Factoring

Finanzierung durch Forderungsverkauf

Für Einzelhandelsbetriebe, die bei bestimmten Teilleistungen in nennenswertem Umfang auf Rechnung arbeiten, ist der Verkauf kurzfristiger Forderungen – kurz: Factoring – eine wenig genutzte, aber trotzdem interessante Finanzierungsquelle.

1 Funktionsweise des Factorings
Factoring ist ein einmaliger oder fortlaufender Ankauf von Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen durch ein spezielles Finanzierungs- oder Kreditinstitut bzw. eine Factoringgesellschaft (so genannter Factor). Der Forderungsverkäufer - also zum Beispiel ein Einzelhandelsbetrieb - schließt mit dem Factor einen Factoringvertrag, der in der Regel eine mindestens zweijährige Laufzeit aufweist.

Der Factor erwirbt nicht Einzelforderungen, sondern den gesamten Forderungsbestand und führt das Inkasso im eigenen Namen und auf eigene Rechung durch. Außerdem übernimmt er das Mahnwesen und gibt auf ausgehende Rechnungen einen Vorschuss. Das bringt dem Einzelhandelsunternehmen als Forderungsverkäufer einen Liquiditätsvorteil. Weitere Pluspunkte: Die Fixkosten im Finanzbereich sinken, weil Inkasso, Debitorenbuchhaltung und Mahnwesen ausgelagert werden. Zudem wird die Bilanz verkürzt, weil die Aktiv- und Passivseite durch den Abbau der Forderungen und Verbindlichkeiten kleiner werden.

Für die volle Übernahme des Ausfallrisikos und für das Debitorenmanagement berechnen die Factoringgesellschaften ein Entgelt je nach Arbeitsaufwand und geschätztem Risiko zwischen 0,8 und 2,5 Prozent der Rechnungsbeträge. Für die Finanzierung der Außenstände fallen Zinsen in Höhe banküblicher Kontokorrentzinsen an.

Will ein Einzelhandelsbetrieb Forderungen verkaufen, hat er einige grundsätzliche Anforderungen zu erfüllen, die auf den Einzelfall zugeschnitten werden können. Dazu gehören:
Die Laufzeit der Forderungen sollte 120 Tage (Inlandsforderungen ) bzw. 180 Tage (Auslandsforderungen) nicht überschreiten.
Die Forderungen müssen frei von Rechten Dritter sein und bei ihrer Entstehung der Höhe nach feststehen.

2 Formen des Factorings
Man kann zwischen mehreren Arten des Factorings unterscheiden:

• Full-Service-Factoring:
Das Verfahren - auch Standardfactoring genannt - umfasst neben der umsatzkongruenten Finanzierung auch eine hundertprozentige Risikoabsicherung und eine Entlastung beim Debitorenmanagement.

• Online-Factoring:
Abwicklung des Factoringverfahrens unter Verwendung moderner Datenübertragungstechnik.

• Bulk-Factoring - auch Inhouse- oder Eigenservice-Factoring genannt:
Der Factoringkunde nutzt die Finanzierung und Risikoabsicherung durch den Factor, verzichtet aber auf weitergehende Dienstleistungen. Er führt die Debitorenbuchhaltung - treuhänderisch für den Factor - selbst durch.

• Fälligkeits-Factoring:
Eine Factoring-Variante, bei der der Factoringkunde die Vorteile der vollständigen Risikoabsicherung und Entlastung beim Debitorenmanagement nutzt, aber auf die sofortige Regulierung des Kaufpreises verzichtet.

• Echtes/Unechtes Factoring:
Factoringverfahren, bei denen der Factor das Ausfallrisiko übernimmt (Delkredereschutz), werden als echtes Factoring bezeichnet; Factoring ohne Übernahme des Ausfallrisikos nennt man unechtes Factoring. In Deutschland wird fast ausnahmslos echtes Factoring praktiziert.

• Offenes/Stilles Factoring:
Beim offenen Factoring-Verfahren wird der Debitor über den Forderungsverkauf informiert und aufgefordert, direkt an den Factor zu zahlen; beim stillen Factoring-Verfahren wird die Forderungsabtretung dem Debitor gegenüber nicht offengelegt. In Deutschland wird überwiegend die offene Abtretung praktiziert.

• Export-Factoring/Import-Factoring:
Die Factoringinstitute bieten Factoring sowohl für den inländischen als auch für den grenzüberschreitenden Geschäftsverkehr an. Nehmen inländische Unternehmen (Exporteure) die Leistungen eines Factors in Deutschland für ihre grenzüberschreitenden Geschäfte in Anspruch, spricht man von Export-Factoring. Handelt es sich um Importgeschäfte, bei denen ausländische Unternehmen die Leistungen eines Factors in Deutschland in Anspruch nehmen, wird dies Import-Factoring genannt.

3 Fazit
Nimmt ein Einzelhändler eine Finanzierung via Factoring in Anspruch, genießt er einen großen Vorteil: Er ist vor Forderungsausfällen geschützt. Die Kehrseite der Medaille sind die relativ hohen Kosten. Insgesamt gesehen hat das Factoring für die meisten Branchen des Einzelhandels eine geringe Bedeutung, da in diesem Wirtschaftszweig in der Regel die Waren gegen Sofortzahlung verkauft werden.






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