Kapitalbeteiligungs-Gesellschaften
Beschaffung von Venture Capital
Kapitalbeteiligungsgesellschaften beteiligen sich an Unternehmen und stellen diesen im Rahmen einer Beteiligungsfinanzierung Eigenkapital in Form von Risikokapital - Venture Capital, kurz: VC - und gegebenenfalls zusätzliche Darlehen zur Verfügung. Sie erhalten in aller Regel eine feste Verzinsung für ihre Einlagen und spekulieren auf eine Erhöhung des Wertes ihrer Anteile, um diesen später mit Gewinn zu veräußern.
1 Wie arbeiten Kapitalbeteiligungsgesellschaften?
Kapitalbeteiligungsgesellschaften, die auch als VC-Finanziers oder VC-Anbieter bezeichnet werden, stellen einem Unternehmen über einen bestimmten Zeitraum haftendes Kapital zur Verfügung. Wenngleich sich der Kapitalgeber nicht personell in das Unternehmen einbringt, wird die Zusammenarbeit durch betriebliche Beratung des Kapitalnehmers begleitet. Die Bereitstellung des Kapitals wird im Gegensatz zur Kreditvergabe nicht von beleihungsfähigen Sicherheiten abhängig gemacht, sondern allein von den geschätzten Ertragschancen des zu finanzierenden Vorhabens.
Hinter VC-Finanziers stehen Banken, Fonds, vermögende Privatpersonen und auch die öffentliche Hand. Versicherungen ist die Spekulation mit Risikokapital gesetzlich untersagt.
2 Welche Ziele verfolgen VC-Anbieter?
Kapitalbeteiligungsgesellschaften beabsichtigen mit ihren Engagements, Gewinne zu erzielen. Die zur Verfügung gestellten Finanzmittel sind für den Kapitalnehmer meistens mit einem festen Zins versehen, der in Abhängigkeit von der individuellen Risikoeinschätzung erheblich über Darlehenszinsen liegen kann.
Darüber hinaus ist die Beteiligung von VC-Anbietern in aller Regel zeitlich limitiert. Man plant – gemeinsam mit dem Kapitalempfänger – eine Veräußerung der übernommenen Anteile häufig in einem Zeithorizont von drei bis fünf, in Einzelfällen bis zehn Jahren. Dies kann dann in Zusammenhang mit einem Börsengang oder einer Übertragung an den Kapitalempfänger erfolgen.
Wenngleich sie sich ständig über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens informieren lassen, verstehen sich VC-Anbieter als Finanzinvestoren und streben meist keine unternehmerische Führerschaft an.
3 Welche Beteiligungsanlässe gibt es?
Es können folgende Anlässe für eine Beteiligung unterschieden werden:
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Expansion und Innovation: Ein Unternehmen will seine Kapazitäten oder Geschäftsfelder ausweiten und benötigt hierfür finanzielle Mittel. |
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Gesellschafterwechsel und Unternehmernachfolge: Ein Unternehmer oder Gesellschafter will sich aus dem Betrieb zurückziehen und bietet seine Anteile zum Kauf an. |
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Vor-Börsenphase: Das Unternehmen plant den Börsengang. Der VC-Anbieter finanziert diesen und platziert seine Anteile. |
4 In welcher Form beteiligen sich VC-Anbieter?
Der klassische Weg ist die Beteiligung als Gesellschafter an einer Kapitalgesellschaft (GmbH, AG). In Deutschland wird jedoch häufig die stille Gesellschaft gewählt, weil sie dem VC-Anbieter im Insolvenzverfahren Gläubigerrechte einräumt. Außerdem ermöglicht sie, einen Ausschluss der Verlustbeteiligung vertraglich zu vereinbaren.
5 Für welche Unternehmen kommt VC in Frage?
Kapitalbeteiligungsgesellschaften sehen sich in erster Linie als Finanzinvestor für mehr oder weniger riskante Vorhaben, die sich jedoch durch lukrative Perspektiven auszeichnen müssen. Diese Projekte können Banken in aller Regel nicht begleiten, weil die notwendige Unterlegung mit Sicherheiten fehlt. VC-Finanziers interessieren sich für Engagements von mindestens 1 Mio. Euro.
Die Kapitalbeteiligungsgesellschaft wird dann auch zum Unternehmensberater, wenn das Unternehmen den Börsengang plant. So sind vor allem Startups im technischen Bereich für VC-Anbieter interessant, wenn beispielsweise ein interessantes Patent vorhanden ist, aber finanzielle Mittel für die Umsetzung und technische Anlagen fehlen. Die Kapitalbeteiligungsgesellschaft kauft sich in diese (noch unbedeutenden) Unternehmen ein, um später im Idealfall durch den Börsengang ein Vielfaches ihrer Investition durch den Verkauf der Beteiligung zu realisieren.
Die Renditeerwartung der VC-Anbieter wird durch das Risiko bestimmt und liegt demzufolge deutlich über den Zinssätzen für Darlehen. VC wird mit 12 bis 20 Prozent p. a. fest verzinst, was der Kapitalnehmer als Zinskosten zu tragen hat.
Im Einzelhandel – insbesondere im mittelständischen – ist nur vereinzelt das Engagement von VC-Anbietern anzutreffen. Der klassische stationäre Einzelhandel in seiner Masse erfüllt oft weder die Renditeerwartungen noch sind ihm in vielen Fällen günstige Perspektiven für einen IPO ("Inital Public Offering" - erstmaliges, öffentliches Angebot von Aktien) zu attestieren. Vom E-Commerce, der augenfällig häufiger mit VC ausgestattet wurde, ist in den vergangenen Jahren eine deutlich höhere Rentabilität erwartet worden, als er bis dato erreicht hat. Insgesamt kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass Kapitalbeteiligungsgesellschaften in anderen Branchen bessere Perspektiven sehen und somit der Handel in ihren Portfolios eher unterrepräsentiert ist.
6 Fazit
Die Anbieter von Venture Capital betreiben ein riskantes Finanzierungsgeschäft, das sich nur bei hervorragenden Renditeperspektiven trägt. In Anbetracht der eher angespannten Rentabilität des klassischen Einzelhandels wird diese Form der Beteiligungsfinanzierung eher die Ausnahme bleiben.