als wichtigstes Teilsegment gilt der Elektrogroßhandel, gefolgt vom medizinisch-pharmazeutischen Großhandel und dem Großhandel mit Papier und Druckerzeugnissen.
Innerhalb des Warenflusses kommt es verstärkt zur Ausschaltung des an den Facheinzelhandel liefernden Großhandels (Konsumtionsverbindungshandel). Hersteller mit Direktvertrieb und Einzelhandelsketten mit eigenen Großhandelsaktivitäten verdrängen die klassischen Großhändler vom Markt. Demgegenüber können die im Produktionsverbindungshandel tätigen Branchen (zum Beispiel Elektroinstallationsgroßhandel) ihre Stellung in der Warendistribution behaupten, da bei ihnen die Belieferung des Einzelhandels im Hintergrund steht.
Warenbezug des Großhandels mit Gebrauchs- und Verbrauchsgütern:

(Quelle: Statistisches Bundesamt)
Warenabsatz des Großhandels mit Gebrauchs- und Verbrauchsgütern:

(Quelle: Statistisches Bundesamt)
Neben der unterschiedlichen Ausrichtung der Absatzwege spielt für einzelne Branchen der gesetzlich vorgegebene Rahmen eine entscheidende Rolle. So haben zum Beispiel die Bestimmungen des Gesetzgebers im Gesundheitswesen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung des medizinisch-pharmazeutischen Großhandels, der das zweitwichtigste Segment darstellt. Ähnliches gilt für den Großhandel mit Büchern und Presseerzeugnissen, wo aus gesellschaftspolitischen Zielen eine Preisbindung existiert.
Der anhaltende Strukturwandel in Form eines Konzentrationsbestrebens zeigt weitere Auswirkungen. So ging die Anzahl der Unternehmen deutlich zurück. Dennoch ist die Konzentration noch nicht so weit fortgeschritten wie in anderen Bereichen des Großhandels, zum Beispiel im Lebensmittelgroßhandel. Einhergehend mit dem Rückgang der Unternehmensanzahl vollzieht sich auch der Beschäftigtenabbau – ein weiteres Zeichen für den stärkeren Anpassungsdruck, dem die Unternehmen aus dem Konsumtionsverbindungshandel ausgesetzt sind.
6.3 Cash-and-carry-Großhandel
Das Cash-and-carry-Prinzip war zunächst auf den Lebensmittelbereich beschränkt. Inzwischen wird es auch für Konsumgüter wie auch für weite Teile des Produktionsgütergroßhandels genutzt. Von Cash-and-carry spricht man, wenn gewerbliche Kunden ihre Waren in einer Großhandlung aus den Regalen nehmen, bar bezahlen und sie in den eigenen Fahrzeugen abtransportieren.
Die mit der Ausweitung der Sortimentsstruktur weiter zunehmenden Dispositionsschwierigkeiten im Einzelhandel haben die Cash-and-carry-Betriebe zu einer überaus wichtigen Einkaufsquelle werden lassen. Insbesondere für gewerbliche Unternehmen mit geringen Einkaufsvolumina wurde durch das Abholprinzip eine Gelegenheit geschaffen, günstig im Großhandel einzukaufen. Mit seinem breiten Sortiment stellt der Cash-and-carry-Großhändler eine Ergänzung zum Zustellgroßhandel dar. Allerdings ist der Cash-and-carry-Betrieb in der Regel nicht auf Serviceleistungen ausgerichtet. Eine Funktion wird der Cash-and-carry-Großhandel allerdings mehr und mehr bereitstellen müssen: die Auslieferung von Waren.
6.4 Rack Jobber
Rack Jobber erhöhen die Attraktivität eines Einzelhandelssortimentes. Als Rack Jobber betätigen sich nicht nur Großhändler, sondern auch so mancher Hersteller. Das Serviceprogramm der Rack Jobber erstreckt sich auf den Anlieferungsservice (Annahme und Auszeichnung der Waren), den Regalservice (ladeninterne Warenpflege) und den Dispositionsservice (Warenbestandskontrolle und Order der Produkte). Der Rack Jobber mietet ursprünglich Verkaufsflächen an, die er mit Inventar und oftmals Randsortimenten ausstattet. Die Kosten der Flächen werden durch eine Provision abgegolten. Für den Einzelhandel ergeben sich Vorteile wie:
• wirtschaftliche Belieferung mit Randsortimenten,
• Risikoabwälzung durch Rückgaberecht der Waren,
• regelmäßiger Auffülldienst.
Der Einsatz von Rack Jobbern ist in vielen Betriebsformen des Handels zur Gewohnheit geworden. Es muss lediglich das Grundprinzip zur Geltung kommen. Das Sortiment muss stets aktuell sein und mindestens 70% der Bedarfsfälle abdecken.
7 Fazit
Der Großhandel als indirekter Beschaffungsweg für einen Einzelhändler ist gekennzeichnet durch eine Fülle von Typisierungen und vielfältige Funktionen. Die wichtigsten Formen sind der Sortiments- und Spezialgroßhandel, Cash and Carry und Rack Jobber.