Banken

Aufgaben und Funktionen der Kreditinstitute

Nach § 32 KWG (Kreditwesengesetz) ist „Bank“ ein geschützter Begriff für Kreditinstitute, die eine Erlaubnis zum Betreiben von Bankgeschäften besitzen. Banken werden hiernach als Unternehmen definiert, die für die Geldanlage und Finanzierung sowie die Durchführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs zuständig sind. Der ökonomische Bankbegriff ist allgemeiner gefasst und umfasst alle Institutionen, die Bankgeschäfte tätigen. Dies gilt somit auch für die Zentralbanken, die sich von den Geschäftsbanken durch ihre spezifische Funktion unterscheiden.

1 Klassifizierungen von Geschäftsbanken
Die Geschäftsbanken lassen sich gruppieren in Kreditbanken, Girozentralen und Sparkassen, genossenschaftliche Zentralbanken und Kreditgenossenschaften, Realkreditinstitute, Kreditinstitute mit Sonderaufgaben und Bausparkassen.

Im Hinblick auf den Umfang der getätigten Bankgeschäfte ergibt sich die Möglichkeit einer Klassifikation in Universalbanken und Spezialbanken. Universalbanken betreiben alle Bankgeschäfte, mit Ausnahme der Notenausgabe. Spezialbanken sind dagegen auf bestimmte Geschäfte spezialisiert. Beispiele für letztere:
- Depositenbanken, die vorwiegend das Einlagen- und Kreditgeschäft vornehmen. Gründungs-, Emissions- und Beteiligungsgeschäfte  gehören jedoch nicht dazu.
- Effektenbanken bzw. Finanzierungsbanken, die vor allem der Unternehmensfinanzierung (insbesondere bei der Aktien- und Anleiheemissionen) und dem Effektenverkehr dienen.
- Hypothekenbanken, die Realkreditinstitute sind und inländische Grundstücke durch Hypothekarkredite beleihen und aufgrund der erworbenen Hypotheken Schuldverschreibungen (Hypothekenpfandbriefe) ausgegeben.

Das deutsche Geschäftsbankensystem wird von Universalbanken dominiert. Im Gegensatz hierzu gibt es in den USA zum Beispiel eine Trennung in Commercial Banks, die das Kredit- und Einlagengeschäft betreiben, und Investment Banks für das Effekten-, Emissions- und Börsengeschäft. Danben gibt es Mutual Savings Banks und Savings And Loan Associations (Sparbanken bzw. Bausparbanken), die sich auf die Annahme von Spareinalgen und die Gewährung von Hypothekarkrediten konzentrieren.

2 Arten von Bankgeschäften
Als Bankgeschäfte gelten Einlagen-, Kredit- Effekten-, Depot-, Investment- Garantie- und Girogeschäfte. Sie werden in Aktiv- und Passivgeschäfte unterschieden. Im Aktivgeschäft (Kreditvergabe) liegt die Entscheidung über das Zustandekommen bei den Banken, sie sind der gebende Partner. Hierzu gehören die Gewährung von Kontokorrent-, Diskont-, Lombard-, Aval- und Akzeptkrediten sowie langfristigen Krediten mit und ohne Sicherung durch Grundpfandrechte.

Zu den Passivgeschäften, bei denen die Banken die kreditnehmenden Partner sind, zählen
- die Annahme von Sicht-, Termin-, Spar- und kurzfristigen Einlagen (Depositen),
- die Ausgabe von Pfandbriefen, Kommunalobligationen, Sparbriefen,
- Dienstleistungsgeschäfte (Zahlungsverkehrs- und Inkassogeschäfte),
- Wertpapiergeschäfte (wie Effektenhandel für fremde Rechnung),
- Depot-, Emissions-, Geldwechselgeschäfte, Anlageberatung, Vermögensverwaltung, Beratung in Finanzierungsfragen und Treuhänderaufgaben.

Zu den volkswirtschaftlichen Aufgaben der Banken gehören insbesondere die Gewährleistung eines reibungslosen Geld- und Kapitalverkehrs, die Bereitstellung von Finanzierungsmöglichkeiten für private Haushalte, Unternehmen und öffentliche Haushalte sowie die Bereitstellung unterschiedlicher Geldanlagemöglichkeiten. Banken haben somit eine Vermittlungsfunktion von Angebot und Nachfrage nach Geld und Kapital. Aufgrund der besonderen Stellung für die Gesamtwirtschaft unterliegen die Banken in den meisten Ländern einer strengen staatlichen Kontrolle (Bankenaufsicht).

Durch ihre Bedeutung für die kreditnehmende Wirtschaft, in deren ???Aufsichtsräten sie meistens auch vertreten sind, haben die großen Banken einen wesentlichen Einfluss auf unternehmenspolitische Entscheidungen.

3 Bedeutung der Europäischen Zentralbank (EZB)
Eine besondere Stellung unter den Banken nimmt die EZB ein. Die Funktionen der Deutschen Bundesbank mit den neun Hauptverwaltungen (Landeszentralbanken) in den Bundesländern wurden mit Beginn der dritten Stufe der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion am 1.1.1999 wesentlich reduziert und sind nunmehr integraler Bestandteil der Europäischen Zentralbank, der die einheitliche Geldpolitik im Euro-Währungsgebiet obliegt.

