Sanitär

High-Tech im Waschraum

Wirtschaftliche, technische und gestalterische Gesichtspunkte beeinflussen die Sanitärplanung ebenso wie streng vorgegebene Normen. Funktionale Raumgestaltung, Komfort und Ergonomie sind in Einklang zu bringen mit Funktionssicherheit und Hygiene.

1 Anforderungen an sanitäre Einrichtungen
Unter dem Begriff „Sanitär“ versteht man das Rohr-, Verteilungs- und Absperrventilsystem der Wasserzufuhr eines Hauses, die Abwasserableitungen innerhalb des Gebäudes sowie die sanitären Einrichtungsgegenstände (WC, Dusche, Badewanne, Armaturen etc.). Der Bereich der sanitären Anlagen für Ladengeschäfte umfasst die Bereitstellung von Waschräumen bzw. Waschmöglichkeiten und Toilettenräumen für das Personal und gegebenenfalls für die Kunden.

Der Gesetzgeber hat in der Verordnung über Arbeitsstätten (ArBStättV) Mindestanforderungen an die Gestaltung des sanitären Bereichs von Arbeitsstätten festgelegt: Den Arbeitnehmern sind in der Nähe der Arbeitsplätze besondere Räume mit einer ausreichenden Zahl von Toiletten und Handwaschbecken (=Toilettenräume) zur Verfügung zu stellen. Beschäftigt ein Betrieb mehr als fünf Arbeitnehmer verschiedenen Geschlechts, sollen für Frauen und Männer getrennte Toilettenräume vorhanden sein. Werden mehr als fünf Arbeitnehmer beschäftigt, müssen die Toilettenräume ausschließlich den Betriebsangehörigen zur Verfügung stehen. Gegebenenfalls müssen dann zusätzlich separate Kundentoiletten eingerichtet werden. Hinsichtlich Größe und Gestaltung der Toilettenräume bestehen keine Vorschriften.

Den Arbeitnehmern sind außerdem Waschräume zur Verfügung zu stellen, wenn es die Art der Tätigkeit oder gesundheitliche Gründe erfordern. Die gesetzlichen Anforderungen an die Gestaltung von Waschräumen sind bis ins Detail geregelt. So müssen Waschräume zum Beispiel eine Raumhöhe von mindestens 2,30 m bei einer Grundfläche von bis einschließlich 30 qm und mindestens 2,50 m bei einer Grundfläche von mehr als 30 qm aufweisen. Es gibt außerdem Bestimmungen zur Mindestgröße von Waschräumen (4 qm) und der freien Bodenfläche vor jeder Waschgelegenheit (mindestens 0,70 qm). Es muss fließendes warmes und kaltes Wasser, sowie die hygienisch erforderlichen Mittel zum Reinigen und Abtrocknen vorhanden sein.

Langlebigkeit, die problemlose Pflege und ein zeitloses Design sind Kriterien, an denen sich sanitäre Anlagen in öffentlichen Gebäuden im Allgemeinen messen lassen müssen. Diese Ansprüche lassen sich auf Handelsbetriebe übertragen: Funktion steht vor Design; es geht in erster Linie darum, den Mindestanforderungen gerecht zu werden und angemessene, sanitäre Anlagen zur Verfügung zu stellen.

2 High-Tech in den Sanitärräumen
Zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit, des Komforts und der Hygiene in sanitären Anlagen gibt es heutzutage einige elektronische Komponenten im Sanitärbereich.


(Quelle: www.schell-armaturen.de)

Urinale tragen neben der Wasserersparnis wesentlich zur Hygienesteigerung bei. Es gibt Urinale sowohl mit Selbstspülung als auch mit sensorgesteuerter Absaugtechnik, die einen Wasserbedarf von nur zwei Liter pro Spülung haben - im Vergleich dazu benötigt ein WC bis zu 6 Liter Wasser pro Spülvorgang. Das Auslösen des Spülvorgangs erfolgt per Tastendruck oder elektronisch. Ein opto-elektronisches Spülsystem ermöglicht die Benutzung des Urinals ganz ohne Berührung. Die Wahl hängt von der Frequentierung und den Komfortansprüchen ab, da die Elektronik-Variante wesentlich teurer ist. Einfache Urinale gibt es ab 500 Euro, Urinale mit opto-elektronischer Spülung ab 1.000 Euro.


(Quelle: www.schell-armaturen.de)

Das Gleiche gilt für sensorgesteuerte Wasserhähne an Waschbecken. Neben einer deutlichen Senkung des Wasserverbrauches ist die hygienische Nutzung ohne Berührung des Wasserhahns möglich. Die Sensoren werden in der Regel mit einer 9V-Blockbatterie betrieben. Berührungslose, elektronische Armaturen bzw. Selbstschlussarmaturen können bis zu 70 Prozent Wasser sparen, weil sie nur eine geringe Wassermenge freigeben und dann automatisch wieder schließen. Die Anschaffungskosten dafür sind jedoch oft so hoch, dass sich die Armatur erst nach vielen Jahren amortisiert.


