Raumnutzungsanalyse

Mobilisierung der Raumreserven

Eine optimale Raumnutzung ist in einem Einzelhandelsunternehmen von besonderer Wichtigkeit, weil sie Voraussetzung dafür ist, um Warenbewegungen zu optimieren und Raumreserven zu mobilisieren – letztere mit dem Ziel, den Verkaufsraum zu vergrößern und den Umsatz zu erhöhen.

1 Relevante Ladenbereiche
Wenn ein Einzelhändler seine Umsätze steigern will, sollte er die Nutzung des eigenen Verkaufs- bzw. Geschäftsraums einer kritischen Prüfung in Form einer Raumnutzungsanalyse unterziehen. Es zeigt sich oft, dass in der Fläche noch Raumreserven schlummern, die aktiviert werden können. Wenn man nach Möglichkeiten Ausschau hält, diese Reserven zu mobilisieren, sollte man die Wirtschaftlichkeit der folgenden Bereiche – sofern vorhanden - unter die Lupe zu nehmen. Sie gehören alle zur Geschäftsfläche, nicht aber zum Verkaufsraum und tragen somit nur indirekt zum Umsatz bei:
Schaufenster,
Lager,
Atelier/Werkstatt,
Warenannahme,
Verwaltung.

2 Reserven im Schaufenster
In einem Schaufenster schlummern oft noch erhebliche Platzreserven, die nicht von der verkaufsfördernden Werbewirkung eines Fensters kompensiert werden. Diese sind im Allgemeinen dort am größten, wo die Selbstbedienung dominiert und wo eine Einkaufsstätte aus Gründen der günstigen Preise aufgesucht wird. Hier nämlich decken die Kunden ihren täglichen Bedarf und wissen oft schon aus Erfahrung, was dort zu finden ist. Im Schaufenster brauchen sie ihren Informationsbedarf nicht zu decken.

Deswegen findet man beispielsweise bei Lebensmittelgeschäften oder Drogeriemärkten keine dekorierten Schaufenster mehr. Die Scheiben werden zugeklebt, der dahinter befindliche Raum dient komplett als Verkaufsfläche.

Nicht ganz so radikal verfahren Handelsunternehmen mit Durchsichtfenstern. Hierbei findet man unmittelbar hinter der Scheibe die für den Verkauf und nicht zu Dekorationszwecken aufgestellten Warenträger. Durchsichtfenster findet man meistens in nicht hochpreisig angesiedelten Geschäften mit Sortimenten des mittelfristigen Bedarfs.

Bei Fachgeschäften, die auf den hochwertigen Bereich ausgerichtet sind, sind Schaufensterauslagen hingegen notwendig. Dennoch besteht auch hier oft die Möglichkeit, Raumreserven zu aktivieren, indem man die Tiefe des vom Schaufenster beanspruchten Raumes verringert.

Eingangspassagen mit vielen Schaufensterflächen sollten erfahrungsgemäß abgeschafft und der Verkaufsfläche zugeschlagen werden.

3 Minimierung der Lagergröße
Ein teurer Stauraum ist das Lager dann, wenn es nicht vollständig ausgelastet ist und Ware dort übermäßig lange liegt– also weit über die durchschnittliche Lagerumschlagsgeschwindigkeit hinaus. Ob Lagerraum aber in Verkaufsfläche umgewandelt werden kann, ist auch unter dem Gesichtspunkt der jeweiligen Bedienungsform zu beantworten. Je mehr Selbstbedienung praktiziert wird, desto weniger Lagerraum ist nötig, da die Ware sich selbst verkaufen soll und daher ins Blickfeld der Kunden gehört.

Experten empfehlen, den Verkaufsraum so groß, den Lagerraum aber so klein wie möglich einzurichten. Für gängige Artikel sollte im Verkaufsraum ein Handlager unterhalten werden. Dafür bieten Ladenbauunternehmen spezielle Warenträger, welche die Funktion der Präsentation mit der der Lagerung kombinieren.

