Finanzierungsgrundsätze

Optimierung der Finanzstruktur

Eine solide Kapitalausstattung ist eines der existenziellen Fundamente aller Einzelhandelsbetriebe und unverzichtbare Voraussetzung eines dauerhaften Fortbestands. Finanzierungsfehler und ungenügendes Eigenkapital sind oftmals die Engpassfaktoren in der Wertschöpfung. Der Handel ist auf Zwischen- und Spitzenfinanzierung angewiesen.

1 Funktion der Finanzierung
Ein Handelsunternehmen ist optimal finanziert, wenn seine Finanzstruktur so gestaltet ist, dass das Unternehmensziel ohne Gefährdung der Sicherheit bei minimalen Kosten erreicht wird. Dazu ist ein ausgewogenes Verhältnis von Eigenkapital undFremdkapital zur Finanzierung des Anlage- und Umlaufvermögens nötig.

Im engeren Sinne ist die Finanzierung die ausreichende Versorgung des Unternehmens mit Kapital, damit es alle geschäftlichen Verpflichtungen fristgerecht erfüllen kann. Der Kapitalbedarf richtet sich dabei unter anderem nach Betriebsgröße, Branche, Standort und Betriebsform.

Die Kapitalbeschaffung ist eng mit der Kapitalverwendung verbunden. An jede Investition muss sich ein Kapitalrückfluss anschließen. Daraus ergibt sich folgender Kapitalkreislauf:

2 Betriebswirtschaftliche Analyse (klassischer Ansatz)
Um die Finanzlage eines Unternehmens zu beurteilen, werden aus der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) bestimmte Positionen herangezogen. Wie beim Rating sind die zukunftsbezogenen Risiken nicht ausschließlich in den Daten und Fakten, sondern auch in der Managementqualität des Unternehmers und in der Nachfolgeregelung zu sehen (weiche Faktoren).

Folgende Bilanzpositionen sind relevant:
- Sachanlagen: Grundstück/Gebäude, Fuhrpark, Ausstattung und anderes Anlagevermögen,
- Finanzanlagen: Beteiligungen, gewährte Darlehen,
- immaterielle Werte: Firmenwert,
- Umlaufvermögen: Warenbestand, Forderungen, Bankguthaben, Kassenbestand,
- Bilanzsumme (Aktiva),

- Eigenkapital,
- langfristiges Fremdkapital,
- Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen,
- kurzfristige Verbindlichkeiten (Kontokorrentkredit),
- Bilanzsumme (Passiva).

Aus der GuV werden nur die wesentlichen Ergebnisfaktoren ermittelt. Dazu gehören:
- Umsatzerlöse ohne Mehrwertsteuer und nach Abzug der Erlösminderungen,
- Netto-Cashflow,
- steuerliches Betriebsergebnis,
- Zinsaufwand.

Folgende Kennzahlen werden dann abgeleitet:
- Betriebsergebnis (EBIT),
- Betriebsrendite,
- Eigenkapitalrendite,
- Eigenkapitalquote,
- Deckungsgrad erster, zweiter, dritter Ordnung,
- Zinsen,
- dynamischer Verschuldungsgrad,
- Liquiditätsgrad.

3 Bilanz-/GuV-Indikatoren
Einzelne Positionen aus der Bilanzanalyse müssen herausgezogen und auf ihre Wertstellung hin untersucht werden. Dies betrifft das Warenlager, dem zu oft die stillen Reserven zugerechnet werden. Die entscheidende Position ist jedoch das Anlagevermögen und hier insbesondere der Grund und Boden und die Gebäude, die in der Bilanz stehen. Sie dienen der Sicherstellung von langfristigen Fremdmitteln. Hier sind Beleihungsgrenzen und der Beleihungsspielraum unter Berücksichtigung der bereits gegebenen Sicherheiten von Bedeutung (siehe Kapitel „Bilanz-/GuV-Indikatoren“).

4 Finanzrentabilität
Um die Finanzrentabilität festzustellen, muss die Finanzierung eines Unternehmens anhand von wichtigen Kennzahlen analysiert und beurteilt werden. Bei ausschließlicher Betrachtung der eigenen Bilanzwerte stellt der Zeitvergleich über die drei letzten Jahre eine ausreichende Grundlage dar, die Veränderungen zum Positiven oder Negativen festzustellen und Trends auszumachen.

Die Eigenkapitalquote und die langfristige Fremdkapitalquote sind die wichtigsten Verhältnisgrößen in der Bilanz. Je günstiger das Verhältnis von Eigenkapital zu Bankschulden ist, um so unabhängiger ist das Unternehmen von Kreditinstituten.

Für die Berechnung der Kapitalrentabilität werden neben Bilanz- auch Kostenpositionen miteinander verknüpft. Die Eigenkapitalrentabilität und die langfristige Fremdkapitalrentabilität sind ebenso von Bedeutung wie der Return on Investment (RoI) (siehe Kapitel „Finanzrentabilität“).

5 Regeln
Die goldene Bilanz- oder Finanzierungsregel besagt, dass das langfristig nutzbare Vermögen ebenfalls mit langfristig verfügbaren Mitteln zu decken ist. Diese existenziell notwendige Kapitalausstattung wird dem Aufbau einer optimalen Finanzstruktur zugrundegelegt. Das Anlagevermögen sollte durch einen hohen Eigenkapitalanteil und ergänzend durch langfristiges Fremdkapital abgedeckt werden.

Im Einzelhandel sind noch zusätzlich Teile des Warenlagers und der Forderungen langfristig finanziell abzusichern. Eine sorgfältige Berechnung muss jedes Unternehmen in Bezug auf seine Branche mit ihren spezifischen Eigenheiten durchführen, da die Leistungskennziffern unterschiedlich ausfallen.

Dabei ist es erfahrungsgemäß erforderlich, dass nicht die stichtagsbezogenen Bilanzdaten genommen werden, da sie in fast allen Branchen zum Jahresende niedriger liegen als im Durchschnitt des Jahres. Für die Deckung des Kapitalbedarfs und die vorausschauende Finanzplanung ist vom Jahresmittelwert auszugehen. Der Durchschnitt errechnet sich aus 13 Beständen: Schlussbilanz = Eröffnungsbilanz und 12 Bestände zu Ultimo eines jeden Monats. Gleichzeitig werden durch die monatliche Auflistung die besonderen Spitzen in der kurzfristigen Kapitalnachfrage festgehalten (siehe Kapitel „Regeln“).

6 Liquiditätsindikatoren
Ein Einzelhandelsunternehmen ist existenziell darauf angewiesen, kurzfristig fällige Schulden auch kurzfristig begleichen zu können. Ein Liquiditätsgrad von über 200 Prozent weist auf eine hervorragende Liquiditätslage hin. Hohe Liquiditätsreserven liegen im Umlaufvermögen - und zwar beim Warenbestand und bei den Forderungen.

Um zu einem einheitlichen Maßstab zur Beurteilung eines Unternehmens zu kommen, müssen einige handelsspezifischen Faktoren berücksichtigt werden (siehe Kapitel „Liquiditätsindikatoren“).

7 Fazit
Zu den Grundsätzen der Finanzierung gehört die Kenntnis der relevanten Bilanz- und GuV-Indikatoren sowie der Liquiditätsindikatoren. Zudem gibt es einige Grundregeln, die ein Einzelhandelsunternehmer im Rahmen der Finanzierung beherrschen muss. Eine grundlegende Kenngröße ist auch die Finanzrentabilität.






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