Flächennutzung
Im Einklang mit dem Sortiment
Wie ein Einzelhändler die Geschäftsfläche seines Ladens nutzt, ist wichtig, um die Raumleistung zu maximieren bzw. die Raumkosten zu minimieren. Das gilt sowohl für den Verkaufsraum als auch für die Nebenflächen.
1 Kernfragen der Flächennutzung
Folgende Kernfragen muss sich ein Einzelhändler bezüglich der Flächennutzung stellen:
- Welche Warengruppen und Artikel sollen wie tief bzw. breit angeboten werden?
- Welchen Anteil hat die Verkaufsfläche an der Gesamtfläche?
- Können Nebenflächen vorgesehen werden? Wenn ja, dann wo?
Der Flächenbedarf pro Artikel ist grundsätzlich unabhängig von seinem Leistungsbeitrag und ergibt sich aus seiner jeweiligen Größe. Beispiel: Eine Schrankwand lässt sich nicht auf 1 qm unterbringen, eine Stehlampe sehr wohl. Um dennoch die Flächenleistung je Artikel pro qm herauszufinden, werden die Artikelumsätze pro Betrachtungsperiode durch die von ihnen beanspruchte Fläche in qm dividiert. Das führt zu Vergleichswerten, die eine Bereinigung des Flächennutzungskonzeptes in einem Unternehmen erlauben. Die Artikel mit den höchsten Leistungsbeiträgen pro Quadratmeter werden forciert, diejenigen mit einer geringen Flächenleistung hingegen zurückgefahren.
2 Flächenelastizität
Mit der am Umsatz orientierten Betrachtung der Flächenleistung lassen sich erste Erkenntnisse über eine möglichst sinnvolle Flächennutzung im Verkaufsraum gewinnen. Dennoch greift sie zu kurz, wenn sie nicht berücksichtigt, welchen Gewinnbeitrag die einzelnen Warengruppen liefern. Im Extremfall kann an einem Artikel mit einem Spitzenergebnis hinsichtlich seiner Flächenleistung kaum etwas verdient werden, wesentlich mehr aber an den übrigen aus der Vergleichsgruppe. Aber auch wenn der Gewinnbeitrag der miteinander verglichenen Artikelgruppen in etwa gleich wäre, ist es unwahrscheinlich, dass die Artikelgruppe mit der besten Flächenproduktivität auf Kosten der anderen so forciert werden kann, dass ihre Flächenproduktivität auf der größeren Fläche die gleiche bleibt.
In der Tat liegt der Erfolg eines Sortiments - als die Grundregel jedes Flächennutzungskonzeptes - in der richtigen Abstimmung verschiedener Waren- und Artikelgruppen: Es lassen sich nicht ohne weiteres Teile eliminieren, ohne den Gesamterfolg zu gefährden. Eine sachgerechte Optimierung der Flächennutzung pro Artikel setzt also voraus, dass man die so genannte Flächenelastizität der Nachfrage kennt und weiß, wie sich der Umsatz eines bestimmten Artikels verändert, wenn er nicht einmal, sondern vierfach vielleicht sogar an verschiedenen Stellen im Verkaufsraum präsentiert wird. Solch eine Ausweitung würde bedeuten, dass eben auch viermal so viel Fläche in Anspruch genommen würde und dies unter Umständen auf Kosten anderer Artikel geschähe.
3 Bemessung der Nebenräume
Von maßgeblicher Bedeutung für die richtige Einteilung der gesamten Geschäftsfläche ist auch die Frage, welcher Anteil auf das Lager und welcher auf die dem Publikum zugänglichen Verkaufsflächen entfallen sollte. Die Antwort hängt im Wesentlichen von der Bedienungsform und vom jeweiligen Sortiment ab. Je ausgeprägter die Selbstbedienung ist, desto größer ist der Flächenanteil, der auf den Verkaufsraum entfällt und umgekehrt. Im Eisenwaren- und Hausrathandel beispielsweise ist ein hoher Lageranteil üblich; ebenso im Schuheinzelhandel, wenn dort Schuhe einzeln präsentiert werden, wobei das Gegenstück jeweils vom Lager geholt werden muss. Generell gilt der Grundsatz, soviel wie möglich an Ware zu zeigen und damit der Verkaufsfläche den größten Anteil an der Gesamtfläche zu widmen.
Dennoch wird man auf Nebenflächen nie ganz verzichten können. Es geht bei ihnen nicht nur um das Lager, sondern je nach Branche und Unternehmensgröße auch um andere Funktionsräume. Beispiele:
• Umkleidekabinen,
• Werkstätten, Ateliers,
• Nebenräume von Restaurants oder Kantinen,
• Verwaltungs- und Büroräume,
• Warenannahme, Versand,
• Auszeichnung der Waren,
•Dekoration, Werbung,
• Kunden- und Personaltoiletten,
• Spielecken für Kinder,
• Personalaufenthaltsräume,
• Schulungsräume,
• Besprechungs- und Kollektionsräume,
• Technikräume (Heizung, Lüftung, Kühlung),
• Verkehrswege (Flure, Treppen),
• Schaufenster, Vitrinen, Passagen.
Als Veranschaulichung für eine Flächennutzung von Nebenräumen dient das folgende Beispiel:
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Praxisbeispiel: Flächennutzung (Quelle: Gretz, Friedrich, Läden richtig planen, Seite 285.) |
Als generelle Tendenz gilt, dass infolge des von den Raumkosten ausgehenden Drucks auf die Rentabilität und damit die Produktivität der auf Verkaufsflächen entfallende Raumanteil zunimmt. Wie das Verhältnis von Verkaufs- zu Geschäftsraum im Fachhandel aussieht, lässt sich zum Beispiel an dem nach Branchen gegliederten Jahresbetriebsvergleich des Instituts für Handelsforschung an der Universität zu Köln ablesen.
4 Fazit
Die teure Fläche eines Einzelhandelsbetriebes sollte optimal, das heißt möglichst ertragbringend und kostensparend genutzt werden. Hierbei gilt es, die zur Verfügung stehende Fläche in Einklang zu bringen mit dem angebotenen Sortiment. Gesichtspunkte wie die Rentabilität und das Absatzpotenzial der Sortimentsbestandteile sind entscheidend, aber auch die Frage, welche Nebenräume sein müssen und wo sie auf welcher Fläche vorgesehen werden sollen. Hier darf nicht vor alten Zöpfen Halt gemacht werden. Nebenräume, die nicht unbedingt betriebsnotwendig sind, sollten zu Verkaufsräumen umgewidmet werden.
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Weiterführende Literaturhinweise: Einzelhandelsbetriebsführung in der Marktwirtschaft: Wie man durch Ladengestaltung und Warendarbietung die Verbraucher anspricht, Köln, BBE-Verlag. Berekoven, Ludwig: Erfolgreiches Einzelhandelsmarketing, München, Verlag Beck. Gretz, Friedrich: Läden richtig planen – Fehler vermeiden, 2000, Karl Krämer Verlag. |