Leitfaden

Optimale Nutzung des Raumes

Logischer Ansatzpunkt für einen Leitfaden zur optimalen Raumnutzung ist der Weg der Ware vom Wareneingang bis zum Warenausgang. Dieser sollte zweckmäßig konzipiert werden, damit auf ihm möglichst wenig Kosten entstehen und er gleichzeitig den Absatz der Ware bestmöglich unterstützt.

1 Relevante Stufen
Rationelle Warenbewegung lautet das Motto, unter dem die Warenwirtschaft in einem Einzelhandelsgeschäft stehen sollte. Und zwar von Stufe zu Stufe:
• 1. Stufe: Wareneingang.
• 2. Stufe: Lagerung.
• 3. Stufe: Bereitmachen der Ware für den Verkauf.
• 4. Stufe: Transport in den Verkaufsraum.
• 5. Stufe: Beschickung der Warenträger.
• 6. Stufe: Lagerung auf den Warenträgen.
• 7. Stufe: Warenausgang (Verkauf).

2 Richtung des Warenflusses
Der Warenfluss in einem Einzelhandelsunternehmen sollte von hinten nach vorne erfolgen. Nur dann, wenn der Wareneingang über die Rückseite – etwa einen Hintereingang – abgewickelt werden kann, verhindert dies, dass die Ware durch den gleichen Eingang hereingebracht wird, den auch die Kunden benutzen. Schließlich wäre der Warentransport durch den Laden im Hinblick auf die Einkaufsatmosphäre von Nachteil.

Daher sollte bei der Auswahl eines geeigneten Ladenlokals darauf geachtet werden, dass dieses von hinten zugänglich ist. Sollte der Hintereingang nicht vorhanden sein, sollte man die Warenanlieferung durch den Verkaufsraum zeitlich so zu organisieren, dass sie auf die frequenzschwachen Zeiten fällt.

3 Rationelle Lagerhaltung
Der Trend zu kürzeren Kollektionsrhythmen, zu ständigem Sortimentswechsel in Zusammenhang mit der Notwendigkeit, so wenig Kapital wie möglich zu binden, hat dazu geführt, dass die Lagerhaltung im Handel bis auf Ausnahmebranchen einen immer geringeren Stellenwert hat. Einzelhändler überlegen heute kritisch, ob und in welchem Umfang sie überhaupt heute Ware in Lagerräumen unterbringen müssen.

Lagerung bedeutet immer Mehrkosten und birgt die Gefahr, dass Ware im Lager verdirbt oder verschwindet. Außerdem müssen Lagermitarbeiter beschäftigt oder zumindest das Verkaufspersonal in derartige Arbeiten eingespannt werden. All das verursacht hohe Kosten, die sich negativ auf die Rendite auswirken.

Zu bedenken ist auch, dass die Waren im Lager von den Kunden nicht gesehen und gekauft werden können. Aus Gründen der Verkaufsförderung, aber auch zur Einsparung von Kosten sollte die Lagerhaltung daher grundsätzlich auf das mögliche Minimum beschränkt werden. Natürlich sind die Erfordernisse der eigenen Branche zu bedenken: Für Schuhgeschäfte beispielsweise gilt ein anderes Minimum als im Lebensmittelhandel.

4 Unkomplizierter Transport
Auf die Kosten des innerbetrieblichen Transports haben bauliche Gegebenheiten von Einzelhandelsflächen einen ganz wesentlichen Einfluss. So ist das Überwinden von Etagen mühsamer und zeitaufwendiger als die Warenbewegung auf ebener Fläche - besonders dann, wenn letztere nicht allzu verwinkelt ist.

Bei der Auswahl und Möblierung eines Geschäftslokals sollte ein Einzelhandelsunternehmer darauf achten, dass unkomplizierte Abläufe möglich sind, die Kosten nicht in die Höhe getrieben werden und Organisationsmittel für den Warentransport einsetzbar sind. Fahrbare Ständer, Paletten oder Behälter erleichtern die Warenmanipulation erheblich, besonders dann, wenn es um den Transport großer Warenmengen geht.

