| Reklamationsverhalten
Die Kundenreklamation ist der Konfliktfall zwischen Verkäufer und Kunden nach dem Verkauf. Sie entsteht, wenn objektive oder subjektive Erwartungen des Kunden beim Kauf nicht erfüllt werden oder nachträglich Mängel festgestellt werden.
| Der Kunde hat bestimmte Erwartungen beim Kauf
• an die Ware • an die Verkäufer • an den Service |
| |
| Erwartungen sind erfüllt
• Zufriedenheit • Stammkunde • Positive Mundpropaganda |
|
Erwartungen sind nicht erfüllt
• Enttäuschung |
| |
|
|
| |
|
Einstellung
• Kunde gibt sich selbst die Schuld • Kunde gibt Dritten die Schuld • Kunde gibt Verkäufer die Schuld |
| |
|
|
| |
|
Reaktion
• Kunde löst das Problem selbst • Kunde resigniert • Kunde reklamiert | (Quelle: Beratung und Verkauf, BAG Ausbildungsprogramm)
Werden Erwartungen der Kunden nicht erfüllt, entsteht Enttäuschung und eine Negativstimmung, die auch zu einem aggressiven Verhalten führt. Leistet jetzt ein Verkäufer Gegenwehr, ist der Konflikt vorprogrammiert. Käufer und Verkäufer sind im Reklamationsfall hochgradig negativ konditioniert.
1. Empfehlenswertes Verhalten im Reklamationsfall Um drohende Konflikte mit reklamierenden Kunden zu vermeiden, gelten folgende Regeln:
• Den Kunden ausreden lassen • Ruhe bewahren, sich nicht provozieren lassen • Verständnis und Bedauern deutlich artikulieren • Aktive Hilfe anbieten • Sachlage prüfen • Keine Belehrung des Kunden, keine Unterstellungen machen • Verantwortung übernehmen, das Problem nicht auf Dritte abwälzen • Reklamationen möglichst schnell abwickeln • Ggf. Vorgesetzte hinzuziehen • Für guten Abgang sorgen
2. Praktische Reklamationsbearbeitung Der Wettbewerb im Einzelhandel hat dazu geführt, dass die Unternehmen zunehmend unabhängig von der Berechtigung einer Reklamation und den juristischen Folgen Großzügigkeit im Reklamationsfall an den Tag legen, sofern sich die monetären Auswirkungen in einem einigermaßen überschaubaren Rahmen halten. Insbesondere die Großbetriebe des Einzelhandels handeln bei Reklamationen meist sehr kundenfreundlich. Die hier gewonnenen Erfahrungen überträgt der Kunde inzwischen auch auf die Erwartungen an andere Fachgeschäfte. Werden diese Erwartungen nicht erfüllt, kommt es zur Kundenabwanderung.
3. Fazit Reklamierende Kunden sollten vom Handelsunternehmen positiv gesehen werden. Sie geben dem Unternehmen eine Chance, die auch von ihnen gewünschte Kundenzufriedenheit wieder herzustellen anstatt schweigend abzuwandern. Gerade gegenüber reklamierenden Kunden kann ein Handelsunternehmen seine Leistungsfähigkeit und seine Servicebereitschaft gut unter Beweis stellen. Einer schnellen und großzügigen Reklamationsbearbeitung und einem der Situation angemessenem Verhalten der Mitarbeiter kommt daher im Hinblick auf die Kundenbindung eine überaus hohe Bedeutung zu. Können reklamierende Kunden überzeugend und emotional gewinnend zufriedengestellt werden, bleiben sie dem Unternehmen auch für die Zukunft erhalten. Auch eine positive Mund-zu-Mund-Propaganda ist hier wahrscheinlich, dies wirkt sich positiv auf das Image des Unternehmens auch bei Nicht-Kunden aus.
In größeren Betrieben sollte daher ein regelrechtes Beschwerdenmanagement aufgebaut werden, in Kleinbetrieben sind Reklamationen in der Regel Chefsache, wenn die Mitarbeiter hier nicht ausdrückliche Handlungskompetenz und Verfahrensrichtlinien erhalten haben.
|
Deutsche Unternehmen Unser liebster Feind: der Kunde Der internationale Vergleich zeigt: Die Bindung zwischen Kunde und Unternehmen ist in Deutschland brüchiger als anderswo. Dazu trägt vor allem der laxe Umgang mit Kundenreklamationen bei. In vier Produktgruppen — dem Versandhandel, der Automobilindustrie, bei Bau- und Heimwerkermärkten und im Unterhaltungselektronikhandel — nehmen nur die Hälfte aller Verbraucher trotz erheblicher Aufwendungen für die Werbung Unterschiede zwischen Marken wahr.
Nur 7 Prozent aller Verbraucher haben eine emotionale Bindung zu den untersuchten Unternehmen. Weltweit sind es dagegen im Durchschnitt 17 Prozent. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie der Unternehmensberatungsgesellschaft Gallup GmbH Deutschland (Potsdam), die der dpa vorliegt.
Mehrheitlich Dienst nach Vorschrift
Gallup fand heraus, Ursache für die schlechte Kundenbindung ist unter anderem der Umgang deutscher Unternehmen mit Kundenreklamationen. „Kein einziger Verbraucher-Elektronik-Kunde war mit der Bearbeitung seines Problems absolut zufrieden“, sagte der Chef von Gallup-Deutschland, Gerald Wood.
Die Automobil-Branche, wo die meisten Probleme in der Geschäftsbeziehung zwischen Kunde und Unternehmen auftreten, schnitt mit einem Wert von 15,4 Prozent absolut zufriedener Kunden noch am besten ab.
Nur 6 Prozent aller Kunden von Bau- und Heimwerkermärkten waren mit der Behandlung ihrer Reklamation äußerst zufrieden, beim Versandhandel waren es 8,8 Prozent.
"Umsätze könnten sofort um fünf Prozent erhöht werden"
Ein schlechte Kundenbindung besteht der Studie zufolge vor allem bei solchen Unternehmen, deren Mitarbeiter nicht engagiert sind. Nur 15 Prozent aller Deutschen sind laut Gallup engagiert bei der Arbeit und empfinden diese als befriedigend. Dagegen machen 69 Prozent „Dienst nach Vorschrift“. 16 Prozent der Deutschen haben sich sogar schon „innerlich verabschiedet“.
Das Institut beziffert den aus dem fehlenden Engagement am Arbeitsplatz resultierenden gesamtwirtschaftlichen Schaden auf rund 220 Milliarden Euro jährlich. Hinzu kommen fehlende Umsätze bei den Unternehmen. „Wir gehen davon aus, dass ein Unternehmen seine Umsätze sofort um 5 Prozent steigern könnte, wenn es nur den weltweiten Durchschnitt gebundener Kunden erreichen würde“, sagte Wood.
Dies wäre allein bei den untersuchten Unternehmen in der Automobilbranche ein Plus von 1,7 Milliarden Euro. Weitere Informationen: http://www.kundenbeziehungen.de/ | |