Fachmärkte

Discount- vs. Serviceorientierung

Fachmärkte haben eine rasante Entwicklung hingelegt, keine andere Betriebsform kann auf ähnlich hohe Wachstums- und Expansionsraten zurückblicken. Und der Erfolg der Fachmärkte scheint noch nicht beendet zu sein, entsprechen sie doch weitgehend dem gegenwärtigen Lebensstil und aktuellen Konsumententrends.

1 Eigenschaften von Fachmärkten
Fachmärkte sind großflächige Einzelhandelsgeschäfte mit einem breiten und tiefen Sortiment aus einer bestimmten Branche. Die Waren werden in Vorwahl und/oder Selbstbedienung preisaktiv unter Einschluss von Serviceleistungen meist an peripheren Standorten angeboten. Erschwert wird diese Definition für die Praxis jedoch dadurch, dass die in der Regel herangezogenen Strukturmerkmale je nach Branche in wechselnder Ausprägung und Kombination vorliegen.

Fachmärkte lassen sich allgemein wie folgt kennzeichnen:
- überdurchschnittlich große, meist ebenerdige Verkaufsflächen an einem verkehrstechnisch sehr gut angebundenen Standort mit großem Parkplatzangebot,
- je nach Branchenspezialisierung große Sortimentsbreite, auf jeden Fall aber hohe Sortimentstiefe,
- die Warenpräsentation richtet sich vor allem an Vorwahlkriterien und Selbstbedienung sowie der Selbsterklärlichkeit der Produkte aus,
- das Preisniveau deckt vor allem das untere und mittlere Genre ab,
- zentraler Check-out,
- aktive Sonderangebots- und Verkaufspolitik,
- hohe Werbeintensität,
- hoher Rationalisierungsgrad, rationelle Lagerhaltung, EDV-gestützte Betriebskontrolle bzw. Warenwirtschaftssysteme.

2 Betriebswirtschaftliche Merkmale
Die genannten Kriterien verbinden sich mit den möglichen betriebswirtschaftlichen Vorteilen:
- Überdurchschnittliche Personalproduktivität und gute Raumleistungen begünstigen zusammen mit einer wirtschaftlichen Lagerhaltung (viele Schnelldreher, Postenangebote) ein ausgeprägtes Kostenmanagement.
- Erfolgreiche Konzepte lassen sich per Filialisierung oder Franchising multiplizieren und führen bei guter EDV-gestützter Organisation und Kontrolle zu beachtlichen Synergieeffekten bei Werbung, Lagerhaltung und Logistik.
- Es werden im Vergleich zum gesamten Einzelhandel gute bis überdurchschnittliche Umsatzrenditen (durchschnittlich 3 Prozent vom Umsatz) erzielt.

Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft die benötigten Fachmarkt-Verkaufsflächen für verschiedene Branchen. Die Werte können jedoch nur Richtgrößen sein; je nach Sortimentszusammensetzung muss im Einzelfall mehr oder weniger Fläche eingeplant werden.
Branche

Verkaufsfläche in qm

Glas / Porzellan, Kfz-Komponenten, Papierwaren / Bürobedarf / Schreibwaren, Drogeriewaren

50 - 100

Unterhaltungselektronik, Schuhe, Lampen / euchten, Küchen, Bettwaren

500 – 1.000

Bekleidung, Sportartikel, Teppiche / Tapeten / Farben / Lacke, Heimtextilien, Fliesen

1.000 – 2.000

Bürotechnik, Büroeinrichtung

1.500 – 3.000

Bau- und Heimwerkerbedarf, Gartenbedarf

1.000


3 Strategien
Hinsichtlich des Preis-Leistungsprogramms können zwei Typen von Marktbearbeitungsstrategien unterschieden werden:
- die Discountorientierung mit geringer Beratungsintensität und
- die Serviceorientierung mit günstiger Preisstruktur.

Für die Service- und Discountorientierung von Fachmärkten sind die in der folgenden Tabelle dargestellten Kriterien typisch:

Gegenüberstellung Service- und Discountorientierung von Fachmärkten



4 Erfolgsfaktoren der Fachmärkte
Die Gründe für die rasante Entwicklung der Fachmärkte sind in allen Branchen ähnlich: Neben den teilweise exorbitanten Innenstadt-Mieten für Einzelhandelsflächen, die eine rentable Kostenstruktur für die meisten Mittelständler nicht mehr zulassen, spielen insbesondere die ertragsmäßigen Vorteile, die man sich von einer Fachmarktkonzeption erhofft, eine Rolle. Die Kostenbelastung von Fachmärkten stellt sich in den meisten Fällen günstiger dar als die von Fachgeschäften, da die Mietbelastung gesenkt und Personal durch Fläche ersetzt werden kann.

Allerdings trugen auch gesellschaftliche Entwicklungen zur Förderung der Betriebsform bei. Hierzu gehören in erster Linie die gewachsene Mobilität der Konsumenten und ihr höherer Wissens- und Bildungsstand. Entscheidend für den Erfolg der Fachmärkte dürfte also auch die Tatsache sein, dass diese Betriebsform heute oftmals die Kundenerwartungen besser erfüllt als der sonstige Fachhandel. Denn neben der Preisattraktivität ist vor allem die konsequente Zielgruppenausrichtung, die insbesondere die jungen Kunden anspricht, ein wichtiger Erfolgsfaktor.

