Stagnation der Gesamtbevölkerung bei weiterer Verschiebung der Altersstruktur
Keine Rahmenbedingung für die Entwicklung der Konsumgütermärkte ist so deutlich erkennbar wie der demographische Wandel. Für die natürliche Bevölkerungsentwicklung ist er relativ sicher prognostizierbar, da die meisten Menschen des Jahres 2010 oder auch 2020 schon heute leben. Auch hinsichtlich der Einwanderungspolitik hat sich ein relativ stabiler Grundkonsens herausgebildet.
Die Gesamtbevölkerung in Deutschland wird sich mittelfristig wenig verändern. Ein recht begrenzter Rückgang der deutschen Bevölkerung wird durch eine politisch ebenfalls begrenzte Zunahme von Ausländern ausgeglichen. Die Gesamtzahl von heute 82 Millionen Einwohnern wird sich bis 2010 nur knapp verringern, um in der Folgezeit jedoch drastisch abzunehmen. In 2030 wird bei einem Zuwanderungssaldo von 200000 Personen pro Jahr mit einer Gesamtbevölkerungszahl von knapp 78 Mio. gerechnet.
Deutlich wird schon in den kommenden Jahren dagegen die Verschiebung der Altersstruktur innerhalb der Bevölkerung spürbar sein. Während zwischen heute und 2020 der Anteil der Jüngeren weiter zurückgeht (bei den unter 20-jährigen von über 22% auf etwa 17%) und auch die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter absolut und relativ weniger wird, steigt der Anteil der jungen Alten und der Hochbetagten deutlich an. Die Zahl der 65-Jährigen und Älteren wird 2010 über 3 Mio. höher sein als heute. Dies wird erhebliche Auswirkungen für die Arbeitswelt, die Systeme der sozialen Sicherung und für das Zusammenleben in der Gesellschaft haben.
Für den Einzelhandel werden diese Veränderungen erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen. Die Bedeutung der "Ausländermärkte" wird sich bis 2010 etwa verdoppeln. Dies führt zu einer Internationalisierung der Warensortimentre, aber auch zu spezifischen Einkaufsstätten und Betriebstypen, die bevorzugt von ausländischen Mitbürgern frequentiert werden.
Bei der Abschätzung der Wirkungen der überalterten Bevölkerung auf den Einzelhandel muss ein grundsätzliche Differenzierung vorgenommen werden. Eine Polarisierung wird die Unterscheidung in gesunde und kranke Senioren ergeben. Während die Erstgenannten kaum Veränderungen im bisherigen Konsumverhalten zeigen werden, werden die kranken Senioren in ihrem Lebensumfeld durch ihr Gebrechen bestimmt. Insgesamt wird die Nachfrage nach häuslichen Dienstleistungen enorm steigen. Auch innerhalb der Kaufkraft sind Verschiebungen zu verzeichnen. Die der Gruppe der älteren Bevölkerungsteile steigt, wohingegen die der jüngeren Schichten fällt. Der sog. "graue Markt wird wachsen und Produkte anbieten, die auf die speziellen Bedürfnisse der Älteren zugeschnitten sind. Der Einfluss des Alters auf die sozialen Beziehungen wird sich mehr und mehr verwischen.
Die Mobilität der Bevölkerung wird weiter zunehmen, so dass sich die "Dezentralisation der Zentralität" verstärkt. Einer relativen Bevölkerungszunahme von Klein- und Mittelstädten steht eine relative Bedeutungsabnahme der Großstadte gegenüber. Immer mehr Gemeinden erzielen Kaufkraftpotentiale auch für Betriebstypen, die sich dort bislang nicht niederlassen wollten.