Standortkooperation

Standortkooperationen sind Zusammenschlüsse von Gewerbetreibenden, meist unter Führung des Einzelhandels, die das Ziel verfolgen, Handel und Gewerbe in

• einer Einkaufsstrasse
• einem Stadtviertel
• einer Stadt oder
• einer Region

zu stärken, das Einkaufen dort attraktiver zu machen und mit gemeinsamen Aktionen Kunden an den betreffenden Standort zu binden und damit Kaufkraftabflüsse zu vermeiden.

1. Organisation von Standortkooperation
Die Organisationsform von Standortkooperationen kann sehr unterschiedlich ausfallen. Sie reicht von der informellen und lockeren Zusammenarbeit einiger, weniger Betriebe in Streulagen über die Organisation in einem eingetragenen Verein (z.B. Werbegemeinschaft) bis hin zur Stadtmarketing GmbH.

2. Ziele von Standortkooperationen
Werbegemeinschaften sind stark einzelhandelsgeprägt. Ihr Ziel ist es, durch gemeinsame Werbeaktionen unmittelbar den Umsatz ihrer Mitglieder zu fördern. Einzelaktivitäten werden hier durch Gemeinschaftsaktivitäten ergänzt.

Stadtmarketing geht von einem weiter gefassten Ansatz aus. Hier werden neben dem Handel auch andere, für das Wirtschaftsleben relevante Gruppen mit einbezogen, z.B. Politik/ Verwaltung, Handwerk, Gastronomie, Kreditinstitute, Haus- und Grundeigentümer, Architekten/ Planer, Vereine, sachkundige Bürger etc.

Ziel des Stadtmarketings ist es, unter Einschaltung aller Beteiligter das Wirtschaftsleben der Stadt zu fördern, die Aufenthaltsqualität für die Kunden zu verbessern, die Versorgung in allen Bereichen zu sichern und für Bewohner und Gäste eine aktuelle Erlebnisqualität zu bieten. Hintergrund dieser Aktivitäten ist die Tatsache, dass sich Wettbewerb nicht mehr nur zwischen Unternehmen, sondern im Zeichen gewachsener Mobilität zunehmend auch zwischen Zentren/ Städten/ Standorten abspielt.

Standortkooperationen haben also generell das Ziel, den Kunden an einen bestimmten Standort zu binden, die Kundenbindung an ein bestimmtes Geschäft ist hier als sekundärer Effekt zu sehen.

3. Handlungsfelder von Standortkooperationen
Die Handlungsfelder von Standortkooperationen sind je nach Anzahl und Struktur der Beteiligten unterschiedlich. Die folgende Auflistung möglicher Handlungsfelder kann daher nur exemplarisch sein.

  • Handlungsfeld Leitbildentwicklung
    (Stärken-Schwächen-Analyse, Definition von Oberzielen)
  • Handlungsfeld Einzelhandel/ Kundenorientierung
    (Schaufenster, Präsentation, Bedienung und Beratung, Aktionen, Trends)
  • Handlungsfeld Erreichbarkeit/ Verkehr
    (Stadtinformationen, Parkleitsystem, Einkaufsführer, Parkgebühren und –erstattung)
  • Handlungsfeld Aktionen
    (Märkte, Geschäftsaktionen, thematische Aktionen, Feste)
  • Handlungsfeld Dienstleistungen
    (Tourismus, Branchenmix, Internet, Schulung, Kundenparlament)
  • Handlungsfeld PR-Arbeit
    (Logo und Slogan, Stadtführer, Internetportal, Stadtterminals, Gemeinschaftswerbung)
  • Handlungsfeld Stadtgestaltung
    (Gehwege und Plätze, Verkehrssituation, Begrünung, Stadtmöblierung, Kunstwerke)
  • Handlungsfeld Information
    (Kommunikation, Erfahrungsaustausch, Seminare, Beratung)

4. Private Public Partnership
Zur Attraktivitätssteigerung und Revitalisierung der Innenstädte kommt es auch zu gemeinsamen Aktionen privater Unternehmen, Verbänden und Verwaltungen. Beispiel hierfür ist die Aktion „Ab in die Mitte“, die vom Land Nordrhein-Westfalen, dem EHV NRW, der Bild-Zeitung und den Handelsbetrieben Karstadt und Kaufhof getragen wird.

Mit Events und Veranstaltungen soll die City wieder als Treffpunkt für Kunst, Kultur, Einkaufen und Geniessen in den Focus gerückt werden. Die lokalen Aktionen werden von örtlichen Beteiligten wie Werbegemeinschaften und Vereinen unterstützt.

Weitere Informationen: www.abindiemitte.de

5. Business Improvement District (BID)
Diese Standortkooperationsform, die ins Deutsche übertragen mit “Bündnisse für Investitionen und Dienstleistungen” bezeichnet werden kann, ist im anglo-amerikanischen Raum bereits weit verbreitet. Sie wird in Deutschland vielfach diskutiert, derzeit wird an der Schaffung der rechtlichen Grundlagen gearbeitet. BIDs gehen davon aus, dass Lagequalität ein öffentliches Gut ist, von dem niemand ausgeschlossen werden kann. Die Finanzierung von standortverbessernden Maßnahmen erfolgt in BIDs über Abgaben, zu denen die Grundstückseigentümer und Gewerbetreibenden an einem definierten Standort (meist Einkaufsstrasse oder Stadtviertel) seitens der Stadt herangezogen werden, sofern eine Mehrheit der Betroffenen für diese Maßnahme stimmt. Das ansonsten immer vorhandene Problem der „Trittbrettfahrer“ kann damit ausgeschaltet werden.

Weitere Informationen: www.cima.de, www.bid-aktuell.de, www.bcsd-online.de

6. Fazit
Die äußerst vielfältigen Bemühungen und Formen der Standortkooperation zeigen, welch hoher Stellenwert diesem Instrumentarium beigemessen wird. Große Einkaufszentren finanzieren die Befriedigung elementarer Kundenbedürfnisse wie Sauberkeit, Sicherheit, Ambiente und Erlebnis über Mieterumlagen. Standortkooperationen haben bislang häufig Mühen in der Finanzierung. Die zunehmende Einbindung der Kommunen in das Stadtmarketing zeigt jedoch, dass auch dort die Notwendigkeit einer Kundenbindung an den Standort gesehen wird. Standortkooperationen schaffen hierfür die überbetrieblichen Voraussetzungen.

Weiterführende Literatur: Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Infrastruktur: Kooperatives Handeln – ein Thüringer Stadtmarketingmodell,

ADAC: Stadt und Verkehr 2003, Publikationslisten unter www.kometberatung.com, www.cima.de, www.dssw.de

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