Als Zentralbank nimmt die Bundesbank eine Reihe historisch gewachsener Funktionen wahr: Sie ist Notenbank, Bank der Banken, Bank des Staates und Verwaltung der Währungsreserven. Hinzu kommt ihre Einbindung in die Bankenaufsicht. Darüber hinaus nimmt die Deutsche Bundesbank Aufgaben im Rahmen des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) wahr. Die EZB hat das ausschließliche Recht, die Ausgabe von Banknoten innerhalb des Euro-Währungsraums zu genehmigen. Dabei sind die EZB und die nationalen Zentralbanken zur Ausgabe von Banknoten berechtigt. Die Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft mit Zahlungsmitteln umfasst die Ausgabe von Banknoten, das regelmäßige Aussortieren nicht mehr umlaufsfähiger Noten, die Falschgeldkontrolle, die Ersatzleistung für beschädigte Noten und den - allerdings selten vorkommenden - Aufruf zur Einziehung von Noten, wenn zum Beispiel Scheine mit verändertem Erscheinungsbild in Umlauf kommen.

4 Geldpolitische Instrumente der EZB
Die Europäische Zentralbank (EZB) bzw. die nationalen Zentralbanken, die die Geldpolitik weitestgehend dezentral ausführen, verfügen über eine Reihe zins- und liquiditätsbeeinflussender geldpolitischer Instrumente, um das Ziel der Preisstabilität erreichen zu können.

Im Zentrum dieser geldpolitischen Instrumente stehen die Offenmarktgeschäfte. Dabei wird unterschieden zwischen Hauptrefinanzierungsgeschäften, längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (Basistendern), Feinsteuerungsoperationen und strukturellen Operationen. Die Hauptrefinanzierungsgeschäfte sind ein Mittel der Liquiditätsbereitstellung und werden im wöchentlichen Rhythmus mit 14-tägiger Laufzeit als befristete Transaktionen ausgeschrieben. Diesem Instrument kommt eine Schlüsselrolle zu, da es dem Finanzsektor den größten Teil der Liquidität zur Verfügung stellt. Die Liquiditätsbereitstellung mittels der längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte erfolgt ebenfalls über befristete Transaktionen. Allerdings werden diese Geschäfte nur in monatlichen Abständen ausgeschrieben. Die Laufzeit der Basistender beträgt 3 Monate.

Feinsteuerungsoperationen werden nur von Fall zu Fall durchgeführt, um unerwartete Liquiditätsschwankungen auszugleichen. Strukturelle Operationen können in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen zur Anpassung der strukturellen Liquiditätsposition des Finanzsektors gegenüber dem Eurosystem genutzt werden.

Als weitere Instrumente stehen dem Eurosystem zwei ständige Fazilitäten zur Verfügung, die dazu dienen, Liquidität kurzfristig bereitzustellen (Spitzenrefinanzierungsfazilität) oder zu absorbieren (Einlagefazilität). Die Zinssätze dieser beiden Instrumente stecken dabei die Ober- bzw. Untergrenze der Geldmarktsätze für Tagesgeld ab.

Die genannten Instrumente werden durch das Mindestreserveinstrument ergänzt. Danach müssen die Banken bei den nationalen Zentralbanken Guthaben unterhalten, deren Höhe sich nach bestimmten Verbindlichkeiten richtet. Das zu diesem Zweck bei der Bundesbank zu unterhaltende Guthaben wird zum Satz für die ESZB-Hauptrefinanzierungsgeschäfte verzinst.

5 Entwicklungstendenzen im Bankwesen
Die Finanzbranche war zuletzt durch starke Umbrüche gekennzeichnet. Hierzu gehörten insbesondere die Internationalisierung des Bankgeschäfts durch die zunehmende grenzüberschreitende Verflechtung der Wirtschaft, die Deregulierung im Finanzsektor sowie die fortschreitende Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie, die insbesondere für das Investmentbanking bedeutsam ist. Im Mittelpunkt der elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten steht das Internet, welches die Markteintrittsbarrieren für neue Mitbewerber senkt und Standortvorteile reduziert. Die daraus resultierende höhere Markttransparenz führt zu einem verstärkten Preis- und Leistungsdruck auf die Kreditinstitute. Andererseits bietet das Internet den Banken eine Vielfalt neuer Einsatzmöglichkeiten, zum Beispiel für die Kommunikation mit Kunden, Mitarbeitern und Zuliefern.

Die internationale Liberalisierungspolitik bringt für die Banken erheblich mehr Konkurrenz durch ausländische Kreditinstitute, aber auch durch branchenfremde Dienstleister. Versicherungsunternehmen, Versand- und Einzelhandel (zum Beispiel durch Leasing über eigene Finanzierungsgesellschaften) sowie Telefon- und Discount-Broker drängen immer stärker in den traditionellen Bankenmarkt, insbesondere in das Depositen-, und Konsumentenkreditgeschäft.

Der Konzentrationsprozess im Bankwesen wird auch in Zukunft an Dynamik gewinnen und zu neuen Fusionen, Übernahmen oder Kapitalbeteiligungen führen.

6 Fazit
Das Bankwesen hat viele Funktionen und ist geprägt von zahlreichen Institutionen. Es gibt in Deutschland eine Vielzahl von unterschiedlichen Kreditinstituten. Entscheidend für einen Einzelhändler ist, die richtige Bankverbindung herauszufinden, die objektive Beratung, günstige Konditionen, ausreichend Kreditversorgung, kurze Entscheidungswege und guten Service bietet (mehr dazu unter „Auswahlkriterien“).






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