(Quelle: www.starmix.de)

Handtrockner bzw. Handföne machen die Verwendung von Handtüchern überflüssig. Dies erhöht zum einen die Hygiene und macht darüber hinaus die Reinigung bzw. Bereitstellung von Handtüchern und die damit verbundenen Kosten überflüssig. Die meisten Handtrockner können berührungslos ein- und ausgeschaltet werden. Ein elektronischer Infrarot-Näherungsschalter reagiert auf Annäherung bzw. Entfernung der Hände vom Gerät. Das hat zwei Vorteile: Die nassen Hände müssen den Schaltknopf nicht betätigen, und die Trocknungsdauer bestimmt jeder Benutzer entsprechend seinem subjektiven Empfinden selbst. Nach Benutzung schaltet sich der Handtrockner automatisch ab. Handtrockner werden fest an das Stromnetz angeschlossen. Die meisten Geräte verfügen über eine Thermo-Schmelzsicherung. Handtrockner kosten ab 100 Euro.

Es gibt auch Komplettlösung für moderne Sanitärräume. Über ein Elektronikcenter (Zentralsteuereinheit) können mehrere Urinale, Waschtische, Licht und Lüftung angesteuert werden. Dabei ist eine flexible Planung möglich - zum Beispiel 6 Urinale oder 4 Urinale und 2 Waschtische.

3 Individuelle Gestaltungen
Die Anbieter von Sanitärinstallationen bieten auch individuelle Lösungen an. Mit Hilfe von CAD-Programmen können die eigenen Vorstellungen am Computer im Vorfeld simuliert werden. Auf dieser Basis werden dann detaillierte Kostenvoranschläge für die Baumaßnahmen gemacht. Aufgrund der unterschiedlichen baulichen Voraussetzungen sowie der individuellen Vorstellungen und gesetzlichen Mindestanforderungen ist es schwer, eine generelle Aussage zu den anfallenden Investitionskosten zu machen. Laufende Kosten fallen für Wasser, Strom, Reinigung und Reparaturen an.

Die Bereiche Sanitär, Heizung und Klima werden von vielen Handwerksbetrieben aus einer Hand angeboten. Handwerkliche Qualität zahlt sich beim Einbau sanitärer Anlagen in der Regel aus. Schadensfälle, wie zum Beispiel Verstopfungen oder gar Rohrbruch, können erhebliche Kosten mit sich bringen. Sind die Wasch- bzw. Toilettenräume in der Nähe der Verkaufs- oder Lagerflächen angesiedelt, kann beispielsweise ein Wasserschaden auch Ware in Mitleidenschaft ziehen. Viele Handwerksbetriebe bieten einen umfassenden Kundendienst an - meistens sogar in Verbindung mit einem 24-Stunden-Notdienst.

4 Fazit
Sanitäre Anlagen werden in erster Linie von den Mitarbeitern eines Unternehmens genutzt. Entsprechende Einrichtungen in Einzelhandelsbetrieben müssen in angemessener Form zur Verfügung stehen. Die gesetzlichen Vorschriften sind zu beachten. Werden Toiletten- und Waschräume auch von Kunden genutzt, müssen die sanitären Anlagen darüber hinaus repräsentativ gestaltet sein. Langlebigkeit, problemlose Pflege und zeitloses Design sollten im Vordergrund stehen.

Technische Innovationen verbessern Hygiene und Wirtschaftlichkeit. Elektronische Komponenten sind in der Anschaffung verhältnismäßig teuer, allerdings werden die laufenden Kosten für Wasser und Strom in der Folgezeit erheblich reduziert und die Sauberkeit verbessert. Bei intensiver Nutzung der sanitären Anlagen (viele Mitarbeiter, Nutzung durch Kunden) rechnen sich Investitionen in elektronische Armaturen auf lange Sicht. Die Auswahl des Handwerksbetriebes, der die Installation im sanitären Bereich vornimmt, sollte immer sorgsam erfolgen, denn die Kosten können im Schadensfall sehr hoch werden.

Weiterführende Literatur/Links:
Verordnung über Arbeitsstätten (ArbStättV)
www.schell-armaturen.de
www.starmix.de






Rolltreppen

Aufzüge

Eingangstüranlagen

Raumsicherheit

Klimaanlage

Sanitär

Heizung


Ladengestaltung

Nebenflächen

Technische Faktoren

Raumökonomie

Warenpräsentation

Raumnutzungsanalyse


Publikationen & Daten

Sitemap

Kontakt

Kongresse

Newsletter

Impressum


IFH KÖLN RETAIL ALLIANCE






© 2002-2010 IBH RETAIL CONSULTANTS  

 

handelslexikon branchen themen almanach Home