4 Gleichmäßige Warenlieferung
Im Zusammenhang mit einem vorsichtig dimensionierten Lager gehört auch die der Warenannahme zugewiesene Fläche auf den Prüfstand. Dieser Raumbereich ist oft zu großzügig bemessen und auf Spitzenzeiten, nicht aber auf die übliche Belieferungsmenge zugeschnitten. Mit einer optimierten Ablauforganisation kann dafür gesorgt werden, dass der Raumbedarf für die Warenannahme zugunsten der Verkaufsfläche geringer gehalten werden kann. Die Liefertermine sollten so abgesprochen werden, dass eine möglichst gleichmäßige Menge ankommt, um zu vermeiden, dass es Spitzenzeiten und solche mit einem geringen Wareneingang gibt.

5 Auslagerung der Werkstatt / des Ateliers
Wenn Einzelhandelsunternehmen aus Servicegründen Werkstätten oder Ateliers unterhalten, sollte man darüber nachdenken, ob man sie nicht sinnvoller dort unterbringen sollte, wo die Raumkosten niedriger sind als am Hauptstandort. Insbesondere dann, wenn der Händler sein Geschäft an einem teuren Standort betreibt, kann eine Kosten-/Nutzenanalyse diesen Schritt unter Umständen nahe legen. Das Prinzip: Der zusätzliche Gewinn auf der neuen Verkaufsfläche muss höher sein als die durch die Ausgliederung zusätzlich entstehenden Kosten, die sich außer in den Raumkosten in den Transportkosten und eventuell notwendigen Personalkosten manifestieren.

Für ein Einbetriebsunternehmen dürfte sich die Frage einer räumlichen Ausgliederung der Werkstatt, des Ateliers oder auch der Verwaltung in der Regel nicht stellen. Anders ist dies bei Filialunternehmen, für die es sich wegen des höheren Arbeitsanfalls lohnen kann, den Servicebereich aus dem Verkaufsumfeld auszulagern und an einem preiswerten Standort eine zentrale Funktion einzurichten.

6 Schlanke Verwaltung
Raumreserven ergeben sich auch dadurch, dass die für den Verwaltungsbereich vorgesehene Fläche reduziert wird. Besonders an teuren Standorten sollte man sie so knapp wie möglich halten. Falsch wäre es auch, die Verwaltung in unmittelbarer Verkaufsraumnähe unterzubringen und auf die durch die Büros eingenommenen Flächen zu verzichten. Die Verwaltung sollte immer im hinteren Bereich eines Gebäudes oder bei Mehrgeschossigkeit im obersten Stockwerk untergebracht werden.

Naturgemäß kann auf Personalfläche im Interesse eines reibungslosen Betriebsablaufs nicht ganz verzichtet werden, wobei sich jedoch oft die Frage stellt, ob die gegebene Raumgröße nicht reduzierbar ist  - immer unter der Maßgabe der Vorschriften, welche für Sozialräume einzuhalten sind.

7 Fazit
Das Ergebnis einer Raumnutzungsanalyse sollte sein, dass sich ein Einzelhandelsunternehmer genau klar wird über die Ecken und Winkel in seinem Laden, die im Sinne der Absatzmaximierung eine Platzverschwendung darstellen. Stellt der Quadratmeterumsatz nicht zufrieden, kann das auch daran liegen, dass zu viele und zu schlecht genutzte Nebenflächen vorhanden sind, die man dem Verkaufsraum zuschlagen kann, ohne dadurch den betrieblichen Ablauf zu stören. Weitere Bereiche, die man dabei unter die Lupe nehmen kann, sind beispielsweise Personalräume, Passagen oder Erfrischungsräume.

Hilfreich für die Durchführung einer Raumnutzungsanalyse ist ein entsprechender Leitfaden.

Weiterführende Literaturhinweise:
Einzelhandelsbetriebsführung in der Marktwirtschaft: Wie man durch Ladengestaltung und Warendarbietung die Verbraucher anspricht, Köln, BBE-Verlag.






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