Betriebsformendynamik
Grenzen verschwimmen
Das Handelsrad wird sich immer weiterdrehen und neue Betriebsformen hervorbringen. Auch wenn der stationäre Handel - und hier insbesondere das klassische Fachgeschäft - weiter Marktanteile verlieren wird, so wird er nach wie vor eine Zukunft haben.
1 Künftige Strukturen
Anteile gewinnen werden vor allem die Handelsformen, die über eine hohe Frequenz verfügen. Dies sind insbesondere Tankshops, Shopping Center oder Bahnhofsgeschäfte, auf der anderen Seite jedoch auch die Formen, die das Home Shopping zum Inhalt haben.
Die künftige Betriebsformenstruktur wird ein facettenreiches Nebeneinander von alten und neuen Betriebsformen beinhalten. Die Grenzen zwischen den Betriebsformen verschwimmen zunehmend (Stichwort: „Tchiboisierung“). Hinsichtlich der Verteilung des Marktes wird heftig gestritten werden. Insofern sind die Unternehmen gezwungen, die Definitionen ihrer Märkte und in dem Zusammenhang auch des Betriebstyps ständig zu überprüfen. Zu schnell ändern sich die Rahmenbedingungen.
2 Einflussfaktoren
Mögliche Einflussfaktoren auf die Betriebsformendynamik sind: demographische Veränderungen, Veränderungen der Einkommensverhältnisse, neue Produkt- und Dienstleistungsstrukturen oder auch ein Wandel innerhalb des Wertesystems der Gesellschaft. Insgesamt gesehen wirkt ein äußerst komplexes System von Einflussfaktoren auf den Handel ein, das bei der Wahl der Betriebsform analysiert werden muss.
Der Händler wird sich einige Fragen stellen müssen: Was wird zukünftig den Besuch der Einkaufsstätte beeinflussen, sprechen die Leistungsmerkmale noch für die Betriebsform und wie kann man sich strategisch auf die neue Situation einstellen? Bezüglich der Leistungen stehen folgende Merkmale im Vordergrund: Sortiment, Information, Lieferzeit, Preis,
Beratung, Convenience, soziale Interaktion, persönliche Sicherheit und Erlebniswert.
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Determinanten der Betriebsformendynamik (Quelle: Prof. J. Zentes, B. Swoboda/Handelsmonitor ‚98/Deutscher Fachverlag) |
Bei einigen Leistungsmerkmalen hat der stationäre Handel Vorteile, bei anderen wiederum die Betriebsform des Home-Shoppings.

3 Erlebnis, Discount, Convenience
Der entscheidende Vorteil des stationären Handels liegt in der Möglichkeit der Vermittlung von Erlebnissen. Allerdings haben hier die einzelnen Betriebsformen des stationären Handels nicht die gleichen Voraussetzungen. Die Vermittlung von emotionalen Konsumerlebnissen stellt nur für einige Betriebsformen – zum Beispiel Fachgeschäfte, Kauf- und Warenhäuser - ein probates Mittel der Profilierung dar. Discountorientierte Supermärkte oder Fachdiscounter sind für Erlebniskonzepte eher nicht geeignet.
Nach der Theorie der Dynamik der Betriebsformen werden aus dem Ansatz der Erlebnisorientierung, des Discountprinzips und des Conveniencegedankens neue Betriebsformen entstehen.
4 Fazit
Als Folge des Marktgeschehens wird die Polarisierung der Produktnachfrage immer deutlicher herausgestellt werden müssen. Auf der Strecke wird das mittlere Segment bleiben, das sich nicht eindeutig positionieren lässt.
"Neue" Betriebsformen 2010
| a) Discount-orientiert |
1. Techno-Discounter
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- Food - DIY - UE/MM/ > technische Produkte |
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near Just-in-time- Belieferung |
| 2. Minimalisten |
- Food + Randbereiche |
3. Online-Discount
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- Regionaler Home Service kombiniert mit Selbstabholung (neue Form des C&C) - Bundesweite Distributoren > VH |
4. Edel-Discount
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- auf der Basis Factory Outlet - auf der Basis Online |
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| 5. Automaten-Straßen |
- ohne Personal / "offene" Läden |
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| 6. Groß-Distributoren |
- Speditionen |
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b) Convenience-orientiert (klein; bedarfs-, kunden-, situationsorientiert)
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1. Tankstelle plus |
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Handelsfremde Läden |
| 2. Post plus |
| 3. Bank plus |
| 4. Convenience-Kleinst- Läden |
- Bäcker/Metzger/Tabak/Friseure etc. - Zweiteinkommen |
5. Direkt-Belieferung Industrie |
- Rache der Erpressten? |
| 6. Gesundheits-Center |
- Ware/Ärzte/Vorsorge/Pflege - senioren-orientiert? |
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c) Erlebnis-orientiert
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| 1. Kommunikations-Zentren |
"Tante Emma" in neuer Form |
| 2. Concept-Läden |
- Walt Disney-Shops - Warner Brothers etc. |
| 3. Retail Theatre |
- Events/Action; insb. für junge Leute |
| 4. Bistro-Läden |
- Ware + Gastronomie |
| 5. Genuss-Landschaften |
- Kooperative Mini-Center |
| 6. Gesundheits-Center |
- s. Oberhausen, aber kleiner |
| (7). Betriebsfremde Frequenz-Sortimente im klassischen Handel |
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d) Sonstige
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| 1. Wiederaufbereitungs-Läden / -Werkstätten |
Kreislaufwirtschaft |
| 2. Zielgruppen-orientierte Szene-Läden |
auch als Filiale zum Stammgeschäft |
| 3. Kunden-Clubs |
- preisorientierte Erlebniswelten |
| 4. Schnelldreher-Sortimente |
a) Medien b) DIY c) gastro-orientiert |
| 5. Industrie-Kommissionäre |
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| 6. Bahnhöfe als interessante (Neben-)Zentren |