5 Branchenbesonderheiten
Trotz der genannten Faktoren und Trends, die sich für alle Branchen ähnlich darstellen, läuft die Entwicklung der Fachmärkte nicht in allen Sortimentsbereichen gleich. Vielmehr gibt es Branchen, in denen eine rasante Entwicklung dieser Betriebsform eher unwahrscheinlich ist. Es gibt Branchen, in denen Fachmärkte einen hohen Marktanteil auf sich vereinen, die weitere Entwicklung aber dadurch gebremst wird, dass potenzielle Standorte für neue Märkte weitgehend abgedeckt sind. In anderen Branchen ist die Fachmarkt-Entwicklung noch relativ jung, und es bestehen gute Aussichten auf eine expansive Entwicklung.

Daneben existieren aber Branchen, in denen Fachmärkte auch in Zukunft kaum relevante Marktanteile realisieren werden. Dies ist insbesondere bei Sortimenten der Fall, die eine hohe Erklärungsbedürftigkeit aufweisen, einer entsprechenden Beratungsintensität bedürfen und deren Kauf auf einem besonderen Vertrauensverhältnis zwischen Käufer und Verkäufer beruht, wie dies zum Beispiel der Fall ist im Bereich Uhren/Schmuck oder im Sanitätsfachhandel; hier wird das Fachgeschäft auch weiterhin die bestimmende Betriebsform bleiben.

In einem Teil der Fachmärkte sind bereits Ansätze zum Trading-up und damit in Richtung Facheinzelhandel erkennbar. In anderen Fachmärkten dagegen konzentriert man sich innerhalb der Absatzpolitik verstärkt auf den Preis, so dass eine Annäherung in Richtung klassischer Discounter stattfindet.

Recht hohe Marktanteile haben Fachmärkte (in absteigender Reihenfolge) in den Bereichen Gartenbedarf, Drogeriewaren, DIY-Kernsortimente, Consumer Electronics, (textile) Raumausstattung, Spielwaren und Heimtiernahrung/-zubehör. Nur sehr gering ist dagegen ihre Bedeutung in den Bereichen Bürowirtschaft und Augenoptik.

6 Perspektiven der Fachmärkte
Die Fachmärkte gehören neben den Discount-Angebotsformen zu den Gewinnern der letzten Jahre. Der Marktanteil der Fachmärkte (Non-Food) am Einzelhandelsumsatz steigt stetig. Diese Entwicklung geht vor allem auf Kosten der traditionellen Fachgeschäfte.

Die Probleme der ausgeschöpften Standort-Ressourcen stellen zunehmend eine nicht zu unterschätzende Wachstumsbremse für die weitere Entwicklung der Fachmärkte dar, wobei sich allerdings begrenzte Alternativen abzeichnen:

- Umnutzung vorhandener Flächenkapazitäten in Fachmarktzentren,
- Entwicklung flächenmäßig kleinerer Spezial-Fachmärkte, für die auch City- oder Stadtteil-Standorte in Frage kommen,
- Umgestaltung von Teilflächen/Etagen in anderen großflächigen Betriebsformen wie Warenhäusern oder SB-Warenhäusern in Fachmärkte.

Zunehmend wird die weitere Entwicklung der Fachmärkte auch durch gesetzliche Regelungen bzw. Vorschriften beeinflusst. Soweit es sich um Grüne Wiese-Standorte handelt, sind baurechtliche Bestimmungen zu beachten - das heißt: In den für den Einzelhandel ausgewiesenen Sonder- oder Mischgebieten entscheidet die Einzelprüfung, die in den letzten Jahren verstärkt restriktiv gehandhabt wurde, über die Ansiedlung. Zudem gibt es eine Flächenbegrenzung für den außerstädtischen Einzelhandel. Geschossflächen über 1.200 qm werden hinsichtlich ihrer Auswirkungen geprüft und dürfen außer in Kerngebieten nur in Sondergebieten errichtet werden. Die baurechtliche Flächenbeschränkung wird den spezialisierten Fachmarkt fördern, dessen Angebot so schmal ist, dass er mit kleineren Flächen als bisher üblich auskommt, um diese Vorschriften zu umgehen.

Parallel zu den typischen Grüne Wiese-Fachmärkten werden zunehmend verkleinerte Fachmarkt-Formen für die Innenstadt und Stadtteilzentren entstehen. Neben der Verfeinerung des Fachmarktkonzepts ist mit einer weiteren Filialisierung und Expansion der bereits bestehenden Fachmarktketten zu rechnen, wobei neue Fachmarktkonzepte, insbesondere von Seiten der Filialisten und Einkaufsverbände, hinzukommen werden. Insgesamt gesehen wird es mittelfristig jedoch für die Fachmärkte zunehmend schwerer, in dem Maße der zurückliegenden Jahre zu expandieren und zu wachsen. Zunehmen wird weiterhin die Discount-Orientierung der Fachmärkte.

7 Fazit

Rahmenbedingungen, die für eine positive Entwicklung sprechen:   Rahmenbedingungen, die für eine negative Entwicklung sprechen:

• Lebensstil- und Bedarfsorientierung

• Tiefes und breites Sortiment

• Konzentration auf das niedirge und mittlere Preissegment

• ausreichende Beratungskompetenz

• gutes Serviceangebot

• Multiplikations- und Filialisierungsmöglichkeiten

• rationale Planung und betriebswirtschaftliche Ausrichtung

• Kostenvorsprung

• wenig Eigenmarken

• niedrige Spannen und Renditen

• gesetzliche Regelungen und Vorschriften

• kaum erlebnisorientiert

Fazit: Aufgrund der positiven Rahmenbedingungen wird der Fachmarkt gegenüber der Konkurrenz weitere Marktanteile erlangen können. Die führenden Marktforschungsunternehmen rechnen mit einer Ausweitung des Marktanteils von 13,8% im Jahre 1995 bis auf 18,1% im Jahre 2005.





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