Kundenwünsche „übersetzen“
Die richtige Lösung bieten
Die Stärke des Fotohandels liegt in seiner Beratungskompetenz. Vielfach betreten die Kunden das Geschäft mit eher diffusen Vorstellungen ihrer Wünsche, Ansprüche und Fähigkeiten, so dass der Händler nur durch eine Reihe von Fragen das entsprechende Kundenprofil erkennen und eine darauf zugeschnittene Lösung anbieten kann. Die wichtigsten Punkte, die im Laufe eines solchen Kundengespräches auftreten können, sollen an dieser Stelle erläutert werden.
1 Analog oder digital
Die wichtigste Frage, die beim Kauf einer Kamera zunächst geklärt werden muss, ist die Entscheidung zwischen einer analogen und einer digitalen Lösung. Daraus leiten sich die weiteren Entscheidungen zwischen verschiedenen Kameraklassen und Modellen ab.
Kundenwunsch: Ich möchte Bilder per E-Mail verschicken.
Lösung: Der Kunde benötigt eine Digitalkamera, deren Auflösung vergleichsweise niedrig sein kann, um die Dateigrößen der digitalen Fotos möglichst gering zu halten. Höher auflösende Digitalkameras liefern Bilder, die er mit einem Bildbearbeitungsprogramm am Rechner verkleinern muss, um sie über das Internet zu verschicken; mit analogen Kameras produziert er dagegen Fotos, die er nur über den Umweg des scannens in den Computer übertragen kann.
Ausschlaggebend ist die angestrebte Nutzung der Kamera: Wenn sich der Kunde auf die Frage, wie häufig und zu welchen Anlässen er fotografieren möchte, als ein „Gelegenheitsknipser“ herausstellt, der die Kamera zweimal im Jahr aus dem Schrank holt, um wenige Bilder im Urlaub und ein paar Fotos zu Weihnachten aufzunehmen, dann kann ihm eine ganz simple Analogkamera empfohlen werden. In seinem Fall muss die Kamera extrem einfach zu bedienen sein und auch die Bildbestellung muss problemlos erfolgen – also idealerweise über die Abgabe des Films beim Händler.
Kundenwunsch: Ich fotografiere sehr selten und möchte mich mit dem Thema nicht besonders beschäftigen.
Lösung: Eine einfache Kamera – eventuell sogar eine Einweglösung – reicht bereits aus. Ein Zoomobjektiv und ein eingebauter Blitz können die Ausstattung abrunden, weitere Funktionen sind nicht unbedingt notwendig. Fotografische „Wunder“ lassen sich von einer solchen Kamera jedoch nicht erwarten.
In diesem einfachen Fall kann es sich sogar um eine Einwegkamera handeln, die nach den Aufnahmen komplett abgegeben und deren Gehäuse vom Hersteller für neue Einwegkameras recycelt wird.
Kundenwunsch: Ich mache hauptsächlich Fotos bei Familienfesten.
Lösung: Zum einen sollte eine Kamera mit einem großen Weitwinkelbereich zum Einsatz kommen, um in Innenräumen sinnvoll fotografieren zu können. Außerdem ist ein eingebauter Blitz von Vorteil, um die Szene korrekt ausleuchten zu können.
Hochwertige Sucherkameras bieten darüber hinaus lichtstarke Objektive, um in diesen Situationen eventuell ohne Blitz auszukommen.
Wenn der Kunde einen häufigeren Kameraeinsatz angibt, dann können sowohl kompakte Sucherkameras mit analoger als auch digitaler Technik empfohlen werden. Dabei spielt der geplante Einsatz der Kamera die ausschlaggebende Rolle: Wer zum Beispiel häufig Fotos auf Partys oder ähnlichen Gelegenheiten macht, diese sofort betrachten und später mit anderen austauschen möchte, sollte unbedingt zu einer Digitalkamera greifen. Durch den Monitor auf der Rückseite lassen sich die Fotos sofort betrachten und – bei Nichtgefallen – auch wieder löschen.
Mittels E-Mail-Anschluss des PCs können die Bilder in wenigen Sekunden weltweit verschickt oder in digitalen Fotoalben anderen Anwendern zur Verfügung gestellt werden. Dabei sorgen Passworte und Zugangsberechtigungen dafür, dass nur diejenigen, die die Berechtigung zur Bildbetrachtung haben sollen, sich die Fotos anschauen können.
Kundenwunsch: Ich möchte die Bilder möglichst einfach präsentieren.
Lösung: Viele Digitalkameras besitzen einen TV-Anschluss. Mit Hilfe eines mitgelieferten Kabels kann man diesen mit einem normalen Fernseher verbinden und die Fotos dann in voller Bildschirmgröße betrachten.
Kundenwunsch: Ich bin Briefmarken-(Münz)-Sammler und möchte Abbildungen der Objekte aufnehmen.
Lösung: Auch für diesen Kunden ist eine Digitalkamera eine gute Lösung. Zum einen bieten fast alle eine gute Makrofunktion, mit der bis auf wenige Zentimeter an das Objekt herangegangen werden kann. Zum anderen lassen sich die digitalen Bilder in eine Datenbank einbinden, so dass die Sammlerstücke komfortabel mit dem Rechner verwaltet werden können.
Wenn dem Kunden jedoch die Beschäftigung mit der digitalen Technik zu kompliziert erscheint, dann sollte er eine analoge Kompaktkamera bevorzugen. Hier ist die Entscheidung zwischen dem klassischen Kleinbildformat und dem neueren APS-Format zu treffen:
Das Kleinbildformat hat gegenüber dem APS-Film den Vorteil einer deutlich größeren Verbreitung. Weltweit können Kameras mit diesem Filmformat arbeiten, auch die Entwicklung im Labor ist problemlos möglich.
Kundenwunsch: Ich will im Urlaub fotografieren – vom Porträt bis zur Landschaftsaufnahme.
Lösung: Hier empfiehlt sich eine kompakte Sucherkamera, die problemlos transportierbar ist. Ein großes Zoomobjektiv ist empfehlenswert, um zum Beispiel weit entfernte Gebäude formatfüllend aufnehmen zu können. Die Entscheidung zwischen einer analogen oder digitalen Lösung muss im Gespräch mit dem Kunden fallen. Wenn er bereits einen PC besitzt und keine Berührungsängste vor digitaler Technik zeigt, ist die digitale Kamera auch für „Urlaubsknipser“ eine interessante Alternative. Dabei ist jedoch der Hinweis auf zusätzliche und größere Speichermedien wichtig.
APS ermöglicht durch sein kleineres Filmpatronenformat extrem kompakte Kameras, die in der Hemdentasche verschwinden, und kann darüber hinaus mit drei unterschiedlichen Bildformaten – inklusive Panoramamodus – arbeiten. Auch hier muss in Zusammenarbeit mit dem Kunden ermittelt werden, welche Bilder er machen möchte. Daraufhin kann eine Entscheidung fallen.
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