Kundentypen
sind Gruppen von Konsumenten, die sich hinsichtlich Interesse, Werte, Einstellungen, Meinungen, Einkaufsverhalten und Persönlichkeitsmerkmal unterscheiden (Lebensstil). Das Erkennen des jeweiligen Kundentyps ist für die Zielgruppenbildung und werbliche Kundenansprache von Bedeutung.

Kundentypen lassen sich nach formalen demographischen Kriterien bilden, nach ihrem Einkaufsverhalten oder nach sozialen Milieus. Es gibt grundlegende Typologiebildungen, die die Basis für branchenorientierte Kundentypologien darstellen, an denen sich dann die Zielgruppenpolitik der Einzelhandelsunternehmen orientieren kann.

Bei der Orientierung am Einkaufsverhalten kann man generell nach folgenden Kundentypen unterscheiden:

1.  Prestigetyp, bei dem der Gestaltungsdrang vorherrscht. Er will mit den Artikeln, die er kauft, dokumentieren, dass er sich etwas leisten kann.
2.  Neuheitentyp, der den neuen Trends gegenüber sehr aufgeschlossen ist, will Bahnbrecher und Pionier sein. Seine Überlegung ist bei der Kaufentscheidung die, ob sie den Ansprüchen der Zukunft genügt.
3.  Stilempfindender Typ, der in den Produkten Schönheit sucht, oder Form und Verwirklichung eines bestimmten Stils. Er will sich an dem erfreuen, was er besitzt. Mit seinem Geschmacksempfinden fühlt er sich einer Elite zugehörig.
4.  Sicherheitstyp, der Angst vor Neuem, Umgewohntem hat. Er neigt dazu, immer wieder das zu kaufen, was er bereits kennt. Bei einer neuartigen Kaufentscheidung sichert er diese durch ausgiebige Vorinformation ab.
5.  Leistungstyp, der hohe Ansprüche an die Nützlichkeit und die Leistungsfähigkeit der Produkte stellt.
6.  Aufwandstyp, der nur den Preis eines Artikels beachtet. Er kann nicht billig genug einkaufen und ist auf Sonderangebote und Schnäppchen erpicht. Vor jedem Kauf stellt er Preisvergleiche an (Smart Shopper).

Von besonderer Bedeutung für die Kundentypologie hat sich der Ansatz der Sinus Sociovision erwiesen, der mit der Milieubildung die soziale Wirklichkeit der deutschen Bevölkerung realitätsnah und relativ zeitstabil abbildet. Die Sinus-Milieus als Grundlage der Zielgruppenbildung und -orientierung:

1.  Leitmilieus - Etablierte, das selbstbewusste Establishment mit 10% Bevölkerungsanteil; Postmaterielle, aufgeklärte Nach-68er mit 10% Anteil; Moderne Performer, die junge, unkonventionelle Leistungselite mit 8% Anteil. Gesamtanteil der Leitmilieus an der Bevölkerung 28%.
2.  Traditionelle Milieus - Konservative, das alte deutsche Bildungsbürgertum mit 5% Bevölkerungsanteil; Traditionsverwurzelte, die Sicherheit und Ordnung liebende Kriegsgeneration mit 15% Anteil; DDR-Nostalgische, die resignierten Wendeverlierer mit 6% Anteil. Gesamtanteil der traditionellen Milieus an der Bevölkerung 26%.
3.  Hauptstrom-Milieus - Bürgerliche Mitte, statusorientiert, modern, Streben nach sozialer und beruflicher Etablierung mit 16% Bevölkerungsanteil; Konsum-Materialisten, stark materialistisch geprägte Unterschicht mit 11% Anteil, Gesamtanteil der Hauptstrom-Milieus an der Bevölkerung 27%.
4.  Hedonistische Milieus - Experimentalisten, extrem individualistisch mit 7% Bevölkerungsanteil; Hedonisten, die spaßorientierte moderne Unterschicht/untere Mittelschicht mit 11% Anteil. Gesamtanteil der hedonistischen Milieus an der Bevölkerung 18%.

In der Outfit 5-Typologie stellt der Spiegel-Verlag Kundentypologien für Damen- und Herrenmode vor:

Damenmode mit 7 Kundentypen (Basis 25,48 Mio. Frauen, 14 bis 64 Jahre) - die Modebegeisterte mit 16%, die Souveräne mit 12%, die Sparsame mit 14%, die Intellektuelle mit 16%, die Individualistin mit 14%, die Modekonformistin mit 13% und die Unsichere mit 14%.
Herrenmode mit 7 Kundentypen (Basis 25,42 Mio. Männer, 14 bis 64 Jahre) - der Modische mit 17%, der Pragmatische mit 14%, der Desinteressierte mit 15%, der Provokative mit 13%, der Modekonformist mit 14%, der Intellektuelle mit 16% und der Konservative mit 13%.

 
 
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