Inzahlungnahme
In einigen Branchen ist es entweder durchweg oder fallweise üblich, den Kaufpreis einer Ware durch die Inzahlungnahme gebrauchter Produkte gleicher Art zu verbilligen. Die Inzahlungnahme kann erfolgen als echte Inzahlungnahme (Käufer wird Eigentümer der neuen Ware, Verkäufer wird Eigentümer der gebrauchten Ware) oder im Rahmen eines Agentur- oder Vermittlungsauftrages (Verkäufer nimmt gebrauchte Ware in Kommission). Letztgenannte Variante ist jedoch sehr selten geworden.
1. Wo sind Inzahlungnahmen üblich?
Im Kfz-Handel gehört die Inzahlungnahme gebrauchter Fahrzeuge zum Tagesgeschäft.
Vereinzelt finden sich entsprechende Angebote bei Einrichtungsgegenständen, Uhren, Elektrogeräten, Fotogeräten und EDV-Hardware, ganz vereinzelt auch bei Bekleidung (Motorradbekleidung, Pelze).
2. Motive des Handels
Hinsichtlich der Zielsetzung des Handels zum Einsatz dieses Instrumentes können folgende Fälle unterschieden werden:
Zum einen möchte der Händler mit der gebrauchten Ware ebenfalls bei Verkauf ein Geschäft machen. Die gebrauchte Ware wird zu einem realistischen Preis in Zahlung genommen, aufgearbeitet und dann wieder zum Verkauf angeboten, wobei der dann verlangte Verkaufspreis mindestens dem Inzahlungnahmepreis zuzüglich Aufarbeitungskosten entspricht.
Ferner kann der Handel gebrauchte Ware zu einem überhöhten Preis in Zahlung nehmen. Hierdurch entsteht beim Verkauf der gebrauchten Ware ein Verlust. Die Inzahlungnahme zu einem überhöhten Preis ist damit letztlich ein versteckter Rabatt auf die Neuware.
Aktionsweise werden vom Handel auch gebrauchte Produkte in Zahlung genommen, die sich nicht wieder verkaufen lassen oder deren Verkauf gar nicht beabsichtigt ist. Hierbei geht es in der Regel auch nur um kleinere Beträge, die Inzahlungnahme ist hier als Promotion-Rabatt zu sehen.
3. Fazit
Inzahlungnahmen verstärken in aller Regel die Kundenbindung nicht, da seitens des Kunden hierin nur eine geschäftliche Transaktion gesehen wird. Inzahlungnahmen dienen daher vorwiegend der Abverkaufsförderung für neue Produkte.
Die Kundenbindung kann höchstens dann gefördert werden, wenn es sich bei der gebrauchten Ware um emotional besetzte Produkte handelt, die der Handel zu einem fairen und fachmännisch kalkulierten Preis in Zahlung nimmt (z. B. Inzahlungnahme eines geerbten Schmuckstücks bei Kauf eines neuen Teils). In diesen Fällen können sich Sympathiewerte hinsichtlich der fachmännischen Kompetenz und des Entgegenkommens des Händlers beim Kunden aufbauen, die letztlich wiederum zu einer Kundenbindung führen können.