Börsengang/ Kapitalerhöhungen

Expansion finanzieren durch IPO

Gerade mit dem aufgehenden Stern des Neuen Marktes in Deutschland, der sich inzwischen eher als Sternschnuppe erwiesen hat, war das Thema Börsengang ausgesprochen attraktiv, um durch eine Kapitalerhöhung mit dem Verkauf von Aktien „frisches Geld“ für die Expansion eines Unternehmens zu erhalten.

1 Primär- und Sekundäremission
Beim Börsengang kann man zwischen zwei Emissionsformen unterscheiden:
• Primäremission
Der Börsengang von Aktiengesellschaften beschreibt den Prozess, wenn (meist erstmalig) Unternehmensanteile über die Börse einer breiten Öffentlichkeit zum Kauf angeboten werden. Dieser Vorgang wird immer häufiger als IPO bezeichnet. "Initial Public Offering" kann wörtlich als „erstmaliges öffentliches Anbieten“ übersetzt werden. Der gesamte Prozess, der sehr kompliziert und aufwendig ist und mit der Börsenplatzierung endet, wird auch als "Going Public" des Unternehmens bezeichnet.
• Sekundäremission
Der Börsengang bzw. IPO kann aber auch Sekundäremissionen von Aktien umfassen, die zunächst privat platziert worden sind ("private placement"). Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Investmentbank, die sich auf Sekundäremissionen spezialisiert hat, zunächst Anteile am Unternehmen erwirbt. Diese Anteile werden dann in einem zweiten Schritt an der Börse öffentlich platziert, um eine große Zahl von Investoren und Anlegern zu erreichen und eine breitere Streuung des Aktienkapitals zu erzielen.

2 Gründe für einen Gang an die Börse
Börsengänge dienen vor allem der Verbesserung der Eigenkapitalbasis. Dies ist vor allem dann von Interesse, wenn das Unternehmen expandieren will oder gar muss. Die Erfahrung zeigt, dass die Unternehmensgröße hier kaum eine Rolle spielt. Startups, vorzugsweise aus der New Economy, die kaum die Umsätze eines mittelständischen Familienbetriebs erzielten, wurden mit erheblichem finanziellem Aufwand an die Börse gebracht. Am anderen Ende der Skala sind Konzerne zu beobachten, die Unternehmensteile aus dem bisherigen Unternehmensverbund herauslösen, sie zu einer selbstständigen Aktiengesellschaft umgründen und dann an die Börse führen (zum Beispiel T-Online AG aus der Deutschen Telekom AG).

Venture-Capital-Unternehmen (VC-Unternehmen, Kapitalbeteiligungsgesellschaften) lösen häufig ihr ursprüngliches Engagement mit Startup- und First-Stage-Finanzierungen durch einen Börsengang ab. Strategie dieser VC-Finanziers ist, im Rahmen der Unternehmensgründung relativ günstig erworbene Unternehmen auf den Börsengang vorzubereiten, um diese dann nach einem erfolgreichen Start später gewinnbringend über die Börse zu veräußern.

3 Organisation des Börsengangs
Der Börsengang, auf den sich eine Reihe von Banken und Beratern spezialisiert haben, ist ein komplexer Vorgang, der nicht nur von den Anforderungen der Börse selbst bestimmt wird. Die Mehrzahl der Unternehmen, die einen Börsengang beabsichtigen, ist eher klein und jung und hat weder Erfahrungen noch Kapazitäten für ein solch entscheidendes Vorhaben.

IPO-Projektteams bestehen daher aus einem Kreis vor allem externer Spezialisten, die beispielsweise die juristische Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft, die Umstellung des Rechnungswesens oder die Unternehmensbewertung und Preisfindung im Rahmen der Prospekterstellung unterstützen. Des Weiteren organisieren IPO-Berater die Auswahl der zu beteiligenden Konsortialbanken sowie die gesamte PR des emittierenden Unternehmens in „Road Shows“ gegenüber interessierten Großinvestoren und den Medien.

4 Wenige Handelskonzerne als Börsenschwergewichte
Grundsätzlich sind neben den mitunter im DAX notierten Konzernen - wie vor allem Metro und Karstadt - auch eine Reihe weiterer Handelsunternehmen als börsennotiert zu nennen. Echte Neuemissionen sind jedoch kaum zu verzeichnen. Lediglich gerüchteweise ist zu vernehmen, dass die eine oder andere Konzerntochter an die Börse gebracht werden soll - dies allerdings erst, sobald „das Umfeld“ (= Stimmung an der Börse) stimmt.

Das Thema Börsengang selbst ist für mittelständische Handelsunternehmen derzeit wenig bedeutsam. Es bestehen kaum Perspektiven, dass die erheblichen Kosten eines Börsenganges durch den Verkauf von Aktien zu decken sind. Da mit Nachdruck betont werden muss, dass die Einschätzung einer Branche auch Stimmungsschwankungen unterworfen ist, sind seriöse Prognosen für den Erfolg von IPOs aus der Handelslandschaft selbst für die nächste Zukunft kaum möglich.

5 Fazit
Zu den Hochzeiten des Neuen Marktes wurde der Einzelhandel als wenig reizvoll und somit für die Börse als unattraktiv eingeschätzt. Möglicherweise gelingt es dem Handel, seine Rentabilität zu verbessern, so dass er - verbunden mit dem Hinweis, dass es schon immer Handel gab und im Gegensatz zu anderen Industriezweigen auch immer geben wird - durch Solidität und Qualität überzeugen kann.






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