Anlassabhängige Informationen
Finanzierungsfehler erkennen
Neben periodischen Informationen spielen bei der Kommunikation mit der Bank auch anlassabhängige Informationen eine Rolle. Das heißt: Banken führen auch besondere, anlassbezogene Kreditüberwachungen durch.
1 Mögliche Anlässe
Anlässe für Kreditüberwachungen können sein:
- Krediterhöhung,
- Kreditprolongation (-verlängerung),
- Kontoüberziehungen,
- Konditionenänderungen,
- Sicherheitenänderungen/-freigaben,
- Zins-/Tilgungsrückstände,
- ungewöhnliche Umsatzbewegungen/-entwicklungen,
- Scheck- und Lastschriftrückgaben,
- fehlende Bonitätsunterlagen.
Wenn einer dieser Tatbestände vorliegt, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Bank aus diesem besonderen Anlass eine umfangreiche Kreditüberwachung vornimmt. Kreditinstitute sehen in solchen Fällen die Notwendigkeit, folgende Punkte – wie bei der periodischen Kreditüberwachung – zu überprüfen:
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die wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens, |
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die Kreditsicherheiten, |
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die persönlichen Verhältnisse des Inhabers bzw. der Gesellschafter sowie die rechtlichen Verhältnisse des Unternehmens, |
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Zukunftsaussichten für die betroffene Branche, |
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den bestimmungsmäßigen Einsatz der gewährten Kredite, |
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die vertraglichen Vereinbarungen, |
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die Bonitätsunterlagen, |
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die Kapitaldienstzahlungen. |
Bei besonderen Anlässen, die der Unternehmer bzw. die geschäftsführenden Gesellschafter zu vertreten haben, sollten mit den kreditgebenden Banken rechtzeitig Gespräche geführt werden, um entsprechende Maßnahmen zu treffen. Beispiele dafür sind Fusionen oder Unternehmensnachfolgen. Der Anlass kann aber auch von der Bank ausgehen, wie zum Beispiel beim Wechsel des Filialleiters.
2 Finanzierungsfehler als Anlass
Oftmals sind es Finanzierungsfehler, die Unternehmen in Schwierigkeiten bringen, woraus dann anlassabhängige Bankgespräche resultieren. Wenn man diese erkannt hat, sind sie relativ leicht zu vermeiden. Es gibt eine Reihe solcher Finanzierungsfehler.
a) Die beantragte Kreditsumme ist zu niedrig.
Es ist empfehlenswert, immer einen ausreichend hohen Kreditbetrag zu beantragen, der gewisse Spielräume zulässt. Grundlage dafür ist eine sorgfältige Ermittlung des Kapitalbedarfes, der vom Umfang der geplanten Investition abhängt. Dadurch wird ein Bankgespräch anlässlich der Erhöhung des bereits bewilligten Kredits vermieden. Es ist ebenfalls zu beachten, dass die Bank nicht zu einer entsprechenden Kreditaufstockung verpflichtet ist.
b) Die Kreditlaufzeit ist zu kurz.
Wenn eine zu kurze Kreditlaufzeit vereinbart wird, sind Liquiditätsschwierigkeiten das Resultat, die wiederum rückständige Zins- und Tilgungsleistungen der laufenden Kredite zur Folge haben. Es ist daher wichtig, die Kreditlaufzeit ausreichend zu bemessen und sich dabei nach der wirtschaftlichen Nutzungsdauer der damit finanzierten Gegenstände zu richten. Hat der Gegenstand, der mit dem Darlehen finanziert werden soll, eine wirtschaftliche Nutzungsdauer von beispielsweise sechs Jahren, sollte er auch mit einem Kredit mit sechsjähriger Laufzeit finanziert werden. Kredittilgungen sind immer nur bis zur Höhe der steuerlichen Abschreibungen zu vereinbaren. Sofern die Abschreibungen vom Unternehmen im Laufe eines Jahres verdient werden, stehen auch stets die Mittel für die jährliche Kredittilgung zur Verfügung.
c) Es fehlt eine Liquiditätsreserve.
Aufgrund eines stark saisonal geprägten Umsatzverlaufs vieler Handelsunternehmen, haben diese auch einen entsprechend schwankenden Kapitalbedarf. Um derartige Schwankungen problemlos abzufangen, benötigen die Unternehmen eine angemessene Liquiditätsreserve in Form einer ausreichenden Kontokorrentkreditlinie.
d) Es sind keine freien Kreditsicherheiten in der Reserve vorhanden.
Wenn die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens schwierig ist, sollte man darauf achten, dass noch bankübliche Sicherheiten zur Aufnahme eines weiteren Kredits zur Verfügung stehen. Daher ist es wichtig, der Bank nicht mehr Sicherheiten zu geben, als unbedingt nötig, um sich noch Sicherheitsreserven für schlechtere Zeiten vorzubehalten.
e) Es wird zu viel kurzfristig finanziert.
Wenn kurzfristig zur Verfügung gestelltes Geld im Unternehmen langfristig gebunden wird, hat das in jedem Fall Liquiditätsengpässe zur Folge, weil das kurzfristig aufgenommene Geld auch kurzfristig wieder zurückgezahlt werden muss. Da Bauvorhaben oftmals teurer werden, als ursprünglich veranschlagt, kommt es immer wieder vor, dass der Restbetrag über das Kontokorrentkonto finanziert wird. Im Vorfeld einer Finanzierung sind daher die Fristigkeiten nicht außer acht zu lassen.
f) Das Eigenkapital ist zu niedrig.
Die Eigenkapitalquote ist für die Banken eine wichtige Kennzahl im Rahmen der Jahresabschlussanalyse. Sie ist bei Handelsunternehmen überwiegend sehr niedrig; im Durchschnitt liegt sie unter 10 Prozent. Daher ist die Entnahmepolitik des Inhabers bzw. der geschäftsführenden Gesellschafter (bei Kapitalgesellschaften) am Betriebsergebnis auszurichten und das Eigenkapital jährlich wenigstens in Höhe der Inflationsrate aufzustocken.
g) Es werden keine kostengünstigen Kreditarten eingesetzt.
Teure Finanzierungen haben oft unterschiedliche Ursachen. Es ist daher zu vermeiden,
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dass der Anteil der kurzfristigen Kredite zu hoch ist, |
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dass versäumt wird, in Niedrigzinsphasen feste Zinssätze für mehrere Jahre zu vereinbaren, |
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dass falsche Finanzierungsarten eingesetzt werden, |
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dass keine Alternativangebote von anderen Banken eingeholt werden und deshalb zu teuer finanziert wird, |
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dass die Bank ungünstige Konditionen abrechnet oder |
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dass kostengünstige Kreditarten wie Eurokredite, Geldmarktkredite, öffentliche Finanzierungshilfen etc. nicht in Anspruch genommen werden. |
3 Fazit
Für einen Einzelhandelsunternehmer gilt es, sich auf eine mögliche anlassbezogene Kommunikation mit dem Kreditinstitut frühzeitig einzustellen. Finanzierungsfehler zu vermieden, sollte an erster Stelle stehen, um nicht unnötige Kreditüberwachungen von Seiten der Bank zu provozieren.
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Weiterführende Literaturhinweise: Erfolgreicher mit Banken verhandeln, BBE Unternehmensberatung, Köln 1996. Wirtschaftslehre des Kreditwesens, Grill & Perczynski, Verlag Gehlen, 2000. |