Ratingverfahren und -agenturen

Externe Bewertung

Das externe unterscheidet sich vom internen Rating durch folgende Merkmale:

Externes Agentur-Ranking Internes Bank-Rating
» erfolgt durch eine spezialisierte Ratingagentur
» in D für den Mittelstand bisher eher unüblich, wird sich aber langsam entwickeln
» Nachteil: hohe Kosten
» Vorteil: Defizite innerhalb des Unternehmens werden aufgedeckt und Verbesserungsansätze erkennbar
» standardisiertes bankinternes verfahren der Bonitätsbewertung
» verfolgt auch bankpolitische Ziele, daher nicht unbedingt objektiv
» bislang für den Kreditnehmer kaum transparent
» keine Verbesserungsansätze, kaum Gegenargumente

1 Ablauf des Ratingverfahrens
Ein Rating wird initiiert, indem ein Unternehmen bei einer Ratingagentur einen entsprechenden Antrag stellt. Die Mitarbeiter der Ratingagentur arbeiten während des Ratingprozesses eng mit der Unternehmensführung zusammen, um die notwendigen internen Daten zu sammeln und gegebenenfalls zu diskutieren.

Nach der Informationsbeschaffung erfolgt die Bonitätsanalyse. Zunächst wird die Branche untersucht, in der das Unternehmen tätig ist. Hierbei werden durchleuchtet: die Wettbewerbssituation - gegebenenfalls auch international -, die Konjunkturabhängigkeit und die Wachstumsaussichten des Marktes.

Danach erfolgt eine Analyse der speziellen Unternehmensrisiken. Die Analyse teilt sich auf in eine quantitative und in eine qualitative. In der quantitativen Analyse werden Umsatz, Kosten und Ergebnisse untersucht. Ziel ist eine umfassende und detaillierte Aussage der betriebswirtschaftlichen Situation. Bewertet werden auch Beschaffung und Absatz sowie der relative Marktanteil. In einer qualitativen Analyse werden Management, Organisation, Strategie und andere weiche Faktoren untersucht.

Sofern eine Beurteilung für die Öffentlichkeit bestimmt ist, erfolgt diese über ein so genanntes Ratingsymbol. Dabei verwenden die Ratingagenturen teilweise eigene Schlüssel, die sich bei den großen amerikanischen Ratingagenturen nur geringförmig voneinander Unterscheiden (siehe dazu die nachfolgende Zusammenstellung).

Moody’s Standard
& Poor‘s
Fitch IBCA Euro-
Ratings
Bonitäts-Einstufung
Aaa AAA AAA AAA sehr gut:
Höchste Bonität, praktisch kein Ausfallrisiko
Aa1
Aa2
Aa3
AA+
AA
AA
AA+
AA
AA
AA+
AA
AA-
sehr gut bis gut:
Hohe Zahlungswahrscheinlichkeit
A1
A2
A3
A+
A
A-
A+
A
A-
A+
A
A-
Gut bis befriedigend:
Angemessene Deckung von Zins und Tilgung, viele gute Investmentattribute; aber auch Elemente, die sich bei einer Veränderung der wirtschaftlichen Lage negativ auswirken können
Baa1
Baa2
Baa3
BBB+
BBB
BBB-
BBB+
BBB
BBB-
BBB+
BBB
BBB-
Befriedigend:
Angemessene Deckung von Zins und Tilgung, aber auch spekulative Charakteristika oder mangelnder Schutz gegen wirtschaftliche Veränderungen
Ba1
Ba2
Ba3
BB+
BB
BB-
BB+
BB
BB-
BB+
BB
BB-
Ausreichend:
Sehr mäßige Deckung von Zins und Tilgung, auch in gutem wirtschaftlichem Umfeld
B1
B2
B3
B+
B
B-
B+
B
B-
B+
B
B-
Mangelhaft:
Geringe Sicherung von Zins und Tilgung
Caa (1-3)
Ca
CCC
CC
CCC
CC
C
CCC
CC
C
Ungenügend:
Niedrigste Qualität, geringster Anlegerschutz, in akuter Gefahr eines Zahlungsverzugs
C SD/D DDD
DD
D
D Zahlungsunfähig:
in Zahlungsverzug, bei Fitch IBCA mit unterschiedlichen Erwartungen für Rückzahlungsquoten
(Quelle: FAZ)

2 Externes vs. bankeninternes Rating
Die Vorzüge eines externen Ratings bestehen in der nahezu objektiven Beurteilung eines Unternehmens nach festgelegten, einheitlichen Standards. Eine zeitnahe Entwicklung des Unternehmens stellt die Güte des Systems unter Beweis.

Erst in den letzten Jahren haben sich die Banken den Ratingkriterien angenähert. Bankeninternes Rating erfolgt vornehmlich für Kreditentscheidungen meistens auf der Basis der Jahresabschlüsse. Per Rating beurteilte Unternehmen erfahren meist nur durch die Zinshöhe oder durch einen abschlägig erteilten Kreditbescheid, wie sie von ihrer Hausbank beurteilt werden. Bei den Banken sind im Vergleich zu den externen Ratingagenturen die Feinabstufungen der Bonitätsklassen meist weniger detailliert.

Das Baseler Komitee für Bankenaufsicht hat festgestellt, dass sich viele Ratingsysteme deutlich voneinander unterscheiden. Deckungsgleich ist meist die Überprüfung der Entwicklung von Bilanzen, Einkommen und Cashflow. Sehr oft weicht auch der Mix zwischen den quantitativen und qualitativen Faktoren erheblich voneinander ab.

Um den neuen Eigenkapitalvorschriften gerecht zu werden, haben inzwischen die Banken für ihre Institutsgruppen einheitliche Standards entwickelt und statistisch unterlegt. Jedoch ist eine Verbindung zwischen den Ratingverfahren der einzelnen Institutsgruppen nicht möglich, ebenso auch nicht zwischen den externen Ratingagenturen.

3 Mittelstandsorientierte Ratingagenturen
Bisher war die Ratingkultur in Deutschland nur schwach ausgeprägt. Alternativen zu den großen Ratingagenturen waren nicht vorhanden. Inzwischen haben sich eine Reihe von Agenturen gebildet, die auch für den Mittelstand zu akzeptablen Konditionen tätig werden.

Aufgrund der entgegen dem ersten Konsultationspapier nun umgesetzten Regelung, nicht nur ausschließlich externe Ratings zuzulassen, haben sich mittlerweile bereits wieder einige Ratingagenturen aus dem Mittelstandsgeschäft zurückgezogen.

Eine Übersicht mit ausgewählten Ratingagenturen und deren Verfahren steht zum Download zur Verfügung.

Liste ausgesuchter Ratingagenturen im PDF-Format

4 Fazit
Im klassischen Kreditgeschäft werden die internen Ratings an erster Stelle stehen. Sofern der Kapitalbedarf über Dritte gedeckt werden soll, wird sich das Unternehmen einem externen Rating unterziehen müssen.






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