Rückstellungen
Mittelabfluss verschieben
Rückstellungen sind Kosten, die aktuell verursacht werden, aber erst in späteren Geschäftsjahren anfallen. In dem Jahr, in dem sie gebildet werden, führen sie eine Gewinnminderung herbei, ohne dass Ausgaben entstehen. Dem Unternehmen bleiben somit Finanzierungsmittel erhalten.
1 Zweck der Rückstellungen
Rückstellungen sind nach dem Handelsrecht Verbindlichkeiten, Verluste oder Aufwendungen, die hinsichtlich ihrer Entstehung oder Höhe ungewiss sind und somit gegebenenfalls ein Risiko darstellen. Durch die Bildung der Rückstellung sollen später zu leistende Ausgaben den Perioden ihrer Verursachung zugerechnet werden.
Die Finanzierung durch Rückstellungen entsteht nicht durch einen Mittelzufluss, sondern durch die Vermeidung eines Mittelabflusses während des laufenden Geschäftsjahres, indem man diesen auf spätere Perioden verschiebt.
Rückstellungen sind in der Bilanz separat zwischen Eigenkapital und Verbindlichkeiten auszuweisen. Kapitalgesellschaften müssen nach Pensions-, Steuer- und sonstigen Rückstellungen differenzieren.
Häufig anzutreffende Beispiele für Rückstellungen sind:
- Pensionsrückstellungen:
Durch eine Pensionszusage an Mitarbeiter nach Erreichen der entsprechenden Altersgrenze entstehen einem Unternehmen in Zukunft Kosten. Die Mitarbeiter erbringen jedoch aktuell ihre Leistung, so dass den Lohnkosten die Rückstellungen für Pensionszusagen zuzuschlagen sind.
- Prozessrisiken:
Das Unternehmen führt einen Prozess, der bei ungünstigem Verlauf beispielsweise zu Schadensersatzleistungen führen kann. Da sich ein solches Verfahren ohne weiteres über mehrere Jahre erstrecken kann, werden im Jahr des Prozessursprungs entsprechende Rückstellungen gebildet.
- Garantiezusagen:
Ein Hersteller gewährt auf seine Produkte eine ???Garantie. Für das Risiko, dass diese durch die Kunden in Anspruch genommen wird, werden im Jahr des Verkaufs entsprechende Rückstellungen gebildet.
2 Relevanz von Fremdfinanzierung und Ertragsteuern
Rückstellungen stehen nicht den Inhabern bzw. Gesellschaftern eines Unternehmens zu. Es sind Vermögenswerte für spätere Auszahlungen, die für die Begünstigten des jeweiligen Anlasses angesammelt werden.
Ihren Finanzierungseffekt entwickeln Rückstellungen aus der Vermeidung von Ausgaben, indem diese auf spätere Perioden verschoben werden. Also erfolgt im Gegensatz zur Selbstfinanzierung aus Unternehmensgewinnen durch den Kostenansatz zunächst keine Besteuerung, wodurch der Finanzierungseffekt durch Rückstellungen den durch Gewinne um die Ertragsteuern übertrifft.
Dies trifft jedoch nur bis zu der Höhe zu, wie die Erhöhung der Rückstellungen den Unternehmensgewinn nicht aufzehrt. Wenngleich hier eine Vielzahl steuerlicher Vorschriften greift, kann man vereinfachend festhalten, dass dieser Steuereffekt dann nicht mehr vorliegt, sobald Gewinn als steuerliche Bemessungsgrundlage nicht mehr vorhanden ist.
3 Fristigkeit
Rückstellungen dienen bis zu ihrer Auflösung als Finanzierungsquelle. Dieser Zeitpunkt kann beispielsweise bei Prozessrisiken mit der Urteilsverkündung sehr kurzfristig sein oder aber bei Pensionszusagen in ferner Zukunft liegen. Soweit die gesetzlichen Grundlagen zur Rückstellungsbildung es zulassen, werden beispielsweise Rückstellungen für Garantieleistungen regelmäßig aufgelöst und durch Neubildungen ersetzt. Dann entsteht aus einer Rückstellung mit zunächst kurzfristiger Natur ein gegebenenfalls über Jahre konstantes Rückstellungsvolumen, dessen Struktur sich intern jährlich erneuert.
4 Fazit
Rückstellungen können eine bedeutsame Finanzierungsquelle für Einzelhandelsunternehmen sein. Art und Umfang werden maßgeblich durch die aktuellen Steuervorschriften bestimmt. In der Praxis sind häufig Pensionszusagen anzutreffen. Hier muss jedoch ergänzt werden, dass sich diese bei mittelständischen Unternehmen in aller Regel auf GmbH-Geschäftsführer beschränken.
Des Weiteren sind Rückstellungen für die gesetzliche Garantie von zumeist zwei Jahren relevant, soweit diese nicht durch die Lieferanten vollständig übernommen werden. Die Finanzbehörden verlangen dann für die Bestimmung des Umfangs detaillierte Aufzeichnungen aus der Vergangenheit. Soweit die Unternehmen über eigene Montage- oder Werkstattabteilungen verfügen, gewinnen die Rückstellungen für die erbrachten Leistungen an Bedeutung.
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Weiterführender Literaturhinweis: Wöhe, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. |