Je schneller sich eine Ware umschlägt, desto wichtiger sind kurze Wege zwischen dem Wareneingang und dem Präsentationsstandort im Laden. Denn je öfter die Bestückung der Warenträger im Verkaufsraum erforderlich ist, desto höher sind die Kosten der Warenbewegung. Es kann sich also auszahlen, die Warenplatzierung im Laden am Tempo des Lagerumschlages auszurichten. Außerdem gibt diese Kennzahl wichtige Hinweise auf mögliche Rationalisierungsreserven im Warenfluss, die denkbar sind, wenn ein Lagerumschlag gemessen an den Branchenvergleichswerten zu gering ist.

5 Bedarfsorientierte Warenanordnung
Die wichtigste Phase, welche die Ware in einem Einzelhandelsunternehmen durchlebt, ist die der Präsentation im Verkaufsraum. Auch für die optimale Raumnutzung ist die richtige Warenanordnung im Laden von maßgeblicher Bedeutung für die Steuerung der Raumproduktivität. Dabei will der Warenstandort im Laden genau so bedacht werden wie die jeweils angebotene Menge einer Warenart oder die Frage, welche Ware mit welcher zu platzieren ist. Dieser Thematik kommt mit zunehmender Tendenz zur Selbstbedienung in den meisten Branchen ein wachsendes Gewicht zu.

Zu einer Lösung kommt der Einzelhandelsunternehmer, wenn er das Sortiment im Laden strukturiert und Bedarfsbündelungen vornimmt. Gemessen an der Nachfrage durch die Kunden und an der Konkurrenzlage vor Ort ergeben sich die Raumanteile, die für einzelne Bedarfsgruppen vorgesehen werden.

Wo nun welche Ware hingehört, sollte sich an der Kundensicht ausrichten, an seinem ganz speziellen Bedarf. Beispiele:
Wer ein Hemd kauft, ist auch möglicher Käufer einer Krawatte. Beide Artikel sind räumlich nahe zueinander unterzubringen.
Wer einen Eimer mit Farbe aussucht, sollte auch ein Angebot an Pinseln vorfinden.
Wer sich eine Ski-Ausrüstung kauft, will oft auch die Schneebrille erwerben.

Den Raum nach diesen Überlegungen aufzuteilen, fördert eine Verbundwirkung zwischen den einzelnen Sortimenten, welche die Raumproduktivität steigert.

6 Rentabilitätsaspekte
Die Warenplatzierung sollte nach Rentabilitätsgesichtspunkten vorgenommen werden. An besonders häufig von den Kunden frequentierte Stellen gehört Ware mit einer guten Spanne, um so den Verkauf zu fördern und den Gewinn zu steigern. Alternativ lassen sich an den besten Stellen im Verkaufsraum auch Warenüberhänge zu Sonderpreisen aufstellen, um das Lager zu bereinigen. Meist wird eine solche Aktionsfläche im Bereich des Eingangs gewählt, da dieser von den Kunden zwangsläufig durchlaufen wird.

Dabei muss auch die Kaufhäufigkeit eines Artikels ins Auge gefasst werden. So sollten die Lebensmittel in einem Warenhaussortiment auf kurzem Weg erreichbar sein. Sucht der Kunde jedoch Artikel außerhalb seines täglichen Bedarfs, für die er auch einen höheren Preis zu zahlen bereit ist, nimmt er auch die Mühe auf sich, längere Wege zu gehen. Hierfür sind hintere Zonen oder obere Geschosse nutzbar.

Auch der Ladendiebstahl ist bei der Planung der Raumnutzung zu berücksichtigen. Besonders kleine oder Trend-Artikel sind hiervon überdurchschnittlich stark betroffen. Diese Ware muss so platziert werden, dass sie nach Möglichkeit einer permanenten Kontrolle durch das Personal unterliegt und beispielsweise nahe zur ???Kassenzone untergebracht wird.

