Strategische Investoren
Vielfältige Motive für Beteiligungen
Vor allem mit der Zielsetzung, die eigene Position auszubauen oder neue Märkte zu erschließen, beteiligen sich Unternehmen als strategische Investoren an anderen Unternehmen.
1 Wer ist wann ein strategischer Investor?
Der Begriff des strategischen Investors ist weniger in der Betriebswirtschaftslehre beheimatet, sondern beschreibt vielmehr umgangssprachlich eine Zielsetzung des Managements, das über Beteiligungen an anderen Unternehmen vor allem seinen Einfluss erweitern möchte. Diese Beteiligung kann die verschiedensten rechtlichen Formen haben und von geringfügigem Umfang bis zur vollständigen Übernahme reichen.
Ausgangspunkt ist die Erwartung des Investors, mit der Maßnahme die Erreichung seiner Unternehmensziele zu unterstützen. Da diese Unternehmensziele höchst unterschiedlich sein können und sich nicht selten über Nacht ändern, ist die Motivation der Investoren denkbar vielfältig.
2 Der strategische Investor diversifiziert
Man kann zwischen der horizontalen und vertikalen Diversifikation unterscheiden. Ausgangspunkt dieser Begriffe ist die Absatzkette, die oben mit der Produktfertigung beginnt und unten mit dem Konsumenten endet. Dazwischen sind einzelne Stufen wie Importeur, Großhandel und Einzelhandel zu finden.
Somit beschreibt die vertikale Diversifikation die Expansion in vor- oder nachgelagerte Stufen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn sich ein Hersteller an einem Importeur seiner Produkte beteiligt. Die horizontale Diversifikation erfolgt bei Unternehmen der gleichen Stufe, die dadurch häufig als Wettbewerber gelten, wie zum Beispiel Großhandel-Großhandel.
Zu unterscheiden ist noch, ob die Beteiligung in der gleichen Absatzkette - also der gleichen Branche – erfolgt. Man spricht dann von einer medialen Diversifikation. Oder der Investor betätigt sich in einer für ihn neuen Branche, was man als laterale Diversifikation bezeichnet. Eine mediale Diversifikation liegt beispielsweise vor, wenn sich ein Autohersteller an seinem Lieferanten von Cabrio-Verdecken beteiligt. Würde sich der gleiche Hersteller an einer Versicherungsgesellschaft beteiligen, wäre dies eine laterale Diversifikation.
3 Strategische Investoren im Handel
Im Einzelhandel sind des Öfteren strategische Investoren anzutreffen. Es überrascht jedoch wenig, dass deren Interesse an eher kleinen Unternehmen in der Regel ausgesprochen gering ist. Im Folgenden werden exemplarisch strategische Investoren im und aus dem Handel dargestellt.
3.1 Beteiligungen zwischen Wettbewerbern
Hier geht es meist darum, durch Stimmrechte Einfluss auf das andere Unternehmen auszuüben, was bei großen Gesellschaften regelmäßig durch Kartellbehörden geprüft wird, da die Gefahr besteht, dass zwei Marktführer ihre marktbeherrschende Rolle missbrauchen. Ziel einer solchen Beteiligung ist vor allem die Nutzung von Synergiepotenzialen durch gemeinsamen Einkauf oder Know-how-Transfer.
Die interessante Frage bei diesen Konstruktionen ist: Wer hat wie viel Macht? Sehr oft ist anzutreffen, dass die nominelle Beteiligung recht bescheiden ausfällt, zum Beispiel 10 Prozent am Kapital, dem strategischen Investor durch einen Vertrag aber ein deutlich höheres Stimmrecht zugesprochen wird.
Häufig wird auch die Beteiligung eines strategischen Investors gesucht, der sich nicht nur am Eigenkapital der Gesellschaft beteiligt, sondern darüber hinaus auch „frisches Geld“ durch Kredite zur Verfügung stellt.
In manchen Fällen erfolgt die Beteiligung auch vor dem Hintergrund der anstehenden Unternehmernachfolge. Der strategische Investor hat somit schon einmal den „Fuß in der Tür“, die er dann vollständig aufstoßen kann, wenn sich der Seniorunternehmer zurückziehen will, indem er dessen Anteile übernimmt.
3.2 Beteiligung Hersteller an Handelsunternehmen
Diese Variante ist anzutreffen, wenn ein Hersteller seinen Absatz sichern oder vereinheitlichen will und durch seine Beteiligung erwirken kann, dass beispielsweise seine Konkurrenz nicht zum Zuge kommt. Dies konnte beispielsweise in den Neunziger Jahren bei BMW beobachtet werden, die im Gegensatz zur schwäbischen Konkurrenz (DaimlerChrysler) nur wenige eigene Verkaufsniederlassungen hatten. Neben der reinen Absatzsicherung kann durch die Beteiligung auch erwirkt werden, dass beispielsweise die Marketingkonzepte der Hersteller besser umgesetzt werden.
Last not least sind einzelne Beteiligungen ausschließlich dadurch motiviert, dass der Hersteller an originäres Handels-Know-how gelangt. Der Hersteller kann durch seine Beteiligung Marktinformationen auch über seine eigene Konkurrenz aus erster Hand erfahren. Er kann auch neue Konzepte zunächst bei diesem Unternehmen vorstellen und testen, bevor er es am gesamten Markt eingeführt wird.
3.3 Beteiligung Großhandel an Einzelhandel
Hier sind die Motive denen von Herstellern, die sich an Handelsunternehmen beteiligen, sehr ähnlich. Es kommt jedoch ein weiterer Aspekt insofern hinzu, als dass in vielen Branchen der Großhandel insgesamt gefährdet ist, weil zunehmend Hersteller und Einzelhandel direkt miteinander Geschäfte machen.
Unter der Annahme, dass die eigene Handelsstufe mittel- oder langfristig gefährdet ist, agieren die Großhandelsunternehmen klug, die sich rechtzeitig den Markteintritt beispielsweise auf Einzelhandelsebene verschaffen, um sukzessive dorthin ihr gesamtes Geschäft zu verlagern.
4 Fazit
Strategische Investoren verfolgen mit einer Unternehmensbeteiligung langfristig ihre Ziele, indem sie Einfluss auf die Geschicke anderer Unternehmen nehmen. Im Gegensatz zu Beteiligungsgesellschaften, die vor allem auf eine adäquate Verzinsung ihres eingesetzten Kapitals setzen, stehen bei der strategischen Investition in aller Regel vielfältige andere Motive hinter dem Engagement.