Grundsätze
Investitionen richtig planen
Bei der Finanzplanung und -kontrolle gibt es einige grundsätzliche wirtschaftliche Aspekte zu beachten, besonders bezüglich der Investitions- und Rentabilitätsplanung.
1 Zweck der Finanzplanung
Die künftigen Finanzentscheidungen basieren auf vorher festgelegten Rentabilitäts-, Liquiditäts- und Risikozielen. So ist einerseits die Finanzplanung Teil der gesamten Unternehmensplanung, anderseits basiert sie auf den Teilplanungen im Betrieb und hier insbesondere auf der Umsatzplanung. Die Finanzplanung beeinflusst somit die anderen Planungsfaktoren. Sie ist voll integriert und letztendlich für die Umsetzbarkeit der gestellten Ziele verantwortlich.
Durch die Finanzplanung wird der künftige Finanzbedarf ermittelt. Dieser Bedarf ist in seiner Höhe, dem Zeitpunkt und in seiner Art anschließend zu bestimmen. Die strategische Finanzplanung legt die Rahmenbedingungen für die Finanzentscheidungen fest und bezieht die Rentabilitäts- und Risikofaktoren voll mit ein. Die operative Finanzplanung betrifft die Detailausführungen im Rahmen der vorher erstellten Rahmenbedingungen. Im Finanzplan werden im Einzelnen die Einnahmen und Ausgaben periodisch genau ausgewiesen.
2 Bankbeziehung
Für die Bedienung des künftigen Kapitalbedarfs können Einzelhandelsunternehmen auf die Außen- und die Innenfinanzierung zurückgreifen. Bei der Fremdfinanzierung im Speziellen ist das Verhältnis des Unternehmers zu seiner Hausbank von Bedeutung. Die Kreditwürdigkeit ist nicht nur eine Frage von Kriterien und Kennzahlen, sondern auch eine Frage des Vertrauensverhältnisses, das sich zwischen Kunde und Bank in der Zusammenarbeit entwickeln muss. Zwar nimmt die Bedeutung dieses Verhältnisses vor dem Hintergrund der neuen Bestimmungen zum Rating ab, es ist aber weiterhin wichtig.
Eine gute Bankverbindung setzt voraus:
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Zur Bank besteht ein langjähriges, gutes Verhältnis. |
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Konzentration der Bankgeschäfte auf die Kredit gebende Bank. |
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Die Bankleitung wird regelmäßig über Geschäftsentwicklung, Expansionspläne und Ertragsentwicklung informiert, dies gilt auch bei negativen Entwicklungen. |
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Mit dem Bankleiter werden auch ohne Kreditbedarf betriebliche Probleme besprochen. |
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Persönliche Kontakte werden zu dem Kreditsachbearbeiter gepflegt. |
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Jahresabschlüsse und sonstige Unterlagen werden der Bank rechtzeitig und unaufgefordert vorgelegt. |
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Von der Bank angeforderte Kreditunterlagen werden sorgfältig ausgearbeitet. |
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Das Konto wird vereinbarungsgemäß geführt. |
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Kurzfristige Kontoüberziehungen werden vorher mit dem Kreditsachbearbeiter bzw. dem Bankleiter abgesprochen. |
3 Investitionsplanung
Zur strategischen Finanzplanung gehören auch die wirtschaftlichen und finanziellen Überlegungen bei Investitionsmaßnahmen. Durch die Aufstellung der Investitionsmaßnahmen und die Bestimmung des zusätzlichen Warenlagers wird gleichzeitig auch der Kapitalbedarf festgestellt.
Hierzu eine Modellrechnung: Das Investitionsvolumen in abschreibungsfähige Güter wie Beleuchtungsanlage, Ladeneinrichtung und Außenanlage beträgt 110.000 Euro. Sie werden entsprechend den steuerlichen Richtlinien innerhalb von 8 Jahren abgeschrieben. Die jährlichen Abschreibungen betragen somit 13.750 Euro. Diese werden in die Rentabilitätsplanung übernommen. Zusätzlich wird im Rahmen der Umsatzplanung vom Aufbau neuer Warenthemen ausgegangen. Der Ausbau vorhandener Warengruppen und die Aufnahme neuer Lieferanten wird mit 60.000 Euro geplant. Das gesamte Investitionsvolumen von 170.000 Euro wird mit einem Bankkredit in Höhe von 150.000 Euro und dem erweiterten Lieferantenkredit von 20.000 Euro finanziert. Die Laufzeit des Bankkredits ist dem Abschreibungszeitraum von 8 Jahren angepasst. Der Zinssatz liegt bei voller Auszahlung bei 8 Prozent.