7 Optimale Kassenstandorte
Das letztendliche Ziel jeder Warenbewegung im Verkaufsraum ist die Kasse. Damit sich die Kunden nicht ohne Kaufabschluss aus dem Laden entfernen, muss der Kassiervorgang so bequem wie möglich vonstatten gehen. Dabei ist die Frage des Standortes von Kasse und Packtisch eine ganz entscheidende.

Von der Logik des Warenflusses her würden beide in den Ausgangsbereich gehören. Dies ist jedoch erfahrungsgemäß nur in einigen Branchen und Betriebsformen sinnvoll. Das hat psychologische Gründe: Das Bezahlen der Ware hat für die Kunden einen sachlichen Charakter mit unangenehmem Beigeschmack und steht im krassen Gegensatz zu der weitgehend von positiven Gefühlen bestimmten Kaufentscheidung. Liegt die Kasse am Ausgang, nimmt der Konsument den Zahlvorgang als letzten, bleibenden Eindruck mit aus dem Laden. Deckt sich der Standort mit dem Eingang, werden die Kunden gleich zu Beginn an „das dicke Ende“ erinnert.

Um das zu vermeiden, gehört die Kasse in Bedienungsgeschäften in den Innenraum. Nach dem Kassiervorgang geht der Kunde – zwangsweise - noch einmal durch den Laden und lässt die angebotenen Waren auf sich wirken. Er verlässt das Geschäft dann nicht mit dem Gefühl, „abkassiert“ worden zu sein.

In einem kleinen Geschäft ist die erwähnte Kassenordnung oft nicht realisierbar. Hinzu kommt der Aspekt, dass eine Kassenzone am Ausgang das Risiko des Ladendiebstahls verringert. Denn so wird für Langfinger die Gefahr größer, entdeckt zu werden. In großen Verkaufsräumen mit mehreren Abteilungen - sprich in Kauf- oder Warenhäusern - sind mehrere Kassen zur Bewältigung des Kassiervorganges nötig. Sie verteilen sich über die Fläche meist nach dem Gesichtspunkt der abteilungsweisen Gliederung. Je unübersichtlicher ein Verkaufsraum ist, desto stärker ist darauf zu achten, dass die Kunden alle Kassen leicht finden und sich nicht an einigen wenigen drängen müssen. Deshalb müssen sie mit Deckenhängern, Wegweisern oder Markierungslichtern deutlich gekennzeichnet und möglichst erhöht platziert sein.

Anderes gilt für die Betriebsformen, die konsequent in Selbstbedienung geführt werden. Hier gehören die Kassen aus Gründen des Kundenlaufs ausnahmslos an den Ausgang. Der Kassenvorgang nimmt im Allgemeinen Zeit in Anspruch. Um die Kunden umsatzwirksam zu beschäftigen, praktizieren etliche Handelsunternehmer hier eine ganz besondere Art der Verkaufsförderung: Sie platzieren zur Steigerung der Raumproduktivität im Umfeld der Kasse und des Packtisches Artikel, die der Kunde impulsiv zu kaufen geneigt ist.

8 Fazit
Jegliche Überlegungen zur Ausarbeitung einer optimalen Raumnutzung sollten sich daran ausrichten, den Verkaufsraum und das organisatorische Umfeld so verkaufsfördernd wie möglich zu gestalten. Gleichzeitig gilt es, die Kosten für die Warenbereitstellung und -bewirtschaftung niedrig zu halten. Um ein optimales und in sich stimmiges Ergebnis zu erhalten, sollte ein Einzelhändler gedanklich den Weg der Ware vom Wareneingang bis zum Warenausgang - dem Verkauf - nachvollziehen. Ansatzpunkte zur Rationalisierung bietet jede der dazwischen liegenden Stufen. Überall ist eine zweckmäßige Gestaltung von Arbeitsvorgängen möglich, die eine Steigerung der Wirtschaftlichkeit - das heißt eine Leistungssteigerung oder Aufwandssenkung - bewirkt.






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