Lieferanten
Gewährung eines Zahlungsziels
Der Lieferantenkredit sollte ausschließlich der Finanzierung des Warenbestands dienen. Dazu gewährt ein Lieferant dem Einzelhändler ein Zahlungsziel, das je nach Branche unterschiedlich lang sein kann.
1 Eigenschaften des Lieferantenkredits
Der Lieferantenkredit ist ein kurzfristiger Nichtbankenkredit, bei dem der Lieferant eines Wirtschaftsgutes dem Einzelhändler über die übliche Frist hinaus die Zahlung zu einem späteren Zeitpunkt ermöglicht. Der Einzelhändler erhält keinen Geldkredit, lediglich seine Zahlungsverpflichtung wird ihm gestundet. Die Frist beträgt im Durchschnitt 1 bis 3 Monate, zuweilen nach der Absatzdauer der gelieferten Waren bis zu 6 Monaten, in Ausnahmefällen auch länger.
Im Gegensatz zum Bankkredit wird der Lieferantenkredit ohne Kreditwürdigkeitsprüfung oder Stellung von besonderen Sicherheiten gewährt, allerdings sichert sich der Lieferant bis zur Bezahlung den Eigentumsvorbehalt.
2 Gestaltung des Lieferantenkredits
Die Kreditbeziehung wird im Kaufvertrag geregelt. Meist finden sich dort Formulierungen der folgenden Art: ,,Zahlbar innerhalb von 30 Tagen, bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen abzüglich 2 Prozent Skonto“.
Der Einzelhändler als Käufer hat drei Möglichkeiten der Zahlung:
| 1. |
Er nutzt die Skontofrist aus und nimmt somit einen - dem ersten Augenschein nach - zinslosen Kredit über 10 Tage in Anspruch. Da der Lieferant aber damit rechnet, dass der Abnehmer frühestens kurz vor Ablauf der Skontofrist zahlen wird, enthält der Rechnungspreis auch die Zinsen für einen 10-Tages-Kredit. |
| 2. |
Er nutzt die gesamte Zahlungsfrist. Dies bedeutet: Inanspruchnahme eines formal zinslosen Kredits über 10 Tage und eines verzinslichen Kredits über 20 Tage. |
| 3. |
Die dritte Möglichkeit besteht im Hinhalten des Lieferanten, so dass ein Kredit von mehr als 30 Tagen zustande kommt. Hierbei können aber im vorhinein Verzugszinsen vereinbart worden sein, die sich dann zum Nachteil des Einzelhändlers auswirken. |
Die Gewährung der Lieferungskredite bedeutet für den Einzelhändler je nach dem Verhältnis seines durchschnittlichen Lagerumschlags und der Kreditzeit eine volle oder teilweise Finanzierung der Lagerhaltung.
3 Kostenaspekte
Den Vorteilen steht jedoch ein gravierender Nachteil gegenüber: der in der Regel sehr hohe Effektivzinssatz. Wenn man auf den Preisnachlass durch Skontoausnutzung verzichtet, also zum Beispiel erst nach 30 Tagen die Rechnung begleicht, zahlt man unter Umständen einen effektiven Jahreszinssatz von mehr als 30 Prozent. Diese Zinsen sind im Rechnungsbetrag enthalten, sie werden also nicht aus der Rechnung ersichtlich. Das lässt viele Unternehmer in dem Glauben, einen zinslosen Kredit für die Zielfrist zu erhalten.
Weitere Nachteile des Lieferantenkredits für den Kreditnehmer bestehen in einer Beschränkung der Kreditfähigkeit, die durch hohe Lieferantenschulden zustande kommen kann. Auch besteht die Gefahr von Liquiditätsschwierigkeiten, falls Umsatzstockungen auftreten und somit fällige Lieferantenkredite nicht rechtzeitig zurückbezahlt werden können.
4 Fazit
Die hohen Kreditkosten sollten einen Einzelhändler dazu veranlassen, möglichst immer den Barpreis in Anspruch zu nehmen und den Lagervorrat anderweitig zu finanzieren. Wenn die Liquiditätslage des Unternehmens nicht ausreichend ist, um den Skontopreis auszunutzen, sollten soweit wie möglich Kredite der Banken herangezogen werden, da diese in der Regel günstiger sind. Dies verhindert auch gleichzeitig eine Abhängigkeit von den Krediten des Lieferanten.