Raumleistung

Produktivität von Raum und Fläche

Wie wichtig es ist, eine hohe Raumleistung zu erzielen, zeigt der Umstand, dass die Raumkosten den Einzelhandel mit am stärksten belasten. Als Kostenblock stehen sie innerhalb der Gesamtkosten an zweiter Stelle nach den Personalkosten. Im Schnitt machen die Raumkosten etwa 15 Prozent der Gesamtkosten aus und belaufen sich auf rund fünf Prozent des Umsatzes.

1 Berechnung der Flächenproduktivität
Will ein Einzelhändler seinen Geschäftsraum so leistungsstark wie möglich einsetzen, muss er sich das Ziel setzen, eine möglichst hohe Flächenproduktivität zu erreichen. Die Raumleistung wird üblicherweise anhand des Umsatzes gemessen, der auf einen Quadratmeter Verkaufs- oder Geschäftsfläche entfällt. Mit Geschäftsfläche ist die gesamte Verkaufsfläche einschließlich aller Nebenräume gemeint. Die Rechenformeln sehen je nach Betrachtungsgegenstand wie folgt aus:


oder

2 Raum ersetzt Personal
Unter betriebswirtschaftlichen Steuerungsgesichtspunkten hat die Produktivität des Raumes eine zentrale Bedeutung. In vielen Betriebsformen des Handels – namentlich denen auf großer Fläche – wird heute nach dem Prinzip „Raum statt Personal“ verfahren. Das findet seinen Ausdruck in größeren Flächen bei geringerem Personalbesand pro Quadratmeter. Dadurch soll ein Rationalisierungsvorteil entstehen, der allerdings an seine Grenzen stößt, wie die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen.

Die genannte Strategie „mehr Raumeinsatz pro Beschäftigten“ oder – anders gesagt – „weniger Personal pro Quadratmeter“ wird am stärksten in SB-Betriebsformen und bei problemlos zu verkaufender Ware gefahren. Bei typischen Fachgeschäftssortimenten, die erst nach intensiver Kundenberatung verkauft werden können, funktioniert es weniger gut, das Personal durch einen Flächenausbau zu ersetzen.

3 Konkurrenz der Sortimente
Die Raumkosten in ihrer absoluten Höhe sind nur bedingt von der Größe eines Verkaufsraums, sondern insbesondere von dem gewählten Standort und der dort verlangten Miete abhängig. Grundsätzlich gilt: Das Sortiment muss von den Kalkulationsmöglichkeiten her die erforderliche Leistung bringen, um die anfallenden Raumkosten auch einspielen zu können.

Allerdings sind die Herstellerangebote und damit auch die Einzelhandelssortimente heutzutage durchweg so umfangreich, dass die Frage: „Wohin mit der Ware?“ eine Dauerscheinung im Einzelhandel ist. Oft bleibt als Lösung nur die starre Regelung, neue Artikel erst dann aufzunehmen, wenn andere dafür ausscheiden. Um seinen Raum nach Leistungskriterien aufzuteilen, können die einzelnen Warengruppen, die miteinander um Fläche konkurrieren, nach folgenden Kriterien analysiert werden:
- Artikelzahl,
- Jahresumsatz,
- Anteil am Gesamtumsatz,
- Kontaktstrecke (zum Beispiel Regalmeter),
- Umschlagsgeschwindigkeit,
- Handelsspanne,
- Umsatzrendite.

4 Laufende Kontrolle der Produktivität
Auch wenn warengruppengenaue Betrachtungen mühsam sein mögen und hohe Anforderungen an das Controlling eines Unternehmens stellen, sind gerade Fachgeschäfte in diesem Sinne dazu gezwungen, mit dem Kostenfaktor Raum möglichst sparsam umzugehen, um die Raumleistung und damit auch ihre Existenzfähigkeit zu sichern.

Die Flächenproduktivität muss laufend kontrolliert werden. Besonders dann, wenn sie sinkt, ist Ursachenforschung gefragt. Denn in einem solchen Fall entwickelt sich die Wirtschaftlichkeit des Raumes negativ, die Raumkostenbelastung ist - gemessen am Umsatz - gestiegen. Aufschlussreich sind Vergleiche mit Kennzahlen anderer Betriebe, wie sie zum Beispiel das FfH-Institut, Berlin, mit branchenbezogenen Jahresbetriebsvergleichszahlen bereithält.

Jahresbetriebsvergleichszahlen des FfH-Instituts, Berlin, für die Textil-Branche im Excel-Format


Ist die Raumleistung im Branchenvergleich zu niedrig oder im hausinternen Vergleich gesunken, stellen sich dem Händler eine Reihe von Fragen:
• Ist die Verkaufsfläche zu groß?
• Ist die Warenanordnung auf der Verkaufsfläche richtig verteilt?
• Sind die präsentierten Warenmengen nachfragegerecht dosiert?
• Ist die falsche Ware eingekauft worden?
• Was muss getan werden, um die Quadratmeterleistung zu steigern?

5 Mobilisierung der Reserven
Liegt der – eher seltene - Fall vor, dass die Raumleistung hoch und nicht mehr steigerungsfähig erscheint, dann ist die Nachfrage in einem Handelsbetrieb höher als dessen Angebot. Dies kann ein Hinweis auf die Notwendigkeit einer Erweiterung des Raumes sein.

Bevor zusätzliche – mit teuren Investitionen verbundene -Verkaufsfläche geschaffen wird, sollte nach möglichen aktivierungsfähigen Reserven gefahndet werden. Vor Investitionen in die Fläche gilt es, den bestehenden Raum im Sinne einer hohen Gesamtproduktivität auszulasten. Solange nämlich wirkt sich jede Leistungssteigerung positiv auf die prozentuale Mietbelastung aus, weil die Miete in ihrer absoluten Höhe ja konstant bleibt.

6 Fazit
Je höher die Raumkosten und je geringer die Margen werden, um so drängender wird das Problem der Raumzuteilung auf genau die Artikel, die den höchsten Beitrag zu einer höheren Raumproduktivität leisten. Erst mit Hilfe der entsprechenden Kennzahlen kann ein Einzelhändler Entscheidungen nicht „aus dem Bauch heraus“, sondern betriebswirtschaftlich fundiert fällen.

Weiterführende Literaturhinweise:
Einzelhandelsbetriebsführung in der Marktwirtschaft: Wie man durch Ladengestaltung und warendarbietung die Verbraucher anspricht, Köln, BBE-Verlag 1990.
Berekoven, L.: Erfolgreiches Einzelhandelsmarketing, München, Beck Verlag, 1990.






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