Fachgeschäfte

Betriebsform mit Qualitätsanspruch

Ein Fachgeschäft ist eine der grundlegendsten Betriebsformen des klassischen stationären Einzelhandels. Zwischen Fach- und den Spezialgeschäften liegen nur geringe Unterschiede. Das Fachgeschäft ist ein Einzelhandelsbetrieb, der ein Sortiment in großer Auswahl und unterschiedlichen Qualitäten und Preislagen mit ergänzenden Dienstleistungen anbietet. Spezialgeschäfte sind gekennzeichnet durch ein Warenangebot, das sich auf einen Teil des Fachgeschäftsortiments beschränkt, dafür jedoch tiefer gegliedert ist.

1 Situation der Fach- und Spezialgeschäfte
Die klassischen Fach- und Spezialgeschäfte haben die Handelslandschaft bis weit in die 70er Jahre bestimmt. Der Vorgänger dieser Betriebsformen ist der Gemischtwarenladen, der für mehrere Jahrhunderte die typische Betriebsform des Einzelhandels war. In dünn besiedelten, ländlichen Regionen hat das frühere Gemischtwarengeschäft auch heute noch eine Daseinsberechtigung.

Nach wie vor stellt der traditionelle Facheinzelhandel die umsatzstärkste Betriebsform dar. Doch er hat unter dem wachsenden Wettbewerbsdruck der übrigen Betriebsformen gelitten und musste auch bei den Verbrauchern Akzeptanzverluste hinnehmen. In Zeiten des Marktwachstums waren die Anteilsverluste noch zu kompensieren, in Zeiten einer Stagnation hingegen ist die Existenz der Betriebe zunehmend bedroht.

Diese Bedrohung ist stark, da ein Fach- bzw. Spezialgeschäft über ein wenig breites, dafür aber sehr tiefes Sortiment verfügt, wodurch sich das Verkaufsrisiko erhöht. Die für ein Fachgeschäft der heutigen Zeit obligatorischen Dienstleistungen als Kundenbindungsmaßnahme lassen häufig die Kosten und Preise steigen. Als Faustregel gilt: Eine Betriebsform, die zwar den Konsumenten anspricht, aber im Vergleich zur Konkurrenz sehr hohe Kosten aufweist, kann am Markt nur begrenzt existieren.

Allgemeingültige Aussagen zur betriebswirtschaftlichen Situation des Facheinzelhandels sind nur schwer möglich. Die Fach- und Spezialgeschäfte werden zu sehr von der Entwicklung im eigenen Branchenumfeld beeinflusst, und die sind stark unterschiedlich. Einige Kennzahlen werden mittels der Panelforschung vom Institut für Handelsforschung in Köln veröffentlicht. Kennziffern zu Kostenarten, gesamten Handlungskosten sowie Betriebshandelsspanne, Mehrwertsteuerinkasso und Betriebsergebnis (jeweils in Prozent des Umsatzes) stehen zum Download zu Verfügung:

 

Kennziffern Facheinzelhandel


2 Erfolgsfaktoren der Fach- und Spezialgeschäfte
Die Betriebsform Fachgeschäft hat ein Zukunftspotenzial, denn nach wie vor können die vergleichsweise höchsten Renditen von Fachgeschäften mittelständischer Unternehmen erzielt werden. Deren Flexibilität werden von den Filialisten zwar angestrebt, aber nur selten erreicht. Es muss dem Facheinzelhandel allerdings gelingen, den Kunden die eigenen Stärken zu vermitteln und die folgenden, häufig auftretenden Fehler zu vermeiden:
- unklare Marktbearbeitungskonzeption,
- konturenlose Markenpolitik,
- Profilierungsschwächen gegenüber der Konkurrenz,
- zu niedrige Kooperationsbereitschaft.

Folgende Faktoren werden für den mittelständischen Facheinzelhandel von besonderer Bedeutung sein:
- ständige Bereitschaft zur Revitalisierung der eigenen Betriebsform,
- Nutzung von Kooperationsvorteilen,
- Mitarbeiterführung,
- Individualität in der Ladengestaltung,
- Realisierung eines stimmigen Preis-Leistungsverhältnisses,
- ständige Bewertung von Image und Standort.

Zahlreiche Fachgeschäfte weisen gegenüber der Konkurrenz Profilierungsschwächen auf. Die Sortimente sind zu wenig zielgruppen- oder lebensstilorientiert. Nur selten wird erkannt, dass eine geschickte Nischenpolitik das aussichtsreichere Konzept darstellt. Zum Image und Profil eines erfolgreichen Fachgeschäfts gehört ein hoher Qualitätsanspruch, der auch hohe Spannen rechtfertigt, zumal der Ertrag stärker von der Sortiments- und Spannenpolitik abhängt als vom Umsatz.

Erfolgreich können nur die Facheinzelhandelsbetriebe sein, die ihre Stärken – das heißt ihre Kundennähe und Flexibilität - systematisch nutzen. Eine eigenständige Unternehmensphilosophie in Verbindung mit einem entsprechenden Ladenlayout ist unabdingbar.

3 Fazit

Determinanten der weiteren Entwicklung der Fachgeschäfte - Pro und Contra -

Rahmenbedingungen, die für eine positive Entwicklung sprechen:   Rahmenbedingungen, die für eine negative Entwicklung sprechen:

• Gute Segmentierung des Sortiments

• Exklusivität zahlreicher Sortimente

• Hoher Anteil an Stammkunden

• Persönliche Kundenansprache

• Beratungsbedarf beim Kunden

• Vermittlung von Kauferlebnissen

• Geringe Flächenbedarfe

• Kooperationseignung

• Hohe Mieten an guten Standorten

• Ungünstige Kostenstrukturen

• Schwache Werbepotenziale

• Meist veraltetes Ladenlayout

• Fehlende Mitarbeiterqualifikation

• Probleme der Kapitalbeschaffung

• Zahlreiche neue und alte Konkurrenten

• Geringer Einfluss der Verbundgruppen

Fazit: Trotz einiger positiver Determinanten und Darstellungsmöglichkeiten wird das fachgeschäft gegenüber der Konkurrenz weiterhin Marktanteile verlieren. Führende Marktforschungsunternehmen rechnen mit einem Rückgang des Marktanteils der kleinen und mittleren fachgeschäfte von 36,1 Prozent im Jahre 1995 bis auf 26 Prozent im Jahre 2005.





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