| Bankdarlehen |
150.000 Euro |
| Zinssatz |
8 % p.a. |
| Laufzeit |
8 Jahre |
| Annuitätenfaktor |
0,17401 |
Jährl. Gesamtschuldendienst (150.000 x 0,17402) |
26.101 Euro |
| Jahr |
Kapital zu Jahresanfang |
Zinsen |
Tilgung |
Gesamt- schuldendienst |
1. 2. 3. |
150.000 135.899 120.670 |
12.000 10.872 9.654 |
14.101 15.229 16.447 |
26.101 26.101 26.101 |
| Durchsch. 1. bis 3. Jahr |
|
10.842 |
15.259 |
26.101 |
Der jährliche Gesamtschuldendienst errechnet sich mit 26.101 Euro. Davon entfallen im ersten Jahr 14.101 Euro auf die Tilgung und entsprechend 12.000 Euro auf die Zinsen, die wiederum in die Rentabilitätsplanung übernommen werden. Bei gleichbleibendem Gesamtschuldendienst bauen sich jährlich im Rahmen der Tilgung die Zinsen ab und der Tilgungsbetrag steigt stetig an.
Zu beachten ist: Bei Kreditformen mit gleichbleibender Tilgung nehmen die Zinsen im Rahmen der Tilgung ab. Bei dieser Tilgungsform ist die gesamte Belastung im ersten Jahr am höchsten und zum Ende der Laufzeit im Vergleich zu der Tilgungsart mit gleichbleibendem Gesamtschuldendienst niedriger.
Die Aufstockung des Warenlagers erfolgt zum Teil auch über den Bankkredit. Allerdings kann das Warenlager nicht abgeschrieben werden. Die Rückführung des Bankkredits muss daher aus dem Gewinn entnommen werden.
4 Rentabilitätsplanung
Die Gegenüberstellung von Tilgung (finanzieller Abfluss) und den steuerlich geltend zu machenden Abschreibungen (Kostenposition) zeigt, dass die Abschreibungen niedriger liegen als der Tilgungsbetrag.
Zu beachten ist: Die Deckungslücke zum Beispiel im dritten Jahr beträgt rund 2.700 Euro vor Steuern. Die Deckungslücke muss aus dem versteuerten und frei verfügbaren Gewinn finanziert werden. Wird ein Einkommensteuersatz von 33,3 % unterstellt, dann errechnet sich ein Gewinnanteil vor Steuern in Höhe von 4.050 Euro (2.700 x 1,50 = 4.050). Der Steuersatz von 33,3 % vom Gewinn muss vorher in den Aufschlag von 50% umgerechnet werden (33,3 / 0,667 = 50).
Hier eine Modellrechnung zur Rentabilitätsplanung (in Form der Berechnung des kostendeckenden Mehrumsatzes einschließlich Mehrwertsteuer):
- Jährliche Zinsbelastung im Schnitt der ersten drei Jahre: 10.842 Euro
- Jährliche Abschreibungen: 13.750 Euro
- Raumsachkosten u.a. Kosten geschätzt mit: 5.408 Euro
- Jährliche Gesamtbelastung: 30.000 Euro
- Deckungslücke: 4.050 Euro
Die erzielbare Spanne wird mit 52,8 % vom Umsatz unterstellt abzüglich des Mehrwertsteuer-Satzes von 13,8 % vom Umsatz. Die (Netto-)Spanne beträgt 39,0 % vom Umsatz.
Die Nachfolgekosten aus der Investition müssen über den Mehrumsatz (MU) erwirtschaftet werden. Dieser Mehrumsatz kann mit Hilfe der folgenden Formel berechnet werden:

MU = (30.000 x 100) / 39 = 77.000
MU II = ((30.000 + 4.050 ) x 100) / 39 = 87.000
Der kostendeckende Mehrumsatz einschließlich Mehrwertsteuer liegt bei 77.000 Euro. Wird korrekterweise die Deckungslücke mit eingebaut, dann muss ein Umsatz von 87.000 Euro vorgegeben werden.
Die Finanzentscheidung ist wiederum abhängig von den Rentabilitäts- und den Risikozielen.
Nachdem der Kapitalbedarf, die Form der Finanzierung und die jährlich aufzubringenden Geldabflüsse einschließlich der Finanzierung der Deckungslücke bekannt sind, muss überprüft werden, ob der kostendeckende Mehrumsatz von 87.000 Euro nach Abschluss der Investitionsmaßnahmen erzielt werden kann. Die Umsatzplanung fällt positiv aus. Das Risiko wird insgesamt als niedrig eingestuft. Somit schließt sich der Kreislauf.